Zum Ende eines Quartals kommen Kassenpatienten schwieriger an einen Termin beim Arzt. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Hamburg [PDF]. Alle drei Monate – im März, Juni, September und Dezember – nehmen Ärzte demnach weniger gesetzlich versicherte Patienten für Routineuntersuchungen an. In den ersten zwei Wochen des neuen Quartals steige die Zahl dann wieder an.

Bei Hautärzten und Augenärzten nehmen die Untersuchungen demnach um 14 Prozentpunkte ab, bei Orthopäden und Hals-Nasen-Ohren-Ärzten um knapp zehn Prozentpunkte. Bei Hausärzten steigen die Untersuchungen bei jedem neuen Quartal um sieben Prozentpunkte an. Die Studie beruht auf Daten der Techniker Krankenkasse aus den Jahren 2013 und 2014, jeweils die 30 häufigsten Untersuchungen der Ärzte flossen in die Statistik ein.

Bei Hausärzten 86 Prozent vom Limit betroffen

Grund für den Engpass an Terminen sei, dass die gesetzlichen Krankenkassen nur eine bestimmte Anzahl an Patientengesprächen und Routineuntersuchungen pro Arztpraxis bezahlen. Wird die maximale Anzahl, das sogenannte Regelleistungsvolumen, überschritten, übernehmen die Kassen nur noch einen Teil der Kosten. Bei Hausärzten sind von dem Limit etwa 86 Prozent der Behandlungen betroffen. Gynäkologen und Augenärzte machen etwa die Hälfte ihres Umsatzes mit den limitierten Untersuchungen, Hals-Nasen-Ohrenärzte sogar mehr als 90 Prozent.

Nicht von den Quoten betroffen sind die Versorgung von Schmerzpatienten und bestimmte Behandlungen beim Kinderarzt, ebenso wie Notfälle und dringende Behandlungen. Wenn der Hausarzt keine Termine vergibt, gehen Patienten am Quartalsende ohnehin häufiger zum ärztlichen Bereitschaftsdienst. Das zeigt sich auch in der Statistik: Die Behandlungen bei Bereitschaftsärzten steigen in diesen Zeiträumen regelmäßig um 19 Prozentpunkte. Die Notaufnahmen der Krankenhäuser verzeichnen aber keine volleren Wartezimmer. 

Überlappende Abrechnungszeiträume als Lösung

Die Verfasser der Studie schlagen vor, kürzere oder überlappende Abrechnungszeiträume einzuführen. Sie warnen aber auch davor, Arztpraxen von Angebot- und Nachfragemechanismen abhängig zu machen. Schon jetzt sei zu beobachten, wie die Abrechnung am Quartalsende den Praxisalltag bestimme. Viele Behandlungen bei Allgemeinmedizinern können bei den Krankenkassen nur einmal pro Patient und Quartal geltend gemacht werden. Hausärzte würden deshalb die Termine für Folgebehandlungen ins nächste Quartal aufschieben – um sicherzugehen, dass die Kosten vollständig erstattet werden.

Auch in den Sondierungsverhandlungen zur großen Koalition ist die Aufspaltung in private und gesetzliche Krankenversicherung ein zentrales Streitthema. Die SPD will mit einer einheitlichen Bürgerversicherung das Parallelsystem von gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen beenden. Die Krankenkassenbeiträge wären dann nur noch nach dem Einkommen gestaffelt: Besserverdiener müssten mehr zahlen. In der privaten Krankenversicherung spielt derzeit für die Beitragsberechnung unter Anderem auch das Alter eine Rolle. Arbeitgeber und Arbeitnehmer würden denselben Beitrag zahlen, Zusatzbeiträge abgeschafft. Die CDU lehnt die Bürgerversicherung allerdings kategorisch ab