Armen Familien und Alleinerziehenden geht es finanziell oft schlechter als bislang angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, die sich in der Methodik vom üblichen Verfahren der OECD unterscheidet. Demnach ist vor allem die Einkommenssituation von Alleinerziehenden schlechter als gedacht.

Laut der Studie erhöht sich das Armutsrisiko von Familien mit jedem weiteren Kind. 2015 war rund jedes achte Paar (13 Prozent) mit einem Kind armutsgefährdet, heißt es in der Erhebung. Bei zwei Kindern sei es jedes sechste Paar (16 Prozent) gewesen, bei drei Kindern fast jedes fünfte (18 Prozent).

Als arm gelten demnach Haushalte, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens aller Haushalte beträgt. Die Studie basiert auf Zahlen des Statistischen Bundesamts und des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP).

Kritik an der OECD-Methodik

Das Armutsrisiko von Familien sei damit deutlich höher als bislang angenommen, schreiben die Forscher der Ruhr-Universität Bochum, die die Studie erstellt haben. Sie kritisieren die in der Armutsforschung weitverbreitete OECD-Methodik und setzen auf eine neue Berechnungsart.

Die Studie der Bertelsmann-Stiftung geht zum Beispiel davon aus, dass 68 Prozent der Alleinerziehenden 2015 armutsgefährdet waren. Nach der OECD-Methodik sind es mit 46 Prozent deutlich weniger. Zudem habe sich von 1991 bis 2015 die Einkommensschere zwischen wohlhabenden und armen Familien viel stärker auseinanderentwickelt als bislang angenommen.

Der Grund für die unterschiedlichen Ergebnisse: Die OECD macht bei der Betrachtung der zusätzlichen Kosten für Kinder keinen Unterschied zwischen armen und reichen Familien. Die Ruhr-Universität argumentiert hingegen: Für eine ärmere Familie sei ein Kind finanziell eine größere zusätzliche Belastung als für eine reiche Familie. So müsse beispielsweise ein wohlhabendes Paar wahrscheinlich nicht umziehen, wenn es ein Kind bekommt – weil es ohnehin schon in einer großen Wohnung wohnt. Die Ruhr-Universität berechnete diese Unterschiede in ihrer Studie mit ein.