Deutschland gehört im Ranking der weltweiten Schattenfinanzzentren weiterhin zu den Top Ten: Wie das Netzwerk Steuergerechtigkeit darlegte, rückte Deutschland noch einen Platz nach vorn auf Platz sieben, da es in den vergangenen Jahren nur "vergleichsweise zögerliche Verbesserungen" gegeben habe. 

Das Netzwerk Steuergerechtigkeit ist ein Zusammenschluss aus Gewerkschaften, Umweltverbänden und wissenschaftlichen Institutionen. Für den Index, der alle zwei Jahre erscheint, erfasst das Netzwerk Länder, die ein Unterlaufen von Steuergesetzen und Transparenzregeln begünstigen. Er setzt sich aus einem "Geheimhaltungswert" und dem Anteil des Gebietes am globalen Markt für grenzüberschreitende Finanzdienstleistungen zusammen. Weiter berücksichtigt werden für den Index das Bankgeheimnis eines Landes, die Existenz öffentlicher Register und Jahresabschlüsse von Firmen sowie die Bereitschaft der Behörden, Informationen zu teilen. 

Dass Deutschland so weit oben rangiert –  noch vor klassischen Steueroasen wie den Bahamas oder der Kanalinsel Jersey – ergibt sich nach Angaben des Netzwerks aus einem mittleren Geheimhaltungswert und der hohen globalen Gewichtung. Mehr als fünf Prozent der weltweiten Offshore-Finanzgeschäfte werden demnach in Deutschland abgewickelt.

Plätze eins und zwei an Schweiz und die USA

Das Netzwerk bezeichnete die Entwicklung Deutschlands als besorgniserregend. "Deutschland ist weiterhin eine Geheimnisoase für ausländisches Vermögen", sagte Markus Meinzer vom Netzwerk Steuergerechtigkeit. Die Pläne der Bundesregierung zur Bekämpfung von Kapitalflucht als Reaktion auf die Panama Papers, die weltweit verbreitete Praktiken zu Steuerflucht und Steuerhinterziehung offenbart hatten, seien "völlig unzureichend". Nötig seien eine "effektive und konsequente Untersuchung und Verfolgung von Steuervermeidung und Geldwäsche", so Meinzer. Weiter schreibt das Netzwerk, in Deutschland fehlten eine öffentliche, länderbezogene Berichterstattung und ein Transparenzregister. 

Wie schon 2015 belegte die Schweiz den ersten Platz der Negativliste. Das Land betreibe eine "starke Geheimhaltung", kritisierte das Netzwerk. Die USA rückten von Platz drei auf Platz zwei vor. Grund hierfür sei, dass sich die USA weigerten, Steuerinformationen im Rahmen internationaler Kooperationen zu teilen, schreiben die Autoren der Studie. Außerdem seien noch immer keine Anstrengungen unternommen worden, anonyme Firmen und Stiftungen zu unterbinden. Stattdessen würden einige US-Bundesstaaten diese sogar "aggressiv vermarkten".