Im Skandal um die Analysefirma Cambridge Analytica hat nun auch Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg Fehler eingeräumt. Man habe auf die Vorgänge zu langsam reagiert, sagte Sandberg der Financial Times. "Bis zum heutigen Tage wissen wir nicht, welche Daten Cambridge Analytica hat." 

In einem weiteren Interview mit Bloomberg kündigte Sandberg an, Facebook werde am kommenden Montag alle Nutzerinnen und Nutzer über die mögliche Weitergabe ihrer Daten an Dritte informieren. Dies solle ganz oben im Newsfeed von Facebook platziert werden, sagte Sandberg. Auch alle Apps, mit denen Nutzer auf Facebook verbunden sind, sollen dort in einer eigenen Mitteilung zu sehen sein. Es soll eine einfache Möglichkeit geben, diese Apps zu löschen, kündigte Sandberg.

Mitte März war bekannt geworden, dass die britische Analyse-Firma Cambridge Analytica an Informationen von Millionen Facebook-Usern gekommen war – über einen Entwickler der Umfrage-App und ohne Facebook darüber zu informieren. Am Donnerstag teilte das Unternehmen mit, dass bis zu 87 Millionen Nutzer weltweit betroffen sein könnten, darunter bis zu 2,7 Millionen Einwohner der EU und rund 310.000 Anwender aus Deutschland. Das ist deutlich mehr als bislang angenommen. Seither war man von 50 Millionen Betroffenen ausgegangen. Die Daten sollen unter anderem im Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten Donald Trump sowie beim Brexit-Referendum verwendet worden sein.

Datenmissbrauch - Wie man seine Daten auf Facebook besser schützen kann © Foto: Claudia Bracholdt

Facebook konnte den Datenbestand bei der Datenanalysefirma nach eigenen Angaben bisher nicht nachprüfen, weil zunächst die britische Datenschutzbehörde Zugriff darauf bekommt. Mehrere Parlamente haben unterdessen eine Erklärung von Unternehmensgründer Mark Zuckerberg gefordert, darunter die Parlamente der EU und der USA. Zuckerberg hat bislang nur zugesagt, am 10. April vor dem US-Kongress auszusagen.

Auch in Deutschland fordert die Regierung Aufklärung von Facebook, zudem erwägt Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD), die Regeln für soziale Netzwerke zu verschärfen. Der Präsident des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt sagte der Rheinischen Post: "Nach dem jetzigen Stand gehen wir davon aus, dass Facebook seine Marktmacht gegenüber den Kunden durch die Art und Weise, wie Daten aus Drittquellen gesammelt und verwertet werden, missbräuchlich ausnutzt." Das soziale Netzwerk werde seine Praxis anpassen müsse, sollte das Kartellamt bei diesem Befund bleiben. Das Kartellamt ermittelt bereits seit zwei Jahren gegen Facebook. Die Behörde hält dem sozialen Netzwerk vor allem vor, auf Drittseiten ohne Wissen der Nutzer Daten zu sammeln und zu verwerten.

Zuckerberg hatte Mitte März versprochen, Konsequenzen aus dem Datenskandal zu ziehen. Unter anderem kündigte er an, den Zugriff von Dritten einzuschränken. Das zielt in erster Linie auf externe App-Entwickler ab. Am Mittwoch kündigte das Unternehmen an, jede Zugriffsberechtigung einzeln zu prüfen.

Tinder-Zugang zwischenzeitlich gestört

Die Folgen sind für App-Betreiberinnen und -betreiber, die einen Login via Facebook anbieten, aber schon heute spürbar: So konnten sich Nutzerinnen und Nutzer der Datingapp Tinder zwischenzeitlich nicht mehr über Facebook anmelden. Unklar ist, wie viele andere Apps bereits davon betroffen sind oder noch betroffen sein werden. Ein Zugang über Facebook war für Entwickler bislang komfortabel, weil sie ihren Nutzerinnen und Nutzern einen separaten Login ersparen konnten.

In der Facebookmitteilung von Mittwoch war nicht die Rede davon, dass Facebook selbst auf Daten verzichten wird. Auch Sandberg betonte in einem Interview mit NBC News, dass das Geschäftsmodell von Facebook auf Daten angewiesen sei. Ohne die auf Daten basierenden Werbeeinnahmen müsste Facebook ein Bezahlmodell einführen, so Sandberg. In der Folge des Interviews stellte Facebook klar, dass Sandberg hypothetische Überlegungen angestellt habe. Ein Bezahlmodell sei nicht geplant.