Die Lage auf der Baustelle des Hauptstadtflughafens BER ist einem Zeitungsbericht zufolge so chaotisch, dass eine Eröffnung des Airports vor 2021 – 15 Jahre nach Baubeginn – wohl unwahrscheinlich ist. Das schreibt der Tagesspiegel und beruft sich dabei auf einen Report des TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg von Anfang November sowie den aktuellen Lagebericht für die oberste Bauaufsicht Brandenburgs. Nach fünfjähriger Sanierung des BER-Terminals funktionierten demnach selbst Systeme nicht richtig, die eigentlich fertig zu sein schienen. Die Sachverständigen konstatierten "gravierende Defizite bei den technischen Systemen, vor allem erneut beim Brandschutz".

Den Dokumenten zufolge gibt es mehrere Schwachstellen: Die Entrauchungssteuerung, die Sprinkleranlagen, die Brandmeldeanlage, die elektroakustischen Notwarnsysteme und die Sicherheitsbeleuchtung im Fluggastterminal im Mainpier Nord seien nicht abnahmefähig. Eine "Wirksamkeit und Betriebssicherheit" sei "nicht gegeben". In sechs von zehn geprüften Anlagen hatte der TÜV Rheinland "wesentliche Mängel" festgestellt, in allen weiteren Anlagengruppen seien weitere, teilweise "systemische Mängel" erkannt worden. 

Der Zeitplan der BER-Führung könnte nun also erneut obsolet werden. Dem Tagesspiegel zufolge wollte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup dem Aufsichtsrat Mitte Dezember einen neuen Eröffnungstermin nennen. Zuletzt galt eine Inbetriebnahme im Jahr 2020 als realistisch. Am Montag hatte Lütke Daldrup im BER-Sonderausschuss Brandenburgs mitgeteilt, dass "bei Sachverständigenprüfungen festgestellte Mängel in Ordnung gebracht werden müssen". Für den weiteren Verlauf gebe es einen "anspruchsvollen Zeitplan" auf der Baustelle, sagte der Vorsitzende der Flughafengeschäftsführung.  

Der ehemals geplante Rahmen wird mittlerweile nicht nur durch die Baudauer, sondern auch durch die Kosten gesprengt: Seit die Eröffnung 2012 kurzfristig verschoben wurde, wurden für die Fertigstellung und zu Sanierungs- und Erweiterungszwecken nochmals 3,3 Milliarden Euro bewilligt. Die Gesamtkosten betragen damit 6,6 Milliarden Euro. Die Flughafengesellschaft Berlins, Brandenburgs und des Bundes (FBB) hatte 2,5 Milliarden Euro für den Bau des neuen Flughafens kalkuliert.