Die Zahl der befristeten Beschäftigten in Deutschland ist gestiegen. Das geht aus einer Antwort des Statistischen Bundesamtes auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Sabine Zimmermann hervor. Insgesamt waren im vergangenen Jahr demnach 2,8 Millionen Arbeitnehmer befristet beschäftigt und damit eine Million mehr als vor 20 Jahren. Berücksichtigt wurden in der Statistik alle abhängig Beschäftigten ab 25 Jahren. Jüngere Arbeitnehmer im Übergang von Schule oder Hochschule zum Arbeitsmarkt wurden nicht einbezogen.

"Eine neue Bundesregierung muss endlich das Befristungsproblem angehen und die sachgrundlose Befristung abschaffen", sagte Zimmermann. Befristungen seien "Instrument zur Disziplinierung der Beschäftigten und zur Spaltung der Belegschaft". Der "Befristungsirrsinn" müsse enden, das Mittel dürfe nur für Ausnahmefälle gelten.

Der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Steffen Kampeter, verteidigte Befristungen dagegen als "Beschäftigungsmotor". Er wies darauf hin, dass der Anteil der Befristungen seit mehr als einem Jahrzehnt nahezu konstant und insgesamt unter neun Prozent geblieben sei. Wie aus der Anfrage hervorgeht, stieg der Anteil der befristet Beschäftigten an allen abhängig Beschäftigten seit 1996 von 6,4 auf 8,5 Prozent.

Die Arbeitgeber sehen befristete Beschäftigung, Teilzeit oder Zeitarbeit als Möglichkeit, das Arbeitsvolumen an "betriebliche Notwendigkeiten" anzupassen. Reguläre Jobs würden nicht verdrängt und die Schaffung neuer Stellen eher erleichtert. Das Statistische Bundesamt wies allerdings schon im September darauf hin, dass mehr als jeder dritte Betroffene unfreiwillig befristet arbeite.

Vor allem Jüngere betroffen

Den Daten zufolge sind besonders oft 25- bis 34-Jährige befristet beschäftigt. "Gerade bei jüngeren Menschen sorgen Befristungen dafür, dass sie elementare Dinge des Lebens nicht planen können, wie etwa eine Familiengründung", sagte Zimmermann. Eine Studie (PDF) des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zeigte bereits im vergangenen Jahr, dass mit Befristungen häufige Stellen- und Ortswechsel einhergehen, die etwa stabile Partnerschaften und eine Familiengründung erschweren.

Die Studie zeigte auch, dass befristet Beschäftigte deutlich weniger verdienen als Arbeitnehmer mit unbefristetem Vertrag. So seien 2015 insgesamt 15,5 Prozent der befristeten jungen Arbeitnehmer von Armut bedroht gewesen. Bei denen mit Dauervertrag waren es dagegen nur 7,5 Prozent.