Ein Jahr nach der Freigabe lassen sich immer mehr Patienten in Deutschland mit medizinischem Cannabis behandeln. So verzeichnen die Apotheken in den vergangenen Monaten eine rasant wachsende Zahl eingereichter Cannabis-Rezepte. 2017 seien insgesamt 44.000 Einheiten Blüten zulasten der gesetzlichen Krankenkassen ausgegeben worden, teilte der Branchenverband ABDA mit. Das entspricht hingegen nicht der Anzahl an Rezepten, da oft mehrere Einheiten Hanf pro Verschreibung abgegeben werden.

Dennoch: "Die Tendenz war von Quartal zu Quartal steigend, sowohl bei Rezepten als auch bei den Abgabeeinheiten", sagte Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekenkammer. Im zweiten Quartal 2017 verbuchten die Apotheken noch 4.615 Rezepte mit gut 10.000 Einheiten Cannabis-Blüten. Im letzten Quartal waren es schon 12.717 Rezepte mit rund 18.800 Einheiten. "Cannabis-Rezepturen sind also zumindest teilweise im Versorgungsalltag angekommen", sagte Kiefer.

Bereits im Januar hatten die Krankenkassen gemeldet, dass bei ihnen viele Anträge auf Kostenerstattung für Cannabis-Behandlungen eingehen. Laut der Kassen gibt es aber Anlaufprobleme, etwa wegen fehlerhafter oder unvollständiger Angaben. Bisher lehnen die großen Kassen rund ein Drittel der Anträge vorerst ab.

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Ärzte müssen verschriebene Cannabis-Therapien umfangreich begründen. Die Krankenkassen können Anträge zunächst abweisen und Angaben nachfordern. Sie übernähmen aber bei allen zugelassenen rezeptpflichtigen Medikamenten die Kosten, so der Spitzenverband GKV.

Cannabis kann Spastiken, etwa in Folge von Multipler Sklerose oder Übelkeit nach Chemotherapien lindern und soll auch gegen Epilepsie helfen. Die Wirksamkeit ist aber nicht völlig medizinisch belegt.