Nach der Wahl von Schwarz-Gelb Aktien von Energiekonzernen schnellen in die Höhe

Die Bürger haben gewählt, die Börse reagiert: Die Aktien von Kernkraft-Betreibern legen deutlich zu, Kurse von Solarfirmen brechen ein.

Der Pannenreaktor Krümmel des Betreibers Vattenfall. Die Energiebranche hofft auf weitere Gewinne durch eine Verlängerung der Laufzeiten für ihre Meiler

Der Pannenreaktor Krümmel des Betreibers Vattenfall. Die Energiebranche hofft auf weitere Gewinne durch eine Verlängerung der Laufzeiten für ihre Meiler

Die Börsianer fackelten nicht lange: Kaum hatte die Frankfurter Börse am Morgen den Handel eröffnet, schnellten die Kurse der deutschen Energieversorger in die Höhe. E.on-Papiere legten im Verlauf des Tages zeitweise um fast fünf Prozent zu, Aktien von RWE verteuerten sich um rund vier Prozent, jene von EnBW sogar zeitweise um 13 Prozent.

Die Händler reagieren damit auf die Wahlentscheidung des gestrigen Abends. Eine schwarz-gelbe Bundesregierung, so das Kalkül der Anleger, werde in der kommenden Legislaturperiode die Laufzeiten der Atomkraftwerke in Deutschland verlängern. E.on und RWE betreiben derzeit 11 der 17 aktiven Meiler, EnBW vier, Vattenfall zwei. Da die Kraftwerke bereits abgeschrieben sind, können die Unternehmen mit zusätzlichen Gewinnen rechnen, falls die Meiler länger am Netz bleiben dürfen.

Der Energie-Analyst der DZ-Bank, Mario Kristl, rechnete in einem Kommentar vor, wie groß dieser Effekt ist: Eine Laufzeitverlängerung um zehn Jahre würde etwa den Wert jeder E.on-Aktie um 2,80 Euro erhöhen, selbst wenn der Staat die Hälfte der Gewinne abschöpft. Die Papiere von RWE würden der Rechnung zufolge sogar um 6,70 Euro wertvoller.

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Die Papiere von Solarunternehmen gerieten hingegen unter Druck. Der Kurse der Aktien von Solarworld, Conergy und Q-Cells brachen bis zum Mittag um bis zu 3,2 Prozent ein. Die Händler fürchten offenbar, dass die neue Regierung die staatliche Förderung für die Branche stärker beschneiden könnte als ohnehin vorgesehen.

Zu den Profiteuren des Wahlausgangs gehörten auch deutsche Pharmawerte, vor allem jene von Nachahmer-Produkten, sogenannten Generika. Die im MDax gelisteten Stada-Aktien legten um 8,5 Prozent zu. Die Anleger spekulieren offenbar darauf, dass die jüngste Gesundheitsreform zumindest teilweise wieder zurückgedreht wird.

In der Vergangenheit goutierte die Börse die Wahl einer schwarz-gelben Regierung. Offenbar auch diesmal: Bis zum frühen Nachmittag notierte der Dax bei 5662 Punkten – rund 1,5 Prozent mehr als noch am Vortag. Damit stiegen die Kurse am heutigen Tag in Deutschland weit stärker als im europäischen Ausland.

 
Leser-Kommentare
  1. Atomindustrie, Pharmaindustrie legen zu, Solarindustrie verliert. Die politischen Vertreter derjenigen, die die Welt aussaugen und versklaven, werden von den Sklaven gewählt.
    Manchem mag das jetzt übertrieben oder fatalistisch erscheinen, aber es ist einfach eine Tatsache, dass das Wahlergebnis ein Dankeschön an die liberale Wirtschaftsordnung ist, der wir Steuerzahler gerade eben eine Billion [...] haben.

    [Gekuerzt, bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke. /Die Redaktion pt.]

    • mhmmmm
    • 28.09.2009 um 16:36 Uhr

    In der ZDF-Mediathek gibt es zwei sehr schöne Beiträge, die Lust auf nen schlechtes Gewissen haben, sofern sie CDU-Wähler sind:

    F21-Dokumentation: Das Pharma-Kartell

    Das Kartell - Im Würgegriff der Konzerne

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