Gerade die Ärmsten der Armen in den Entwicklungsländern sind Lebensrisiken wie Krankheiten, Tod des Haupternährers und Naturkatastrophen oft schutzlos ausgeliefert. Sie finden häufig keinen Rückhalt in den formalen sozialen Sicherungssystemen, weil diese nur für Berufstätige bestehen. Den Bedürftigsten fehlt somit ein Auffangnetz, das sie vor dem Schlimmsten bewahrt. Sie müssen auf staatliche Hilfe vertrauen.Die Bekämpfung der Armut ist somit der Schlüssel zu einer erfolgreichen Entwicklungspolitik. Die Vereinten Nationen haben sich daher in ihrer Millenniumserklärung ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Die internationale Staatengemeinschaft will extreme Armut und Hunger weltweit bis zum Jahr 2015 halbieren. Die Bundesregierung hat als erstes Mitglied der Vereinten Nationen auf die Erklärung reagiert und ein Papier formuliert, das den deutschen Beitrag im Kampf gegen die Armut festlegt.Das "Aktionsprogramm 2015" der Bundesregierung setzt zur Minderung der Armut auf eine breite Palette von Maßnahmen. Die Gewährleistung sozialer Grunddienste und die Stärkung sozialer Sicherheit spielt in dem Programm eine wichtige Rolle. Dabei ist der allgemeine Zugang zu Grundbildung wohl die wichtigste Investition in die Zukunft einer Gesellschaft, kann aber in vielen Entwicklungsländern nur mit Hilfe von außen gewährleistet werden.Deutschland leistet im Rahmen der internationalen "Education For All Fast Track Initiative" gemeinsam mit anderen Geberländern einen wichtigen Beitrag, bestimmte Entwicklungsländer schneller und qualitativ besser in der Grundbildung zumal von Mädchen voranzubringen. Die deutschen Neuzusagen für die Grundbildung inklusive beruflicher Bildung werden von 135 Millionen Euro im Jahre 2002 auf 150 Millionen Euro im Jahre 2003 steigen.Ein weiterer wesentlicher Punkt der sozialen Sicherheit: die Bekämpfung von Krankheiten. Die Staaten Afrikas südlich der Sahara, Südostasien und Zentralasien werden der Verbreitung von AIDS nicht Herr. Die Bekämpfung des HIV -Virus bildet in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit einem Budget von 300 Millionen Euro pro Jahr einen Schwerpunkt.Derzeit sind rund 42 Millionen Menschen weltweit mit dem Virus infiziert oder bereits an AIDS erkrankt. Ohne massive finanzielle Unterstützung wird die Immunschwäche nicht nur die Weltbevölkerung dezimieren, sondern auch die Entwicklungspotentiale der Generation der 20 - 40-jährigen zunichte machen.Entwicklungspolitik ist ein partnerschaftlicher Prozess, der zwischen Industrie- und Entwicklungsländern abgestimmt werden muss. Jedes Entwicklungsland definiert seine nationale Strategie zur Armutsbekämpfung in einem PRSP (Poverty Reduction Strategy Paper). So können die Entwicklungsministerien der Geberländer ihre Maßnahmen in die Planungen jedes Landes speziell integrieren.Die auf dem Kölner G7/8-Gipfel 1999 von deutscher Seite angeregte erweiterte Entschuldungsinitiative (HIPC II) stellt den Ausgangspunkt für den PRSP-Prozess dar. Aufgrund der vorgelegten Strategiepapiere wurden bereits 27 Länder um 51 Milliarden Dollar entschuldet, davon kamen 6 Milliarden Dollar aus Deutschland. Der Anteil für Sozialinvestitionen am Bruttoinlandsprodukt bei den ärmsten, höchst verschuldeten Entwicklungsländern ist dadurch von 5,9 % in 1999 auf 9,3 % im Jahr 2003 gestiegen. Der Anteil der Sozialinvestitionen für Bildung und Gesundheit in den Haushalten der ärmsten hochverschuldeten Entwicklungsländer ist von 36,9 % 1999 auf 54,6 % in 2002 gestiegen.Armutsbekämpfung muss also als übergreifende Aufgabe verstanden werden, die nationale und internationale Allianzen sowohl staatlicher als auch nicht -staatlicher Akteure braucht. Die Organisationen der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit sowie Kirchen, Politische Stiftungen und private Träger sind angehalten, ihre Arbeit an den internationalen Entwicklungszielen auszurichten. Die Politik muss abgestimmte, kohärente ihre Positionen zur Entwicklungsarbeit vertreten, um in der internationalen Diskussion ein einheitliches Bild zu bieten. Nur so kann "Entwicklungszusammenarbeit aus einem Guss" entstehen.Der Beitrag Deutschlands zur Armutsbekämpfung und zur globalen Strukturpolitik hat vor kurzem internationale Anerkennung erfahren. Beim "Development Friendliness Index", der vom Washingtoner Center for Global Development erstellt wird und die Auswirkungen der Politik der 21 reichsten Länder auf die Entwicklungschancen der ärmsten Länder misst, hat Deutschland von den G7-Staaten am besten abgeschnitten.