Die Zahlen klingen alarmierend. Die reichsten 42 Personen der Welt besäßen gemeinsam so viel Vermögen wie die ärmere Hälfte der Menschheit, schreibt die Hilfs- und Entwicklungsorganisation Oxfam in ihrem neuen Bericht zur weltweiten Ungleichheit. Und der Wohlstand der Superreichen wachse schnell: Das reichste Prozent habe im vergangenen Jahr mehr als vier Fünftel aller Vermögensgewinne eingestrichen – 82 Prozent, um genau zu sein. So besitze es immer noch mehr als der ganze Rest der Weltbevölkerung zusammengenommen.

Oxfam zufolge gibt es so viele Milliardäre wie nie zuvor. Die ärmere Hälfte der Welt hingegen, insgesamt 3,7 Milliarden Menschen, habe 2017 rein gar nichts von den wachsenden Vermögen abbekommen. Ihr aktueller Bericht zeige, "wie sich der Graben zwischen Reich und Arm weiter vertieft", schreibt die Organisation, "und wie Konzerne und Superreiche ihre Gewinne erhöhen, indem sie Löhne drücken und Steuern vermeiden – auf Kosten normaler Arbeiter/innen und Angestellter sowie des Gemeinwohls".

Zwei weitere Vergleiche, die das illustrieren: Eine Näherin in Bangladesch verdiene in ihrem ganzen Leben so viel wie ein Vorstandsvorsitzender eines großen Modekonzerns in nur vier Tagen. Und den Entwicklungsländern entgingen durch "Steuervermeidung von Konzernen und reichen Einzelpersonen" mindestens 170 Milliarden Dollar an Einnahmen im Jahr. Das sei mehr als die gesamte globale Entwicklungshilfe.  

Kritik an Datenquellen und Methode

Oxfams Ungleichheitsreport erscheint jedes Jahr pünktlich zum Weltwirtschaftsforum in Davos und beeinflusst dort die Debatte. Im vergangenen Jahr war das Aufsehen besonders groß. Nur acht Menschen besäßen so viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung zusammengenommen, hatte Oxfam damals ausgerechnet. Im Jahr zuvor hatte die Organisation noch gesagt, das Vermögen von 62 Superreichen entspreche dem der ärmeren Hälfte; im Jahr 2014 wiederum sollen es 85 gewesen sein.

Es gab viel Kritik an den vermeintlich exakten Zahlen. Oxfam nutzt für seine Berechnungen den Globalen Reichtumsbericht der Schweizer Bank Credit Suisse und die Forbes-Liste der Superreichen.

Doch die Datenquellen seien nicht zuverlässig, hieß es, denn sie beruhten teilweise auf Schätzungen und – je nach Land – lückenhaften offiziellen Statistiken. Das Vermögen der Reichsten beispielsweise sei überhaupt nicht exakt zu erfassen. Weil außerdem Schulden als "negatives Vermögen" betrachtet würden, also zum Beispiel der Auto- oder Studienkredit vom sonstigen Besitz abgezogen werde, stehe etwa ein Student aus den USA im Report schlechter da als ein schuldenfreier, aber bitterarmer Bauer aus Burundi. All das verfälsche den Befund.

"Die Konzentration steigt"

Dabei fallen die überschuldeten Menschen aus den Industrieländern in der globalen Statistik kaum ins Gewicht. Oxfam erwidert die Kritik mit dem Hinweis, dass man die besten verfügbaren Datengrundlagen nutze – die gleichen übrigens, auf die sich auch der Internationale Währungsfonds und die Bank of England bezögen. Daraus vergleichbare Daten zu ermitteln, trotz mancher Unsicherheiten, sei "das tägliche Brot des Statistikers" und durchaus seriös.

Mit den unvermeidbaren Unzulänglichkeiten ihrer Berechnungen geht die Organisation offen um. So weisen ihre Autoren in der aktuellen Ausgabe des Ungleichheitsreports darauf hin, dass sich die Daten der Credit Suisse verändert haben, weshalb die neuen Zahlen nicht mit den Ergebnissen der vergangenen Jahre vergleichbar sind.

"Es ist am Ende gar nicht entscheidend, ob nun acht, 42 oder 62 Menschen so viel besitzen wie 3,7 Milliarden", sagt Ellen Ehmke. Sie ist bei Oxfam die Expertin für soziale Ungleichheit. "Wichtig ist das grundsätzliche Missverhältnis." Und das sei nun einmal extrem – und nicht hinzunehmen. In den vergangenen Jahren habe die Ungleichheit der Vermögen aufgrund des Börsenbooms noch zugenommen, sagt Ehmke. "Die Konzentration an der Spitze steigt."