Wirtschaftsinteressierte sind in diesen Tagen mit ungewohntem Vokabular konfrontiert: Von "Handelskrieg" ist die Rede, von "Vergeltungsschlägen" und – in der ZEIT der vergangenen Woche – von "Trumps Angriff auf Deutschland". Gelegentlich malen Medien dabei auch gleich die drohende wirtschaftliche Apokalypse an die Wand, mit Verweis auf die Große Depression in den Dreißigerjahren.

Angefangen hatte alles mit der Ankündigung des US-Präsidenten Donald Trump, Importzölle auf Stahl und Aluminium einzuführen. Die EU drohte mit Vergeltungszöllen auf Produkte wie Harley-Davidson-Motorräder oder Bourbon-Whiskey, deren Produzenten in Swing-States oder umkämpften Wahlkreisen angesiedelt sind. Trump nahm die Vorlage dankbar auf und brachte umgehend weitere Strafzölle auf deutsche Autos ins Spiel.

Kann es denn da falsch sein, wenn besonnene Stimmen darauf drängen, zu deeskalieren? Die Analysten der Commerzbank etwa raten zum Verhandeln und zur – von Trump per Twitter geforderten – Abschaffung von EU-Importzöllen auf Autos. EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström traf sich bereits mit Vertretern der US-Regierung, um eine Ausnahme vom Stahlzoll zumindest für EU-Hersteller zu sondieren.

Doch leider ist Befriedung nicht immer der richtige Weg. Verbale Deeskalation mag sinnvoll sein, aber ein echtes Einlenken oder eine bilaterale Verhandlungslösung mit den USA wären für die EU in dem aktuellen Konflikt grundfalsch. Mittel- und langfristig könnte eine solche Politik für Europa mehr Schaden als Nutzen bringen.

Gleiche Regeln für alle im Weltmarkt

Die EU hat zu Recht immer den Wert eines regelbasierten globalen Handelssystems unter Regie der Welthandelsorganisation WTO hochgehalten, zu dem alle Länder gleichberechtigten Zugang haben. Unter dem Schirm der WTO und der Vorgängerorganisation GATT hat die Weltwirtschaft in den Jahrzehnten seit dem Zweiten Weltkrieg eine ungekannte Handelsliberalisierung erlebt, und viele Schwellen- und Entwicklungsländer konnten erfolgreich in den Weltmarkt einsteigen.

Die USA sind ein großer Markt, aber mindestens genauso wichtig ist der Zugang zu den (stark wachsenden) Märkten im Rest der Welt, und für diesen ist die breite Akzeptanz der WTO-Regeln auch jenseits des transatlantischen Handels zentral. Gerade diese Akzeptanz steht aber derzeit auf dem Spiel, wenn die EU eine Verhandlungslösung mit den USA sucht.

Drei Elemente sind für dieses offene globale Handelssystem wichtig: erstens das Grundprinzip, dass (jenseits von Freihandelsabkommen) jeder WTO-Handelspartner gleich behandelt wird. Es ist damit nach WTO-Regeln verboten, etwa auf Auto-Importe aus Südkorea zehn Prozent Zoll zu berechnen, auf jene aus den USA aber nur fünf Prozent.

Zweitens gilt das Prinzip der gebundenen Zölle. Jedes Land hat sich in jahrelangen Verhandlungen gegenüber den WTO-Partnern verpflichtet, die eigenen Zölle auf einzelne Produkte nicht über einen Maximalzoll zu erhöhen. Dieser gebundene Zoll ist im Fall der USA nicht für alle Waren exakt gleich, aber für Eisen- und Stahlprodukte liegt er im Durchschnitt bei lediglich 0,3 Prozent – es gibt also kaum Zweifel, dass der Vorschlag eines globalen Zolls auf Stahlimporte in Höhe von 25 Prozent die Zusagen der USA verletzt, auch wenn Donald Trump behauptet, dies sei durch die "nationale Sicherheit" motiviert.