Insofern sahen viele die Wahl zwischen Clinton und Trump als eine Art Entscheidung zwischen Pest und Cholera an. Trump war für viele jedoch aus einer anderen kulturellen Dimension heraus eher wählbar. Und die hatte ironischerweise auch mit seinem Milliardärsgebaren zu tun. Für viele Amerikaner, vor allem abseits der Küsten – und dort wurde die Wahl ja entschieden – ist Trumps Lebensstil mit Cola, Golf, Fernsehen, Burgern und goldenen Toiletten ein Vorbild. Mit anderen Worten: Der amerikanische Traum erschöpft sich für eine genügende Anzahl von Wählern darin, so zu werden wie Trump.

Was kann man nun aber unternehmen, um die toxische Wirkung dieser Entwicklung einzudämmen? Für die USA ist eine Reform der Wahlkampffinanzierung zentral. Allerdings sind in diesem Bereich die Spielräume verfassungsrechtlich eng. Letztlich wird man hier nur etwas über eine stärkere öffentliche, aber dann eben mit starken Auflagen verbundene Finanzierung des Wahlkampfes, zu der etwa auch ein Verdoppeln kleinerer Spenden aus Steuergeldern gehören könnte, weiterkommen.

Ökonomisch gesehen ist außerdem eine bessere Wettbewerbspolitik notwendig. Was bedeutet etwa der Begriff einer marktbeherrschenden Stellung, wenn bestimmte Konzerne der Internetökonomie zwar vielleicht noch keinen einzelnen Markt beherrschen, aber auf so vielen Märkten vertreten sind und auf so riesigen Liquiditätsreserven sitzen, dass sie wirtschaftlich und auch politisch sehr großen Einfluss besitzen und ausüben. Diese Macht von Amazon, Apple, Facebook, Google und Microsoft muss das Wettbewerbsrecht definieren und einschränken. Das würde zwar den politischen Einfluss reicher Privatleute nicht direkt eindämmen, aber erstens sind natürlich die politischen Interessen reicher Privatleute und dieser Großkonzerne häufig kongruent und zweitens sind solche Großkonzerne ja oft ein Vehikel für private Vermögensakkumulation.

Und was ist mit Steuern? Die von vielen immer wieder ins Spiel gebrachten Vermögens- und Erbschaftssteuern sind letztlich ungeeignet. Der Abgrenzungs- und Erhebungsaufwand ist enorm und die Umgehungsmöglichkeiten werden vermutlich immer so groß sein, dass sich das Ganze nicht lohnt. Hinzu kommt, dass diese Steuern tendenziell wichtige Kapitalbildung verhindern. Das gilt auch für den Spitzensteuersatz der Einkommenssteuer, den man zwar sicherlich etwas, aber nur begrenzt erhöhen kann, ohne großen wirtschaftlichen Schaden zu verursachen. Eine jüngst erschienene Studie von Ökonomen aus Berkeley und Chicago  zeigt, dass die berühmten ein Prozent der Einkommensbezieher zumeist Unternehmer sind, die eben gerade nicht "leistungslose" Einkommen beziehen.

Steuersystem müsste radikal umgebaut werden

Denkbar wäre dagegen, die Steuern auf Landwerte deutlich zu erhöhen. Diese hätten aus ökonomischer Sicht den Vorteil, dass sie sowohl hocheffizient sind – Landsteuern kann man schlecht vermeiden, denn das Land muss ja jemandem gehören – und wohl auch verteilungspolitisch gerecht. 

Noch radikaler wäre es, das Steuersystem komplett umzubauen: Statt die Entstehung von Einkommen zu besteuern, wäre es sinnvoller, den Konsum viel stärker zu besteuern. Verbrauchssteuern wie beispielsweise die Mehrwertsteuer haben in Deutschland einen schlechten Ruf. Der Vorwurf: Sie treffen vor allem ärmere Haushalte, da diese ihr verfügbares Einkommen nahezu komplett für den Konsum ausgeben müssen. Dies ließe sich aber mit großzügigen Freibeträgen und speziellen Steuersätzen auf politisch zu definierende Luxusgüter vermeiden. Das Positive daran wäre: Erstens ist es schwieriger, auf Konsum zu verzichten oder ihn im Ausland zu verstecken, als es bei Einkommen und Vermögen der Fall ist. Für im Ausland geparkte Privatjets und Luxusjachten könnten Meldepflichten eingeführt werden. Und gleichzeitig könnten Privatflughäfen und -häfen viel stärker besteuert werden. Denn irgendwann wird der Herr Milliardär seinen tollen Fuhrpark auch einmal nutzen wollen. Und zweitens ließe sich so ganz einfach und systemkonform der Konsum bestimmter ebenfalls politisch zu definierender schlechter Güter extra besteuern: Energie, Tabak und Alkohol, aber auch Zucker und Marihuana.

Natürlich sind diese Ideen nur eine Skizze, eine Aufforderung, neu nachzudenken, in der praktischen Umsetzung wird es immer Tücken und Lücken geben. Im Moment fehlt es auch an politischem Willen, notwendige Reformen umzusetzen. Aber angesichts der politischen Entwicklung ist es zwingend, solche Modelle zumindest durchzuspielen. Die Politik muss sich darauf vorbereiten, dass die Vermögenskonzentration auch in Deutschland irgendwann korrosiv auf unser politisches System wirken könnte.