Die Weltklimakonferenz in Bonn hat die Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens ein Stück weitergebracht. Nach langem Ringen in der Nacht  einigten sich die 195 Staaten am Samstagmorgen zuletzt in wichtigen Finanzfragen – zwölf Stunden später als geplant.

Dabei ging es unter anderem um einen älteren Fonds, der der Bewältigung der Klimafolgen in armen Ländern dient. Für sein Fortbestehen wurden in Bonn wichtige Punkte beschlossen. Daraufhin konnte der Konferenzpräsident, Fidschis Regierungschef Frank Bainimarama, auch einige andere Beschlüsse vor dem Konferenzplenum verkünden. Die Entscheidungen wurden vom Plenum mit Applaus angenommen. Die Konferenz dauerte zwar auch am Samstagmorgen noch an, die wichtigsten Themen waren jedoch durchs Plenum gekommen. Eigentlich sollte die Konferenz am Freitag enden.

Beobachter berichteten, die Einigung ebne den Weg dafür, dass der im Rahmen des Kyoto-Protokolls eingerichtete Anpassungsfonds künftig auch unter dem Pariser Klimaabkommen gilt. Das Kyoto-Protokoll läuft noch bis 2020, von da an greifen die Regeln des Pariser Abkommens. Am Freitagabend war außerdem über die Auslegung von Artikel 9.5 des Pariser Abkommens gestritten worden, der Industrieländer verpflichtet, regelmäßig über ihre Vorhaben zur Unterstützung der Entwicklungsländer Auskunft zu geben.

Diese Beschlüsse waren den Entwicklungsländern besonders wichtig. Sie wollen verhindern, dass weitere Zeit in dem Bemühen verloren geht, die Erderwärmung zu begrenzen.

Prävention wird finanziert, Schäden nicht

"Wir sind erleichtert, dass die Industrieländer nachgegeben haben", sagte Jan Kowalzig von der Organisation Oxfam. "Der Fonds ist gerade für die ärmeren Länder sehr wichtig, um sich gegen Dürren, Überschwemmungen oder Unwetterkatastrophen zu schützen."

Doch was, wenn Verluste und Schäden durch den Klimawandel trotz aller Vorkehrungen eintreten? Die Finanzierung für solche Fälle wurde auf Druck der Industrieländer ausgeklammert – was Nichtregierungsorganisationen deutlich kritisierten. "Die wachsenden Schäden und Zerstörungen infolge von Dürren, Stürmen und anderen Unwetterextremen bringen gerade die kleinen Inselstaaten zunehmend in existenzielle Nöte – auch finanzieller Art", betonte Oxfam-Mitarbeiter Kowalzig. "Hier haben die Industrieländer zwei Wochen gemauert und nun erfolgreich verhindert, den Finanzierungsfragen im Umgang mit Verlusten und Schäden infolge des Klimawandels auf kommenden Konferenzen den nötigen Raum zu geben. Das ist ein übles Manöver gegenüber den ärmsten und vom Klimawandel extrem bedrohten Ländern." Von einer "herben Enttäuschung" sprach auch die Klimareferentin von Brot für die Welt, Sabine Minninger.

UN-Klimakonferenz - Umweltministerin Hendricks lobt die Ergebnisse Die Bundesumweltministern Barbara Hendricks bezeichnete die UN-Klimakonferenz in Bonn als Erfolg. 20 Staaten hatten sich auf der Konferenz darauf verständigt bis 2030 aus der Kohlekraft auszusteigen. © Foto: Sean Gallup/Reuters

Die Delegierten hatten in den Konferenztagen zudem eine umfangreiche Textsammlung erstellt, aus der im kommenden Jahr das Regelwerk zum Pariser Klimaschutzabkommen entstehen soll. Dies ist unter anderem nötig, damit eine Tonne Kohlendioxidminderung in allen Ländern mit gleichem Maßstab gemessen wird. Das Regelwerk soll auf der nächsten Klimakonferenz Ende 2018 im polnischen Kattowitz beschlossen werden. In Kattowitz und auch bei der folgenden UN-Klimakonferenz sollen unter dem Schlagwort "Pre 2020" die nationalen Klimaschutzbeiträge insbesondere der Industriestaaten auf die Tagesordnung kommen – vor allem hinsichtlich der Zusage, die Klimahilfen für die armen Länder bis 2020 auf 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr anzuheben.

Ein Dialogformat für "weise Entscheidungen"

Das Plenum beschloss zudem, die weltweiten Klimaschutzbemühungen schon vor dem Jahr 2020 zu untersuchen. Dafür soll es ab Januar 2018 neben den direkten Verhandlungen den sogenannten Talanoa-Dialog geben, der helfen soll, die noch zu geringen Klimaschutzaktivitäten der Länder zu erhöhen. Das Wort Talanoa bedeute auf Fidschi eine Versammlung, in der Wissen ausgetauscht und Vertrauen aufgebaut wird, um zum Wohle aller weise Entscheidungen zu treffen.

Als besonderer Erfolg galt in Bonn auch, dass erstmals ein gemeinsames Arbeitsprogramm zu Landwirtschaft und Klimawandel in die politische Agenda aufgenommen wurde. Die Landwirtschaft ist einerseits extrem vom Klimawandel betroffen, sodass eine Anpassung an die Erderwärmung nötig ist. Andererseits ist sie auch für einen großen Teil der Treibhausgase verantwortlich.

Die Klimakonferenz war nach Ansicht der Organisation Germanwatch auch ein wichtiger Fingerzeig für die noch laufenden Jamaika-Sondierungsgespräche in Berlin. "Deutschland droht beim Klimaschutz international den Anschluss zu verlieren", warnte der Vorsitzende Klaus Milke.

UN-Klimakonferenz - Zwölfjähriger fordert Politiker zum Handeln auf Timoci Naulusala von den Fidschi-Inseln schilderte auf der Weltklimakonferenz in Bonn, was der Klimawandel für ihn persönlich bedeutet hat. Er forderte die Regierungen auf, mehr an den Umweltschutz zu denken. © Foto: Wolfgang Rattay/Reuters

Kurz vor Abschluss der Konferenz hatte der deutsche Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth erklärt, bis das Pariser Abkommen 2020 vollständig wirksam werde, gebe es "noch eine Reihe an Details zu klären". "Dabei sind wir in Bonn ein gutes Stück vorangekommen", fügte Flasbarth hinzu.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte am Freitagnachmittag hervorgehoben, die Bonner Konferenz habe die Aufgabe gehabt, "einen wichtigen Zwischenschritt zu machen für die Umsetzung von Paris". Für die nächste UN-Klimakonferenz sagte die scheidende Umweltministerin ein deutsches Bekenntnis zum Kohleausstieg voraus.