Der frühere Bahn-Chef Rüdiger Grube wehrt sich gegen Berichte, wonach er vom Staatskonzern eine Abfindung in Millionenhöhe erhalten habe. "Die Vorwürfe gegen mich sind unglaublich und völlig falsch. Ich bin kein Abzocker!", sagte er der ZEIT. Die Debatte sei "unehrlich".

Grube war im Januar 2017 überraschend als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn zurückgetreten. "Dass ich für 30 Tage Arbeit 2,3 Millionen Euro abgesahnt hätte, ist falsch! Gegen diese Behauptungen wehre ich mich gerade juristisch", sagte Grube. Bei dem Geld handle es sich überwiegend um Bonuszahlungen aus den Jahren 2014 bis 2016, die für das Erreichen vereinbarter Ziele gezahlt wurden. Grube war von Mai 2009 bis Januar 2017 Vorstandsvorsitzender der Bahn.

Zur Kritik von Politikern wie dem Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sagte Grube: "Das hat mich sprachlos gemacht. Die Politik hat die Bahn-Vorstandsverträge doch selbst abgesegnet. Mir kommt die Kritik an meiner Bezahlung sehr scheinheilig vor." Er sei als Bahn-Chef nicht gewesen und habe jahrelang freiwillig auf Gehaltserhöhungen verzichtet. "Mein Gehalt 2017 war nicht höher als das meines Vorgängers 2009."

Im ZEIT-Interview spricht Grube auch erstmals ausführlich über die Hintergründe seines Rücktritts bei der Deutschen Bahn. "Ich hatte von der politischen Führung eine andere Zusage bekommen und fühlte mich für dumm verkauft", sagte der 66-Jährige. "Ich habe Wertschätzung vermisst. Ich hatte mir gemeinsam mit meinen Vorstandskollegen jahrelang für diesen Job, salopp formuliert, den Hintern aufgerissen. Mein Familienleben dem Job untergeordnet. Aber das wurde nicht gesehen."

Grube schlug BER-Angebot aus

Schon einen Tag nach seinem Rücktritt habe er das Angebot bekommen, Chef des neuen Hauptstadtflughafens BER zu werden, sagte Grube. Berlins Regierender Bürgermeister habe ihm den Posten angeboten. "Es wird Sie nicht wundern, dass ich freundlich abgesagt habe."

Grube wurde nach eigenen Angaben auch der Aufsichtsratsvorsitz beim Hamburger SV angetragen. Auch dieses Angebot habe er ausgeschlagen. Heute arbeitet er unter anderem als Aufsichtsratschef der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA).