Bei den Jamaika-Verhandlungen streiten die Politiker über den Kohleausstieg. Im Land sind sich die meisten Bürger längst einig: Sie wollen mit großer Mehrheit ein Ende der Kohleverstromung. Das ergibt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag der Bürgerbewegung Avaaz, die der ZEIT vorliegt. Danach wünschen sich 76 Prozent der Befragten, dass "die nächste Bundesregierung einen schrittweisen Kohleausstieg beschließt, um die nationalen Klimaziele noch zu erreichen".

Besonders interessant an der Umfrage ist: Die Deutschen sind bei diesem Thema über Parteigrenzen hinweg ähnlicher Meinung. Denn egal, mit welcher politischen Farbe und welchen Programmen sie sonst sympathisieren, aus der Kohle wollen die meisten raus. Dabei ist die Zustimmung unter den Wählern der Grünen mit 99 Prozent am höchsten, gefolgt von denen der SPD mit 81 Prozent, CDU/CSU und Linke mit jeweils 75 Prozent, und der AfD mit 70 Prozent. Die Energiewende wird also weit über das klassisch grüne Milieu hinaus befürwortet.

Sogar unter FDP-Sympathisanten ist das Ja überraschend deutlich: Auch sie wünschen sich zu 70 Prozent ein Ende der Kohle, um die deutschen Klimaziele zu erreichen. Damit unterscheiden sie sich deutlich von der Parteiführung, die in den Sondierungsgesprächen von CDU/CSU, FDP und Grünen zur Bildung einer möglichen Jamaika-Regierung bisher den schnellen Ausstieg blockiert. Ähnlich paradox ist die Situation in der CSU. Während Landesgruppenchef Alexander Dobrindt den Ausstieg aus der Kohle als "vollkommen abwegig" bezeichnet, sind seine Wähler laut Umfrage anderer Meinung.

Unterstützung für Klimaschutz

Der überraschend starke Konsens unter den Deutschen könnte den Grünen, die bisher als einzige Jamaika-Partei offensiv für das Einhalten der Klimaziele eintreten, Rückenwind verleihen. Zumal die Ergebnisse einen seit langem beständigen Trend bestätigen: Auch in früheren Umfragen hatte es immer wieder hohe Zustimmung zur Energiewende und zum Umbau der Stromversorgung durch erneuerbare Energien gegeben. 2015 hatte etwa eine Allensbach-Umfrage offengelegt, wie unbeliebt Kohlestrom und Atomstrom sind. Nur acht Prozent der Befragten wünschten sich damals, dass ihr Strom durch Atomkraftwerke produziert werde. Nur fünf Prozent favorisierten Kohlekraftwerke. Auf die Frage, wie künftig der Strom produziert werden solle, antworteten damals 80 Prozent mit Sonnenenergie, 76 Prozent mit Windenergie.

Für die Emnid-Umfrage wurden vom 09.11. bis 10.11. 1.004 Menschen befragt.