Chinas größter Staatskonzern SGCC will in das deutsche Stromnetz investieren. Der Netzbetreiber wird 20 Prozent der Anteile am nordostdeutschen Netzbetreiber 50Hertz vom australischen Fonds IFM Investors übernehmen. Das bestätigten beide Vertragsparteien. Zuerst hatte das Handelsbatt über die Vereinbarung berichtet. Demnach kann allerdings noch der belgische Stromkonzern Elia, der die Mehrheit von 50Hertz hält, ein Vorkaufsrecht ausüben.

SGCC ist für einen großen Teil des chinesischen Stromnetzes zuständig und laut der Rangliste Fortune Global 500 mit einem Umsatz von zuletzt 315 Milliarden US-Dollar hinter Walmart das zweitgrößte Unternehmen der Welt. Der Konzern hatte sich zuletzt an einer ganzen Reihe ausländischer Netzbetreiber beteiligt, darunter in Australien, Brasilien, Griechenland und Italien.

Die Chinesen dürften bei der Übernahme vor allem strategische Interessen im Blick haben, berichtet das Handelsbatt. So will die Regierung das Land bis zum Jahr 2025 in verschiedenen Bereichen wie Energie, IT und Luftfahrt zu einer weltweiten Führungsrolle bringen. Dabei stehe besonders Deutschland im Zentrum von Investitionen, wie etwa die Übernahmen des Augsburger Robotikunternehmens Kuka durch den chinesischen Midea-Konzern zeige.

Neues Außenwirtschaftsgesetz soll Investitionen regulieren

Eigentlich soll das neue Außenwirtschaftsgesetz, das noch vom damaligen Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) auf den Weg gebracht wurde, ausländische Investitionen in kritische Infrastrukturen regulieren. Allerdings kauft SGCC nur 20 Prozent von 50Hertz und ist somit nicht von dem Gesetz betroffen, das erst bei einem Anteil von 25 Prozent greift. Laut Handelsblatt können die Chinesen viel von den deutschen Netzbetreibern lernen. So stammt bei 50Hertz rund die Hälfte des verbrauchten Stroms bereits aus erneuerbaren Quellen – etwa Windenergie. Auch China möchte die erneuerbaren Energien ausbauen und muss hierfür seine Stromnetze umrüsten und erweitern.

Die frühere Vattenfall-Tochter 50Hertz betreibt das Stromnetz in Ostdeutschland und Hamburg. Seit 2010 gehören 60 Prozent des Unternehmens dem belgischen Elia-Konzern. Auch andere deutsche Netzbetreiber gehören inzwischen ausländischen Investoren. So hat der niederländische Staat Tennet zu 100 Prozent übernommen. Insgesamt gelten deutsche Stromnetze als attraktive Investments, da die Renditen durch die Bundesnetzagentur staatlich reguliert sind und daher als sichere Einkommensquelle gelten.