Finanznot Griechenlands Das IWF-Dilemma

Experten raten, zur Lösung der Athener Haushaltskrise den IWF einzuschalten. Politiker aber fürchten, die USA könnten so Einfluss auf die Euro-Währungspolitik erlangen.

Wegen der griechischen Haushaltskrise wird weiter um die Stabilität des Euro gefürchtet. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht die Gemeinschaftswährung erstmals "in einer schwierigen Situation". Vor diesem Hintergrund werden Forderungen laut, den Internationalen Währungsfonds (IWF) einzuschalten. Dem Handelsblatt sagte der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, Michael Hüther: "Der Internationale Währungsfonds ist angesichts seiner Aufgabenstellung und seiner Expertise der geeignete Akteur, um Griechenland den Weg aus der Krise zu weisen." Nach Informationen der Zeitung spricht sich auch der wissenschaftliche Dienst des Bundestags dafür aus, den IWF einzubinden. Ebenso dafür plädiert der langjährige EZB-Chefökonom und Vorsitzende der Regierungskommission zur Reform der Finanzarchitektur, Otmar Issing. "Meine Präferenz ist, dass man den IWF einschaltet, denn Griechenland ist Mitglied des IWFs, nicht aber die Europäische Union", sagte er dem Handelsblatt. Die Währungsunion sei kein Staat, argumentierte Issing, sondern eine Gemeinschaft souveräner Staaten.

Die Experten gehen damit auf Konfrontationskurs zu Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der ein Eingreifen des IWF ablehnt. Auch der Chef der Eurogruppe, der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker, hatte sich dagegen ausgesprochen. "Ich halte ein Engagement des IWF, das über die technische Hilfe hinausgeht, für nicht notwendig", sagte er. Juncker wandte sich zudem strikt dagegen, mehr Inflation zuzulassen, wie es der IWF vorgeschlagen hatte. Die Debatte über eine Entschuldung per Inflation sei schädlich. Hintergrund der Ablehnung dürften Befürchtungen sein, die USA könnten über den Umweg IWF Einfluss auf die europäische Währungspolitik nehmen.

Anzeige

Juncker drohte den Finanzmärkten gleichzeitig, Europa werde eine Spekulation auf Griechenlands Finanznot nicht hinnehmen: "Wir haben die Folterwerkzeuge im Keller, und wir zeigen sie, wenn es nötig ist", sagte der luxemburgische Ministerpräsident dem Handelsblatt. "Wir müssen das Primat der Politik wieder stärken, sie muss die Finanzmärkte stoppen können", so Juncker. Die Politik sei nur soweit erpressbar, wie sie sich erpressen lasse.

An den Devisenmärkten hatte die Ungewissheit über ein mögliches Rettungspaket für das überschuldete Griechenland eine Spekulationswelle gegen den Euro ausgelöst. Mit welchen Maßnahmen die EU dagegen vorgehen könnte, ließ Juncker offen. Man werde aber ganz allgemein über die Auswirkungen des Verhaltens gerade auch der Banken reden müssen.

Der Fall Griechenlands zeigt nach Junckers Worten die Notwendigkeit einer europäischen Wirtschaftsregierung. "In der Eurogruppe muss allen, und derzeit vor allem Griechenland, klar sein, dass jedes Mitglied ein Stück seiner Souveränität verliert", sagte der Eurogruppen-Chef. "Wenn wir das griechische Problem gelöst haben, müssen wir uns einen Werkzeugkasten zulegen, um ähnliche Probleme in der Zukunft zu vermeiden." Es sei allerdings klar, dass es nach Vertragslage nicht zu einer Schuldenübernahme (Bail-out) kommen werde.

EU-Währungskommissar Olli Rehn hat von Griechenland größere Anstrengungen zum Abbau seiner gewaltigen Staatsverschuldung gefordert. "Weitere Maßnahmen sind notwendig", sagte Rehn nach einem Treffen mit dem griechischen Finanzminister Giorgos Papakonstantinou. Gleichzeitig gab er sich zuversichtlich, dass die griechische Regierung die Finanzkrise mithilfe der Europäischen Union überwinden werde. Das Land hat mehr als 300 Milliarden Euro Schulden. Rehn will darauf dringen, dass Athen mit seinem Sparprogramm alle Möglichkeiten ausschöpft, um das gigantische Haushaltsdefizit von 12,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes innerhalb eines Jahres um vier Prozentpunkte zu drücken.

Seit seinem Jahreshoch im November 2009 von rund 1,51 Dollar hat der Euro rund 10 Prozent verloren. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte Milliardenhilfen aus Deutschland bereits ausdrücklich ausgeschlossen. Sie trifft sich am kommenden Freitag mit dem griechischen Regierungschef Giorgios Papandreou.
 

 
Leser-Kommentare
    • fanta4
    • 01.03.2010 um 13:14 Uhr

    Nur heiße Luft, nichts als Gerede.

    • TDU
    • 01.03.2010 um 13:18 Uhr

    Hoffentlich haben die Regierungen endlich die Arbeitsweise der Hedge Fonds begriffen. Bei aller berechtigten Kritik an Griechenland, Deustchland ist auch auf deren Geschäftsprinzip reingefallen.

    Aber ein Land allein kann nichts ausrichten. Also alle rein in den Keller, Werkzeuge raus und an die Arbeit.

    • CM
    • 01.03.2010 um 13:23 Uhr

    "Wir haben die Folterwerkzeuge im Keller, und wir zeigen sie, wenn es nötig ist"...

    Wenn das Zeigen der Folterwerkzeuge alles ist, womit Juncker droht, dann verstehen wir, warum sich die Banken und Hedgefonds alles erlauben können. Das läuft wie beim Dosenpfand und den Autoabgasen, erst mal nichts tun, dann auf "freiwillige Selbstverpflichtungen" der Unternehmen setzen. Es bringt rein gar nichts.

    • Chali
    • 01.03.2010 um 13:28 Uhr

    Auf allen Gängen jeder Bank!

    • joG
    • 01.03.2010 um 13:49 Uhr

    ....Junker, Rehm und Konsorten Angst, sonst wären sie nicht so laut und drohend. Das tut man nur, wenn man sich in einer Ecke sieht und eine Katze lauert.

    Hätten diese Supereuropäer den Euro richtig gemacht und anständig kontrolliert, so wären die Probleme, wie wir sie jetzt sehen nicht gekommen. Nun müssen ablenken von ihrer Verantwortung, weil sie glauben sonst weggefegt zu werden. Schließlich sind es die gleichen Nasen.
    Das gleiche gilt allerdings auch für die Finanzkrise. Man hat schlechte Regeln gemacht und den Erfolg geerntet. Da braucht es einen Buhmann. Ziemlich widerliches Pack, wenn man sich so verhält. Aber dem Volk scheint es zu gefallen.

  1. Recht hat er, der Juncker! Aber dann darf es nicht beim bloßen Zeigen der Folter-Instrumente bleiben.
    Warum fehlen aus der deutschen Politik zu diesem Thema die klaren Worte?
    Dank Willem II, dem Schwadroneur, und Adolf Arschloch, dem Gröfaz, verfügt Deutschland doch über eine gewisse Übung: Warum also besetzen wir nicht Luxemburg? Das liegt näher als Afghanistan, ist gewiß für die Soldaten nicht so gefährlich, wird garantiert billiger, wahrscheinlich auch erfolgreicher! Könnten bei der Gelegenheit auch gleich die Konten bundesrepublikanischer Steuer-Flüchtlinge kontrollieren.
    Zur Beruhigung luxemburgischer Gemüter wählen wir dann Jean-Claud Juncker zum deutschen Bundeskanzler. Der Mann hat schon öfter gezeigt, er hat Grips, Mut und scheut auch keine klaren Worte. Und an solchen Charakteren mangelt es in der Bundesrepublik seit vielen Jahren!!
    Für die Bürger unseres Landes wäre es eine win-win- Situation. Um es mal im Jargon der Banker und HedgeFonds-Haie zu sagen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich bitte sie. Herr Juncker ist ein Teil des Problems, die Banken in Luxemburg, Hauptdeviseneinbringer Luxemburgs, haben Narrenfreiheit. Steuerflüchtlinge sind da Hauptkunden. Dieses Geld wird dort auch für solche Wetten verwendet. Herr Juncker weigert sich erfolgreich gegen eine Reform der Luxemburger Banken. Und wo war er mit seiner Kritik, als er und wie die anderen Regierungschefs alle schon wussten, dass GR sich in die Eurozone mogelte?

    Die Versager von damals spielen sich als Konfliktlöser von heute auf. Diese ganze Politik- und Finanzmischpoke ist einfach nur zum Brechen.

    Bigott und verlogen sind sie und haben nur Eigeninteressen im Sinn.
    Die Stimmung in D. bzg. GR ist gerade zu katastrophal. Ich bin gespannt, wie man die Finanzspritzen verpacken wird, damit die Volksseele nicht weiterkocht. Übrigens, was sagt den unser Außenminister? dazu der schweigt zu einem Thema, wo man ihn mal gerne hören würde.

    Ich bitte sie. Herr Juncker ist ein Teil des Problems, die Banken in Luxemburg, Hauptdeviseneinbringer Luxemburgs, haben Narrenfreiheit. Steuerflüchtlinge sind da Hauptkunden. Dieses Geld wird dort auch für solche Wetten verwendet. Herr Juncker weigert sich erfolgreich gegen eine Reform der Luxemburger Banken. Und wo war er mit seiner Kritik, als er und wie die anderen Regierungschefs alle schon wussten, dass GR sich in die Eurozone mogelte?

    Die Versager von damals spielen sich als Konfliktlöser von heute auf. Diese ganze Politik- und Finanzmischpoke ist einfach nur zum Brechen.

    Bigott und verlogen sind sie und haben nur Eigeninteressen im Sinn.
    Die Stimmung in D. bzg. GR ist gerade zu katastrophal. Ich bin gespannt, wie man die Finanzspritzen verpacken wird, damit die Volksseele nicht weiterkocht. Übrigens, was sagt den unser Außenminister? dazu der schweigt zu einem Thema, wo man ihn mal gerne hören würde.

  2. ganz bestimmt nicht die Politik. Zuerst war da das Geld das sich möglichst an nur einem Ort kummulieren sollte, ab und zu gnädigst verteilt an den Pöbel. Nach dem Ende der direkten Leibeigenschaft und ersten zarten Sprösslingen Demokratischer Strukturen fanden sich aber schnell auch gerade jene wieder die bis heute glauben erhaben über all jenem stehen zu müssen (von können kann da gar nicht die Rede sein berücksichtigt man die Komplexität staatlicher Systeme versus der Einfachheit von Bilanzen) und sich keinen Dreck darum kümmern. Zusätzlich Unterstützt und ja irgendwie Bestätigt wird solcher Art Denkweise noch durch die systemisch angelegten Steueroasen welche konstanten Druck auf Staatliche und Demokratische und Mitsprachestrukturen ausüben. Des Menschen Gerechtigkeitssinn muss nach wie vor mit intensiver Medialer Kampfkraft davon überzeuigt werden das Spekulation etwas inherent gutes ist da dies ja der waren Preisfindung dient. Dabei komplett wurscht ob ganze Gesellschaften verarmen ob der obszönen Kredit und Zinsbewirtschaftung. Island, Estland, Ungarn, Spanien, England, Deutschland, Portugal und noch viele mehr, zeigen doch deutlich auf das all diese Länder mit der totalen Liberalisierung und gleichzeitigem maximalem globalem Wettbwerbsdruck nicht umgehen können. Wie aber sollen Länder und die dort lebenden Individuen mit etwas umgehen können womit auch Mrd. Schwere Konzerne so ihre liebe Mühe haben? Ich denke die EU Verfassung wird diese Dinge nicht zu lösen vermögen.

  3. [...] Entfernt wegen Doppelposting. Die Redaktion/sh

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service