Die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) hat in einer Studie geprüft, wie sich soziales Engagement von Unternehmen auf deren Gewinne auswirkt. Für die Untersuchung "Total Societal Impact – A New Lens for Strategy" wurden Firmen aus den Branchen "Allgemeine Konsumgüter", "Pharmazeutische Produkte", "Öl und Gas", "Business Banking" und "Technologie" befragt. Insgesamt wurden mehr als 300 Unternehmen nach deren sozialem und umweltpolitischem Engagement gefragt sowie 200 repräsentative Personen aus 20 Unternehmen. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass es eine klare Verbindung zwischen sozialem Engagement und der finanziellen Performance eines Unternehmens gibt: Je mehr sich ein Unternehmen sozial engagiert, auf Umweltfragen achtet oder mit Nichtregierungsorganisationen zusammenarbeitet, desto besser schneidet auch seine Wirtschaftsleistung ab.    

Die Autoren der Studie schreiben, dass die Unternehmen, die sich sozial engagierten, das Risiko verringerten, Opfer von negativen Ereignissen zu werden – wie etwa von Produktunfällen, Rufmordkampagnen oder Verkaufsskandalen. Zudem würden die Unternehmen durch das soziale Engagement neue Themenfelder und neue Absatzmöglichkeiten erschließen. Firmen mit sozialem Bewusstsein würden flexibler und zukunftsorientierter agieren. Außerdem würden Kunden das soziale Engagement mit Vertrauen und stabiler Kundenbindung belohnen, etwa wenn Produkthersteller biologisch abbaubare Ressourcen verwendeten. Auch seien Unternehmen mit sozialem Bewusstsein besonders attraktiv für talentierte, neue Mitarbeiter. Das positive Image wirke sich positiv auf die Wirtschaftsleistung aus, weil es den Unternehmen gelinge, sich im Kampf um neue Mitarbeiter besser durchzusetzen.

Ein allgemeiner Trend

Im Unternehmensbereich "Allgemeine Waren" haben die Unternehmen mit dem höchsten sozialen Engagement 4,8 Prozent mehr Gewinne erzielt als der Durchschnitt der Befragten. Im Pharmazeutiker-Bereich waren es 8,2 Prozent mehr Gewinn, im Bereich "Öl und Gas" 3,4 Prozent und im Segment "Business Banking" 0,5 Prozent.

Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass das soziale Engagement eines Unternehmens mit einer anspruchsvollen, reflektierten Unternehmensführung einhergehen müsse, damit höhere Gewinne erzielt werden könnten. Das sozialpolitische Feld, in dem sich ein Unternehmen engagiert, müsse thematisch mit den Marktzielen des Unternehmens in Einklang stehen und bewusst ausgewählt werden. Das Unternehmen müsse seine sozialen Ziele klar artikulieren und den Kunden vermitteln, was es mit seinen sozialen Maßnahmen erreichen wolle. Es sollten Experten, die sich mit dem gewählten sozialpolitischen Feld auskennen, zu Rate gezogen werden. Die Messbarkeit der sozialen Maßnahmen müsse gegeben sein. Die Investoren sollten über die Ziele informiert sein. Zudem müsse ein gutes Management existieren, das fähig ist, das soziale Engagement mit den Wirtschaftserwartungen des Unternehmens effizient zu koordinieren.

Das Thema "Soziales Engagement bei Unternehmen" hat momentan Hochkonjunktur. Es soll Thema im Januar beim Weltwirtschaftsforum 2018 in Davos sein. Im September hat eine Studie des Weltwirtschaftsforums bereits bestätigt, dass soziale Maßnahmen am Arbeitsplatz die Produktivität von Unternehmen steigern würden. Bei der Studie wurde der Schutz von Arbeitnehmerrechten geprüft. Er sei wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit, schrieben die Autoren des WEF: "Die Wettbewerbsfähigkeit verbessert sich (…), wenn die nötige Flexibilität mit einem angemessenen Schutz der Arbeitnehmerrechte kombiniert wird", heißt es in dem Papier.