Derzeit beträgt der gesetzliche Mindestlohn 8,84 Euro pro Stunde. Das sei zu wenig, meint Olaf Scholz und fordert seine Partei auf, sich für eine Steigerung einzusetzen. Sein Vorschlag: "Wir sollten den Mindestlohn in einem überschaubaren Zeitraum auf zwölf Euro pro Stunde anheben", sagte Scholz dem Spiegel. "In einer Gesellschaft, in der die Löhne durch Globalisierung und technischen Wandel unter Druck geraten, muss die SPD den Mindestlohn noch viel stärker als Korrekturinstrument einsetzen, als sie es bisher getan hat."

Der Mindestlohn war auf Drängen der SPD von der großen Koalition eingeführt worden. Zum Jahreswechsel war er von 8,50 Euro auf 8,84 Euro brutto pro Stunde gestiegen. Die Anhebung auf zwölf Euro entspricht der Forderung der Linkspartei. Die SPD hatte sich bislang nicht auf eine konkrete Zahl festgelegt, aber weitere Verbesserungen beim Mindestlohn angemahnt.

Scholz begründete seine Forderung unter anderem mit der Altersvorsorge. Die Lohngrenze müsse künftig hoch genug sein, damit niemand, der Vollzeit arbeite, im Alter auf öffentliche Hilfe angewiesen sei.  

Der SPD-Politiker hatte kürzlich ein Papier zur Neuausrichtung der SPD vorgelegt. Anders als SPD-Chef Martin Schulz, der zuletzt mehr Mut zur Kapitalismuskritik gefordert hatte, hatte Scholz darin für einen pragmatischen Kurs geworben, der Wirtschaftswachstum, Fortschritt und soziale Gerechtigkeit verbinde. Scholz hatte in dem Papier auch eine "schonungslose Betrachtung der Lage" nach der schweren SPD-Niederlage verlangt und gemahnt, es dürfe "keine Ausflüchte" mehr bei der Ursachenforschung geben.