ZEIT ONLINE: Frau Gebauer, in Nordrhein-Westfalen führen Sie das Schulfach Wirtschaft ein. Will die FDP uns alle zu kleinen Kapitalisten machen?

Yvonne Gebauer: Es geht nicht um überholte ideologische Kämpfe zwischen Arbeit und Kapital. Es geht um grundlegende ökonomische Fragen. Wir wollen die Alltagskompetenzen und das ökonomische Wissen und Verständnis der Schüler stärken. Denn das ist bei vielen jungen Menschen derzeit nicht in ausreichendem Maße vorhanden.

ZEIT ONLINE: Welche Inhalte sollen unterrichtet werden?

Gebauer: Die Schüler sollen sowohl volkswirtschaftliche Zusammenhänge und die Grundzüge unserer Wirtschaftsordnung vermittelt bekommen als auch grundlegende Veränderungen im Zuge der Globalisierung verstehen lernen. Gleichzeitig sind auch ganz lebenspraktische Dinge im Vertragsrecht im Fokus, zum Beispiel, was beim Abschluss eines Handyvertrages zu beachten ist oder was Zinsen sind. Daher wird auch Verbraucherschutz ein wichtiger Bestandteil sein.

Die Schüler sollen die  Rollen in einer Marktwirtschaft verstehen: Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Unternehmer, die Beziehung zwischen diesen Gruppen, Tarifverträge und grundlegende Funktionsweisen. Nur wenn man verschiedene Blickwinkel, Seiten und Interessen kennt, kann man sich eine differenzierte politische Meinung bilden. Ich bin überzeugt, dass das Interesse der Schüler an diesen Themen groß ist – das ist auch wichtig für die Akzeptanz des neuen Schulfachs.

ZEIT ONLINE: Aber es gibt doch bereits Fächer wie Politik und Wirtschaft an Gymnasien in NRW. Oder das Fach Arbeitslehre/Wirtschaft an Gesamtschulen.

Gebauer:  Es stimmt: Ökonomische Bildung ist schon heute Bestandteil in den unterschiedlichen Lehrplänen und Fächerkombinationen. Aber es ist zersplittert und reicht nicht mehr aus. Nordrhein-Westfalen stellt zurzeit die Gymnasien von G8 auf G9 um. Wir nutzen diese Chance und schauen uns die Lehrpläne an den Gymnasien an. Das Fach "Politik und Wirtschaft" wollen wir ausschärfen.

ZEIT ONLINE:  Was genau bedeutet "ausschärfen": Wird der Politikunterricht gekürzt, damit mehr Wirtschaft unterrichtet werden kann?  

Gebauer: Genau das wird nicht passieren. Wir werden den Stundenanteil von Politik und Wirtschaft aufstocken – um wie viel genau, das steht noch nicht fest. Aber andere Inhalte wie Politik werden nicht reduziert, sondern das Fach wird um mehr ökonomische Inhalte erweitert.

ZEIT ONLINE: Sie sprechen vornehmlich von Gymnasien. Was ist mit den anderen Schulformen? Ist dort das Fach Wirtschaft nicht vielleicht noch wichtiger?

Gebauer: Wir fangen erst mal mit den Gymnasien an, weil wir dort ohnehin derzeit die Lehrpläne umstellen. Am Ende soll das Lehrfach aber an allen weiterführenden Schulen eingeführt werden. Wie schnell wir das schaffen, kann ich Ihnen heute noch nicht sagen, wir sind erst am Anfang des Prozesses.

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Vielen Dank für Ihre Teilnahme!

ZEIT ONLINE: Warum ist ökonomisches Wissen so wichtig?

Gebauer: Für ein selbstbestimmtes und eigenständiges Leben ist Wirtschaftskompetenz elementar. Hier herrscht großer Nachholbedarf und auch manche Elternhäuser bringen diese Kompetenz nicht mit. Wir wollen den Schülern keine Antworten vorgeben. Aber wir wollen sie befähigen, Antworten zu finden. Und ihnen den Berufseinstieg erleichtern.

ZEIT ONLINE: Baden-Württemberg hat ebenfalls ein Schulfach Wirtschaft eingerichtet. International geht der Trend dagegen in eine andere Richtung: In vielen anderen Staaten werden Wirtschaftsthemen in andere Fächern integriert.

Gebauer: Vor einigen Jahren lief in Nordrhein-Westfalen an 70 Realschulen ein Pilotprojekt, um zu testen, ob es ein eigenes Schulfach Wirtschaft geben sollte. Das Projekt war erfolgreich, die Rückmeldungen der Schüler waren positiv. Dennoch hat die damalige rot-grüne Landesregierung es abgelehnt, ein eigenes Fach einzuführen und es an allen Schulformen zu etablieren. Das holen wir jetzt nach.

ZEIT ONLINE: Warum interessieren wir Deutsche uns kaum für Wirtschaftsthemen?

Gebauer: In unserer schnelllebigen Zeit bleibt nur wenig Zeit für den Einzelnen, sich mit tiefgreifenden Zusammenhängen zu beschäftigen. Die Welt ist sehr komplex geworden. Nehmen sie allein die globale Finanzkrise, viele verstehen überhaupt nicht mehr, was da passiert. Deshalb gehört die Wirtschaft in den Lehrplan. Aber am Ende ist es sicherlich auch eine Aufgabe der Medien, Wirtschaftsthemen prominent und verständlich zu vermitteln. Wir können als Landesregierung zwar einen Prozess anstoßen. Aber auch andere gesellschaftliche Akteure müssen ihren Beitrag leisten.