Donald Trump ist im US-Wahlkampf mit dem Versprechen angetreten, den Sumpf in Washington trockenzulegen ("drain the swamp"). Sein Slogan richtete sich vor allem gegen das mächtige politische Establishment und den großen Einfluss der Lobbyisten in Washington. Sieht man sich ein gutes Jahr später Trumps Kabinett an, muss man feststellen: Seine Regierung gehört zu einer der reichsten in der amerikanischen Geschichte. Neben zwei Milliardären sitzen 13 Vermögensmillionäre in seinem Kabinett.

Angesichts dessen muss man sich die Frage stellen: Wie verkrustet ist das politische System in den USA? Ist das Land bereits auf dem Weg in den Feudalismus, wie es manch ein deutscher Kommentator behauptet? Was kann gegen diese Entwicklung getan werden?

In den USA ist die Vermögenskonzentration so hoch wie in kaum einem anderen Land auf der Welt. Nach einer langen Periode sinkender Ungleichheit steigt sie seit 1980 laut Thomas Pikettys World Inequality Report wieder stetig an und nähert sich dem Vorkriegsniveau. Ein Prozent der Bevölkerung besitzt fast 42 Prozent des gesamten Vermögens. Damit einher geht eine wachsende Politikverdrossenheit: Die Akzeptanz des US-Parlaments ist laut Umfragen des renommierten Gallup Instituts so niedrig wie noch nie in der Geschichte der USA.

Rüdiger Bachmann ist ein deutscher Ökonom und Associate Professor of Economics an der Notre-Dame-Universität, Indiana, USA. © Matt Cashore

Aber besteht zwischen beiden Entwicklungen wirklich ein direkter Zusammenhang? Unter Bill Clinton waren die Bürger mit der Arbeit des Kongresses deutlich zufriedener, während die Vermögenskonzentration ebenso wie unter Barack Obama wuchs. Auch in Obamas Kabinett war die Handelsministerin Milliardärin. Der Ökonom Lawrence Summers, im zweiten Clinton-Kabinett Finanzminister und im ersten Kabinett von Barack Obama oberster Wirtschaftsberater des Präsidenten, war maßgeblich für die Finanzmarktliberalisierung in den USA verantwortlich. Auch er ist zweistelliger Vermögensmillionär.

Generell wissen wir wenig über den Zusammenhang zwischen der Verteilung von Vermögen und der Frage, wie gut demokratische Institutionen in einem Land funktionieren. Im Gegenteil: Ein erster, einfacher Blick auf die Daten ergibt allenfalls einen sehr schwachen Zusammenhang.

In Dänemark, ein aus deutscher Perspektive skandinavisches Gleichheitsparadies, ist die Vermögensverteilung ähnlich ungleich wie in den USA. Gleichzeitig gehört das politische System zu einem der besten der Welt, gemessen am Rule of Law Index des World Justice Projects und dem Corruption Perception Index von Transparancy International. Ähnliches lässt sich für die Schweiz wie auch, in etwas abgemilderter Form, über Schweden sagen. In Schweden ist die Vermögensverteilung aber deutlich ungleicher als in Deutschland. Umgekehrt gibt es Länder, wie etwa Rumänien, China oder Weißrussland, die zumindest statistisch eine geringe Vermögenskonzentration aufweisen, aber nicht gerade als lupenreine Demokratien angesehen werden können. Japan wäre dagegen ein Land, das in das vermutete Schema passt: geringe Vermögenskonzentration und hervorragende politische Institutionen.

Milliardäre haben sich in den USA keine Wahl gekauft

Für Europa hat vor Kurzem eine Bonner Dissertation gezeigt, dass ein negativer Zusammenhang zwischen Vermögenskonzentration und staatlicher Umverteilung besteht: Schweden und Deutschland haben eine hohe Vermögenskonzentration, verteilen dafür aber viel Einkommen um, in Spanien ist es genau umgekehrt. Zumindest für Europa scheint es also (noch) nicht zu gelten, dass einige wenige Hochvermögende ihre politökonomischen Interessen rigoros durchsetzen können.

Aber zurück zu den USA: Neben umfassenden Steuersenkungen für Vermögende und einer starken Liberalisierung der Finanzmärkte dürfte vor allem die Reform der Wahlkampffinanzierung dazu beigetragen haben, dass sich der politische Einfluss von Reichen im Land stark erhöht hat. In Deutschland ist vor allem die "Citizens United versus Federal Election Commission"-Entscheidung des amerikanischen Verfassungsgerichtes aus dem Jahre 2009 bekannt. Sie erlaubt es privatwirtschaftlichen Organisationen, unbegrenzt politische Werbung zu machen. Mittlerweile spielen sogenannte Superpacs eine entscheide Rolle im Wahlkampf, da sich die Spender über sie uneingeschränkt der politischen Agenda eines Kandidaten annehmen können. Zwar dürfen diese Superpacs während des Wahlkampfs theoretisch keinen direkten Kontakt zu einem Kandidaten für ein politisches Amt haben, aber gemäß dem ersten amerikanischen Verfassungszusatz ist es von der Meinungsfreiheit gedeckt, sich umfassend und in allen Medien für oder gegen das politische Programm eines Kandidaten auszusprechen. Das wäre so, als wenn Daimler-Chef Dieter Zetsche auf allen Kanälen gegen den Mindestlohn wetterte.

All das lässt den Schluss zu, dass in den USA die wachsende politische Dysfunktionalität auch eine Folge zunehmender Vermögensungleichheit ist. Der Zusammenhang ist jedoch weniger ökonomisch-direkt, sondern subtiler, sozialpsychologisch. Milliardäre haben sich in den USA keinesfalls die Wahl "gekauft". Vielmehr wurde die amerikanische Öffentlichkeit schleichend desillusioniert. Das Vermögen hat sich immer stärker konzentriert und gleichzeitig wuchs die Wahrnehmung, dass die Interessen der Durchschnittsbürger immer weniger berücksichtigt werden. Das reicht von der (manchmal ja auch richtigen) Wahrnehmung, dass der Arbeitsplatz durch verstärkten internationalen Handel oder striktere  Umweltauflagen und die ungezügelte  Profitgier der Wall Street verloren ging, bis hin zum Soziokulturellen, einer gut gemeinten, aber doch auch oft trennenden Identitätspolitik. Auch Demokraten wie Obama und die Clintons haben dazu beigetragen. Eines der größten Handicaps im Wahlkampf Hillary Clintons dürften deren lukrative Auftritte vor Wall-Street-Bankern gewesen sein.