Die Insolvenz der früheren zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin sorgt für höhere Kosten in der deutschen Wirtschaft. Laut einer Umfrage des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR) – einem Zusammenschluss von Airline-Großkunden – unter ihren Mitgliedern verteuerten sich Flugtickets um bis zu 50 Prozent. Der VDR stützt damit frühere Berechnungen, wonach die Preise seit der Air-Berlin-Pleite auf Kurzstrecken zwischen 26 Prozent an Werktagen und knapp 39 Prozent an Wochenenden gestiegen sind – was nicht nur Geschäftsreisende, sondern auch Privatkunden betrifft.

Verfügbarkeit, Frequenz und Preis "dramatisch schlechter"

Experten hatten den Anstieg erwartet. Durch die Air-Berlin-Pleite fehlt auf vielen Strecken – insbesondere aus Berlin und Düsseldorf – ein wichtiger Wettbewerber. Den Bedarf können die einstigen Konkurrenten der Berliner Airline kaum decken. So hatte die Lufthansa zwischenzeitlich Großraumflugzeuge wie die Boeing 747 auf innerdeutschen Strecken eingesetzt, die jedoch ebenfalls schnell ausverkauft waren.

VDR-Präsidiumsmitglied Christoph Carnier verweist vor allem auf die Schwierigkeiten von Unternehmen, die abseits der Ballungszentren angesiedelt sind. Deren Situation habe sich in Bezug auf Ticket-Verfügbarkeit, Frequenz und Preis "dramatisch verschlechtert", klagt Carnier. Der Lufthansa-Konzern verweist auf den Mix aus gestiegener Nachfrage und gesunkenem Angebot. An der Preisstruktur habe man nichts geändert, sagte eine Sprecherin der größten deutschen Airline.

Laut Lufthansa-Chef Carsten Spohr fehlen derzeit pro Tag rund 60.000 Sitzplätze. Abhilfe würde da erst eine positive Kartell-Entscheidung der EU-Kommission zur Übernahme von Air Berlin durch die Lufthansa und EasyJet schaffen. Beobachter rechnen allerdings nicht mehr mit einer Entscheidung aus Brüssel noch in diesem Jahr – es sei denn, die EU-Kommission verzichtet auf die eigentlich angekündigte "vertiefte Prüfung " des Air-Berlin-Deals.

Warten auf eine Entscheidung aus Brüssel

Dann will auch der Air-Berlin-Käufer, die britische Fluggesellschaft EasyJet, nach und nach zusätzliche Flüge anbieten. Bis September 2018 sollen dann alle gekauften 25 Jets in Betrieb sein. Auf welchen Strecken und zu welchen Terminen diese dann eingesetzt werden sollen, ist bislang aber noch nicht bekannt. Erwartet wird ein Angebot auf aktuell überbuchten innerdeutschen Strecken wie Frankfurt-Berlin, Berlin-München oder Düsseldorf-München.

VDR-Mann Carnier wünscht sich jedenfalls eine schnelle Entscheidung: "Die Europäische Kommission und die zuständigen Kartellbehörden sollten den Antrag der Lufthansa auf Teilübernahme der Air Berlin im Sinne des Wettbewerbs Strecke für Strecke sehr genau prüfen – ohne jedoch das Verfahren unnötig in die Länge zu ziehen."