Einmal mehr bleiben die ersten drei Plätze leer: Kein Land unternimmt genug, damit die Klimaziele von Paris auch tatsächlich eingehalten werden können. Das ist das Ergebnis des diesjährigen Klimaschutz-Index, erstellt von Germanwatch, dem NewClimate Institut und dem Climate Action Network. Zwar gebe es große Fortschritte beim Ausbau erneuerbarer Energien und bei der Energieeffizienz, zudem würden die Preise für Energie aus Sonne und Wind sinken. Demgegenüber stünde jedoch, dass der weltweite Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (CO2) wieder ansteige, schreiben die Forscher.

Im Klimavertrag von Paris war 2015 vereinbart worden, den Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen. In diesem Punkt herrsche unter den Staaten auch große Zustimmung, sagte Jan Burck, Mitarbeiter von Germanwatch und Co-Autor der Studie. Doch was international anerkannt sei, werde auf nationaler Ebene nicht schnell genug umgesetzt. Die Staaten müssten "ihren Versprechungen auch Taten folgen lassen. In einigen Sektoren, zum Beispiel Verkehr und Energie, passiert häufig noch viel zu wenig", sagte Burck.

Auch Deutschland hängt bei der Umsetzung hinterher und landet im Klimaschutz-Index 2018 nur auf Rang 22. Zwar bescheinigen die Autoren der Bundesrepublik eine relativ gute Entwicklung bei Strom aus erneuerbaren Energien, ein hohes Engagement in der internationalen Klimadiplomatie und anspruchsvolle Ziele für 2050. Zugleich aber drohe, dass das Land seine Klimaziele für 2020 verfehle. Insbesondere bei Verkehr und Kohleverstromung geschehe zu wenig. Auch an die EU appelliert der Bericht, ihren anspruchsvollen Forderungen Taten folgen zu lassen.

Schweden führt das Ranking an

Mit relativ guten Entwicklungen im Ausbau erneuerbarer Energien und bei Pro-Kopf-Emissionen führt Schweden das Ranking an, allerdings auf Rang vier, da ja die ersten drei Plätze leer gelassen wurden. Gefolgt von Litauen, Marokko und Norwegen. Das gute Abschneiden Litauens und Marokkos sei unter anderem der starken Entwicklung erneuerbarer Energien zu verdanken. Auch Indien – eines der Länder mit den höchsten CO2-Emissionen weltweit – liege wegen "noch immer vergleichsweise niedrigen Werten bei Emissionen und Primärenergienutzung" auf Rang 14.

China und die USA – die beiden Länder mit den höchsten CO2-Emissionen weltweit – landen nur auf Rang 41 beziehungsweise auf Rang 56. Von der Volksrepublik erhoffen sich die Autoren deutliche Verbesserungen wegen der verstärkten Klimaschutzpolitik, etwa der Förderung erneuerbarer Energien und von Elektromobilität. Anders bei den USA: Weil Präsident Donald Trump angekündigt hat, aus dem Pariser Klimavertrag aussteigen zu wollen, liegen die USA auf einem der letzten der insgesamt 60 Plätze. Australien, Südkorea, der Iran und Saudi-Arabien belegen die letzten Plätze. Bei diesen Ländern gebe es so gut wie keine Bemühungen, die CO2-Emissionen und den Energieverbrauch zu verringern.

Der Index der Forscher und Umweltverbände knüpft an den globalen Klimaschutz-Index von Germanwatch an, ein seit 2006 jährlich erstelltes Ranking der knapp 60 größten Emittenten weltweit. Die Methodik wurde in diesem Jahr etwas angepasst: Zwar betrachten die Forscher für den Index wie bisher vier Bereiche: Emissionen, Energieverbrauch, erneuerbare Energien und Klimapolitik. Zugleich wird nun aber auch die Frage beantwortet, inwieweit das jeweilige Land in den Bereichen Emissionen, erneuerbare Energien und Energieverbrauch adäquat handelt, um die Pariser Klimaziele erreichen zu können.

Mit der neuen Bundesregierung verbinden die Forscher deshalb große Hoffnungen: "Deutschlands mittel- und langfristige Ziele – verankert im Klimaschutzplan 2050 – sind vergleichsweise stark", sagte Burck. Die CO2-Emissionen in Deutschland zeigten aber bislang ein anderes Bild und seien seit 2009 nicht mehr gesenkt worden. "Die noch amtierende Bundesregierung hat es verpasst, ernsthafte Maßnahmen zur Umsetzung der Klimaziele zu ergreifen. Es ist unumgänglich, dass im kommenden Koalitionsvertrag die notwendigen Maßnahmen für schnell wirksamen Klimaschutz durch einen Kohleausstiegsplan und eine echte Verkehrswende verankert werden", sagte Burck.

Joe Raedle/Getty Images
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