Was will die IG-Metall?

Die IG Metall fordert seit Jahren erstmals wieder kürzere Arbeitszeiten für die Mitarbeiter in der Metall- und Elektroindustrie. Hier beginnen die Tarifverhandlungen am Mittwoch. Beschäftigte sollen künftig für zwei Jahre ihre Arbeitszeit auf 28 Stunden pro Woche verkürzen können. Es soll zwar keinen generellen Lohnausgleich geben. Aber Arbeitnehmer sol­len ei­nen fes­ten mo­nat­li­chen Zu­schuss von 200 Euro er­hal­ten können, wenn sie ihre wö­chent­li­che Ar­beits­zeit um min­des­tens 3,5 Stun­den re­du­zie­ren. Wer Schicht­ar­beit arbeitet oder in an­de­ren ge­sund­heits­be­las­ten­den Zeitmodellen, soll ei­nen Zu­schuss von jähr­lich 750 Euro be­kom­men, wenn er die Jah­res­ar­beits­zeit ver­kür­zt. Im Anschluss daran sollen sie ein Rückkehrrecht auf eine Vollzeitstelle haben. Zudem fordert die IG Metall sechs Prozent mehr Gehalt.

Wie argumentieren die Gewerkschaften?

Kürzere Arbeitszeiten kämen dem Wunsch der allermeisten Menschen und gerade berufstätigen Eltern entgegen, argumentiert die Gewerkschaft. Viele würden sich mehr Flexibilität und Selbstbestimmung wünschen, könnten es sich jedoch nicht leisten, weniger zu arbeiten. Die Umsetzung sei machbar: "Selbst Schichtarbeitern ist geholfen, wenn sie eine Schicht weniger im Dienstplan stehen haben oder mehr über ihren Einsatz mitentscheiden können", sagte IG-Metall-Vize Jörg Hofmann kürzlich in einem Interview mit ZEIT ONLINE.

Eine Abschaffung des klassischen Achtstundentags kommt für den Deutschen Gewerkschaftsbund aber nicht infrage. Das Arbeitszeitgesetz, das die tägliche Normarbeitszeit auf acht Stunden beschränkt, würde schon heute flexible Arbeitszeitmodelle zulassen, sagt etwa DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Schon heute sei die Personaldecke in vielen Betrieben dünn, die Zahl stressbedingter Erkrankungen steige seit Jahren. Noch nie gab es so viele Fehltage wegen psychischer Erkrankungen wie heute. Die gesetzlichen Regelungen zur Ruhezeit seien ein wichtiger Beitrag zum Gesundheitsschutz.

Was wollen die Arbeitgeber?

Die Arbeitgeber weisen die Idee einer befristeten 28-Stunden-Woche zurück. "Wir sehen in der Forderung einen totalen Systemwandel", sagt Südwestmetall-Chef Stefan Wolf. "Wir haben bislang das Prinzip, und das halte ich auch für richtig, dass ein Entgelt bezahlt wird für geleistete Arbeit." Wenn jemand 28 Stunden arbeite, dann solle er auch 28 Stunden vergütet bekommen. Allerdings stehen sie auch unter Druck: Fach­kräf­te werden zu­neh­mend knapp. Und wer qualifiziert ist, der soll, wenn es nach den Gewerkschaften geht, nun auch noch weniger arbeiten. Die ersten Arbeitgeber treten laut Spiegel bereits aus dem Verband aus, weil sie eine tarifliche Auseinandersetzung und einen Streik fürchten.

Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Ingo Kramer, hat sich stattdessen erneut für eine Lockerung des Arbeitszeitgesetzes ausgesprochen – seit 2015 ist das bereits eine Forderung der Arbeitgeberverbände. Vor allem wollen sie die Ruhepausenregelung ändern, um die tägliche Arbeitszeit flexibler zu verteilen. Wenn Teams über Zeitzonen hinweg zusammenarbeiten, seien zu starre gesetzliche Regelungen ein Wettbewerbsnachteil. Die Arbeitgeber sehen die Beschäftigten auf ihrer Seite: Viele wollten flexibler arbeiten, besonders die Jüngeren. Gegen das Recht, von einer Teilzeitstelle auf eine Vollzeitstelle zurückzukehren, wehren sich die Arbeitgeber: Es verkompliziere nur die Arbeitsorganisation in den Unternehmen.

Was will die Politik?

Die Politik hat keinen direkten Einfluss auf die Tarifverhandlungen, hat allerdings das Sagen, wenn es um das Arbeitszeitgesetz geht. Die FDP hat sich in den Sondierungsgesprächen dafür ausgesprochen, das Arbeitszeitgesetz zu reformieren. Um es fit für das digitale Zeitalter zu machen, solle das Gesetz nicht mehr den Achtstundentag als Norm voraussetzen. Daher fordert die FDP auch das Aus für die Ruhezeitenregelung von elf Stunden. Die Liberalen wollen, dass es nur noch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden analog der Europäischen Arbeitszeitrichtlinie gibt.

Unterstützung erhalten die Liberalen von der Union, die auch die tägliche Höchstarbeitszeit abschaffen will. Die Frauen-Union hat außerdem ein Konzept für Familienzeitkonten vorgeschlagen, um Kinderauszeiten und die Betreuung von Kindern zu erleichtern. Dafür sollen die bereits existierenden Lebensarbeitszeitkonten, die manche Unternehmen führen, weiterentwickelt werden.

Die Grünen wollen an den bisherigen Regeln festhalten und sehen in einer Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes eine Aushöhlung des Arbeitsschutzes. Die SPD hatte unter der ehemaligen Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles zwar am Arbeitszeitgesetz festgehalten, war aber offen für eine gewisse Flexibilisierung: So waren für die Sozialdemokraten tarifliche Regelungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften denkbar, die über die gesetzlichen Ruhepausen hinausgehen. Mit ihrer Forderung nach einem Rückkehrrecht von Teilzeit auf Vollzeit war die SPD in der letzten Legislaturperiode allerdings gescheitert.