Babygerecht und "zum Knabbernlernen" – so bewirbt der Nahrungsmittelhersteller Alete seinen Kinderkeks. Doch dieser hat einen Zuckeranteil von 25 Prozent und ist damit nach Ansicht von Ärzten alles andere als babygerecht. Auch Verbraucher sind dieser Ansicht: In einer Onlineabstimmung der Verbraucherorganisation foodwatch stimmte eine Mehrheit der rund 70.000 Teilnehmer dafür, Alete mit dem Goldenen Windbeutel 2017 auszuzeichnen.

"Alete nutzt sein positives Image bei Eltern aus, um auf Kosten der Kleinsten Kasse zu machen – das grenzt an Körperverletzung durch Irreführung", sagte Sophie Unger von foodwatch, Wahlleiterin beim Goldenen Windbeutel. Die Verbraucherorganisation forderte den Babynahrungshersteller dazu auf, das Produkt vom Markt zu nehmen und sein Sortiment zu überarbeiten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Initiative Gesund ins Leben der Bundesregierung empfehlen, Säuglinge nur mit Produkten ohne Zucker zu füttern. Trotzdem vermarktet Alete seinen zuckerhaltigen Keks für Kinder ab dem achten Lebensmonat. Laut foodwatch ist etwa 30 Prozent aller Babyprodukte von Alete Zucker beigemischt.

Anfang November, nach Beginn der Windbeutel-Abstimmung, kündigte Alete an, seine Kekse nicht länger als babygerecht zu bewerben. Foodwatch teilte mit, der Nahrungsmittelhersteller habe versichert, das Etikett zu überarbeiten und irreführende Angaben zu entfernen. Außerdem wolle Alete die Rezeptur des Kekses ändern, ihn jedoch weiterhin mit einer Empfehlung für Säuglinge ab dem achten Lebensmonat vertreiben. Das veränderte Produkt werde 2018 auf den Markt kommen, kündigte Geschäftsführer Peter Hüttmann an.

Alete nutzt "rechtliche Lücken besonders dreist aus"

Foodwatch-Wahlleiterin Unger sagte, es sei absurd, Zuckerkekse nicht länger als babygerecht zu bezeichnen, sie aber weiter für Babys zu empfehlen. Gleichzeitig lasse die EU-Verordnung über Babylebensmittel Lücken. Selbst Kekse mit einem Zuckergehalt von bis zu 34 Prozent dürften noch als empfehlenswerte Produkte für Säuglinge beworben werden. "Alete nutzt die rechtlichen Lücken besonders dreist aus", kritisierte die foodwatch-Expertin. Dringend nötig seien bessere gesetzliche Vorgaben für Babylebensmittel.

Foodwatch vergibt den Negativpreis in diesem Jahr zum siebten Mal. Außer dem Kinderkeks waren für den Goldenen Windbeutel auch ein Protein-Drink der Firma Bauer, eine Ochsenschwanzsuppe ohne Ochsenschwanz von Continental Foods, ein Müsli von Kellogg's und ein Omega-3-Pflanzenöl von Unilever nominiert. Die Organisation verfolgt damit das Ziel, auf systematische und trotzdem legale Irreführung bei Lebensmitteln hinzuweisen und bessere Gesetze zu erwirken.