Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster hat die umstrittenen Abholzungen am Braunkohletagebau Hambach vorläufig gestoppt. Das Land Nordrhein-Westfalen müsse sicherstellen, dass RWE die Rodungsarbeiten einstellt, teilte das Gericht mit. Mitarbeiter des Energiekonzerns RWE hatten am Montag begonnen, Bäume und Sträucher zu entfernen. Dabei kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Aktivisten und der Polizei. Beamte und RWE-Mitarbeiter wurden mit Steinen beworfen. 

Der Beschluss der Richter geht auf einen Antrag des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) zurück. Die Organisation hatte eine sogenannte Zwischenentscheidung beim OVG beantragt. Der Stopp gilt so lange, bis das Oberverwaltungsgericht über die Beschwerde des BUND gegen einen Beschluss vom Verwaltungsgericht entschieden hat. Dieses hatte vergangene Woche eine Klage des BUND abgewiesen.

Das OVG argumentierte, dass in der komplexen Materie ein effektiver Rechtsschutz gewährleistet sein solle. Außerdem sollten "irreversible Zustände" vermieden werden. Der Tagebaubetreiber RWE Power teilte mit, das Unternehmen nehme den Gerichtsbeschluss überrascht zur Kenntnis. Man gehe aber davon aus, dass der BUND mit seiner Beschwerde keinen Erfolg haben werde. RWE Power ist eine Tochtergesellschaft von RWE. 

Aktivisten halten Waldabschnitt besetzt

Seit Jahren streiten Naturschützer und Braunkohlegegner für den Erhalt des uralten Hambacher Waldes. RWE rodet den Wald, um den Braunkohleabbau im Tagebau Hambach fortsetzen zu können. Der Konflikt hatte sich in den vergangenen Jahren verstärkt. Mit den nun vorerst gestoppten Rodungen sollte der Kernwald bis Ende Februar verschwinden. Kohlegegner halten einen Waldabschnitt besetzt. Immer wieder protestieren dort Klimaschützer, die den Kohleausstieg fordern.  

Der Tagebau Hambach liegt zwischen Jülich im Kreis Düren und Elsdorf im Erftkreis mitten im rheinischen Braunkohlerevier. Unter seinem 85 Quadratkilometer großen Abbaufeld lagern laut RWE 2,5 Milliarden Tonnen Braunkohle, die bis zu 450 Meter tief liegen. In dem Tagebau werden jährlich rund 40 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert.