Der Berliner Flughafen ist eröffnet. Diesen Satz werden Sie vielleicht irgendwann lesen. Vielleicht aber auch nicht. Und das ist der eigentliche Skandal, der mit dem neuen Eröffnungstermin im Oktober 2020 verbunden ist. Denn auch dieses Datum, auf das sich der Aufsichtsrat heute verständigt hat, ist unsicher. Wie sollte es anders sein? Es gibt Planer, die dringend dazu geraten haben, den Flughafen abzureißen und neu zu bauen. Die Idee ist keineswegs absurd, wenn man davon ausgeht, dass bis zum Eröffnungstermin weitere Milliarden investiert werden.

Dieser Flughafen zeigt, wann Politik nicht funktioniert. Immer dann, wenn eine große Koalition zu viele gemeinsame Interessen hat. Und am Flughafen regierte von Beginn an die ganz große Koalition. Eine CDU/CSU-Bundesregierung, die mal von der FDP, dann von der SPD begleitet wurde, eine rot-rote Landesregierung in Brandenburg und dann ein roter Bürgermeister, der mal von der CDU, dann von den Linken und den Grünen begleitet wurde. So hatte im Grunde keine Partei ein Interesse daran, den Ursachen für das Debakel systematisch auf den Grund zu gehen, damit der Flughafen ordentlich zu Ende gebaut werden könnte und zugleich die Verantwortlichen für die systematischen Verspätungen zur Rechenschaft gezogen werden konnten. Kaum ein Staatsanwalt hat ermittelt und kein Richter ein Urteil gesprochen.

Geschädigte gibt es dafür genug. Von der Fluggesellschaft Air Berlin, die sich vom BER neuen Schwung versprach, bis hin zu den Einzelhändlern, die schon dabei waren, sich im Flughafen einzurichten und dann von der großen Eröffnungsabsage 2012 überrascht wurden. Zwei Leute gab es seitdem, die aufklären wollten. Der eine heißt Martin Delius und sorgte mit seiner Piratenfraktion dafür, dass 2012 in Berlin ein Untersuchungsausschuss eingerichtet wurde. 1.269 Seiten umfasste 2016 sein Abschlussbericht.

Berlin - BER soll Oktober 2020 eröffnen Es gibt einen neuen Eröffnungstermin für den Berliner Hauptstadtflughafen. Er sei sehr zuversichtlich, dass es diesmal klappe, sagte Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider. © Foto: Patrick Pleul/dpa

Der andere war Horst Amann, der als Technikchef eine Bestandsaufnahme einforderte. Auch Amann war nicht unumstritten, aber er hätte den BER ehrlich gemacht. Zumindest, was den Zeitplan betrifft. Er überwarf sich damals mit Hartmut Mehdorn und ging. Dann ging auch Mehdorn und so weiter.

Der heutige Chef Engelbert Lütke Daldrup wird nun am neuen Eröffnungstermin – Oktober 2020 – gemessen. Aber man darf von ihm kein Wunder verlangen. Er wird eine Arbeit abliefern wie ein Maurer, der eine falsch gemauerte Wand reparieren soll. Der Flughafen wird bei Eröffnung entweder aus allen Nähten platzen, weil die Passagierzahlen in Berlin stetig wachsen. Und weil er dann sehr aufs Geld gucken wird, muss Lütke Daldrup improvisieren und Terminals bauen, die eher an Baumarkt-Gewerbegebiete als an Tore zur Welt erinnern werden.

Bis heute zweifeln Abgeordnete, ob es überhaupt möglich ist, das Hauptterminal zu Ende zu bauen. Gerade gestern forderten die Grünen im Brandenburger Landtag einen Baustopp. Der Tagesspiegel berichtete am Nachmittag außerdem, der neue Zeitplan sei nicht mit der zuständigen Baubehörde abgestimmt.

All das wirkt wie der Versuch, verschütteten Ketchup zurück in die Flasche zu drücken. Es ist nur viel teurer. Für den Steuerzahler.