Euro-Krise Finanzmärkte reagieren positiv auf EU-Rettungsschirm

Der Rettungsfonds der Euro-Staaten hat die Märkte weltweit zunächst beruhigt. Der Euro profitierte jedoch nur zeitweise.

In der Nacht zum Montag hatten die Finanzminister der EU ein beispielloses, 750 Milliarden schweres Hilfspaket beschlossen . Das Ziel: den Euro zu retten und ihn vor weiteren Spekulationen zu schützen. Offenbar ist der Plan vorerst aufgegangen, weltweit reagierten die Börsen positiv.

Der Dax stieg am Montag zwischenzeitlich über die psychologisch wichtige Marke von 6000 Punkten: Am frühen Nachmittag notierte das wichtigste deutsche Börsenbarometer mit einem Plus von über fünf Prozent bei knapp 6007 Punkten. Einen höheren Zuwachs erreichte der deutsche Leitindex zuletzt im April 2009. Auch an den anderen europäischen Börsen ging es steil aufwärts.

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Der Schutzschirm für die europäische Währungsunion beflügelte auch die US-Börsen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte stieg im frühen Handel 3,9 Prozent auf 10.783 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500-Index kletterte 4,3 Prozent auf 1158 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq legte 4,6 Prozent auf 2370 Stellen zu.

Zuvor hatte schon der japanische Nikkei-Index 1,6 Prozent zugelegt. Der Euro konnte Boden gutmachen und kletterte zeitweise auf über 1,30 Dollar. Bis zum späten Nachmittag gab der Euro die Gewinne aber fast vollständig wieder ab und kostete 1,2830 Dollar.

Unter den Dax-Werten konnten bis zum frühen Nachmittag vor allem die Banktitel profitieren. Deutsche Bank und Commerzbank führten die Gewinnerseite mit Zuwächsen von mehr als zwölf beziehungsweise zehn Prozent an. In Paris war der Leitindex CAC 40 am Morgen um fast 6 Prozent nach oben geschossen, der britische FTSE 100 in London rückte um 3,6 Prozent vor.

Die Devisenmärkte reagieren nach Einschätzung von Experten der HSH Nordbank auf den "internationalen Kraftakt" zur Stützung angeschlagener Staaten. Die Kurserholung des Euro lasse nun hoffen, dass dem "Wolfsrudelverhalten der Märkte" zunächst einmal Einhalt geboten werden kann.

Euro-Rettungsschirm

In der schwersten Krise des Euro seit Gründung der Währungsunion zeigen die Euro-Staaten Geschlossenheit: Um den Verfall der gemeinsamen Währung zu stoppen, haben die Finanzminister der 16 Euroländer ein nie dagewesenes Auffangnetz beschlossen.

Die EU-Kommission weitet die bereits an Nicht-Euroländer (Ungarn, Lettland und Rumänien) geleisteten Hilfen kurzfristig auf Mitglieder des Währungsraums aus. Dazu wird der Topf von derzeit 50 Milliarden auf 60 Milliarden Euro aufgestockt.

Zudem schafft die Euro-Zone ein völlig neues Instrument: Eine Gesellschaft unter Aufsicht der EU-Kommission kann im Namen aller 16 Euroländer Geld am Markt leihen und den Kredit an finanzschwache Staaten weitergeben. Die Euroländer selbst treten dabei als Bürgen auf. Die Finanzminister einigten sich auf einen Finanzrahmen für diese Zweckgesellschaft von bis zu 440 Milliarden Euro. Der Rettungsschirm wird ergänzt um Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) in einer Höhe von bis zu 250 Milliarden Euro.

Rechtsgrundlage

Die Rechtsgrundlage für die Zweckgesellschaft muss noch geschaffen werden, in Deutschland ist hierfür ein Gesetz notwendig. Mit dem Notfallplan setzen die Euro-Staaten das im EU-Vertrag festgeschriebene Verbot der Schuldenhaftung außer Kraft. Die Länder berufen sich als Grundlage für den neuen Mechanismus aber auf Artikel 122 des Lissabon-Vertrages.

Dieser erlaubt finanziellen Beistand "aufgrund von außergewöhnlichen Ereignissen, die sich der Kontrolle des Staates entziehen". Darunter fällt also offenbar auch die Attacke gegen den Euro, welche die Politik in den vergangenen Tagen als Schuldige der akuten Krise ausgemacht hat.

EZB

Die Europäische Zentralbank (EZB) flankiert die Vorkehrungen durch den Aufkauf von Staatsanleihen der Euroländer. Der EU-Vertrag schließt ausdrücklich aus, dass die Notenbanken direkt Staatsanleihen kaufen – die EZB kann die Papiere also nur am Sekundärmarkt erwerben. Über den Umfang der Interventionen, zu denen noch umfangreiche Stützungsmaßnahmen für den Geldmarkt und das Bankensystem kommen, entscheidet der EZB-Rat. Die Zentralbank pocht aber auf ihre Unabhängigkeit. Insbesondere wegen Inflationsrisiken hatte sich die EZB lange gegen Eingriffe dieser Art gewehrt.

Konsolidierung

Die Finanzminister vereinbarten, künftig noch strenger auf die Sanierung der Staatshaushalte zu achten. Die Verpflichtung auf einen strikten Sparkurs war vor allem von Deutschland eingefordert worden. Portugal und Spanien müssen bis zur nächsten regulären Sitzung der Finanzminister am 18. Mai in Brüssel zusätzliche Maßnahmen für 2010 und 2011 vorlegen. Zudem dringt Berlin auf rasche Entscheidungen über eine Finanzmarktregulierung.

Besonders deutlich wurde die Wirkung auch an den Anleihemärkten. So ging der Risikoaufschlag der zehnjährigen Anleihe Griechenlands auf rund 7,6 Prozent zurück. Noch am Freitag vergangener Woche war der Risikoaufschlag über die 12-Prozent-Marke geklettert. Zum Vergleich: Zehnjährige Bundesanleihen verzinsen sich derzeit mit rund drei Prozent.

Noch krasser fällt der Vergleich bei den kurzfristigeren griechischen Staatsanleihen aus: Zweijährige Staatstitel Athens lagen am Montag bei rund 6,8 Prozent – am Freitag aber noch bei über 18 Prozent.

Leser-Kommentare
    • WIHE
    • 10.05.2010 um 11:40 Uhr

    dass auf das Wort eines Politikers kein Verlass ist.

    Unabhängikeit der EZB: gekippt

    No Bail out: von gestern

    Aufkauf von Anleihen von Euro-Staaten: kein Problem mehr.

    10 000 Euro wäre es mir wert gewesen, hätte ich aus meinem eigenen Vermögen auf den Tisch gelegt, wenn es geholfen hätte, den Euro zu kippen.

    So freue ich mich darüber, dass die deutsche Bank Aktien heute um 11 % gestiegen sind.

    Jedes Ding hat wenigstens zwei Seiten.

    Und sollte Deutschland doch mit den mehr als 100 Milliarden in die Pflicht genommen werden,

    meine Freude wird nicht nur klammheimlich sein.
    Der deutsche Wähler hat nichts anderes verdient.

    • WIHE
    • 10.05.2010 um 11:52 Uhr

    "Das zeigt, dass wir den Euro verteidigen werden, koste es, was es wolle."

    Darauf werden wir uns sicher verlassen können,
    auch wenn das Klein-Häuschen unserer Oma dabei drauf.

    Solange es ein deutsches Häuschen ist, ist das alles völlig egal.

  1. Ein merkwürdiger Tag im allerübelsten Sinn, der nun ganz offen Schlendrian, Gerissenheit sowie Politisches über jede Vernunft honoriert, und am dessen Entwicklungsende via Hyperinflation uns allen ein Totalitarismus in Form von Duce oder gar Uncle Joe winkt!

  2. fragt sich nur wie für lange?

  3. Nun zocken sie wieder. Die Börsen jubeln. Mit Wirtschaft hat das nichts zu tun. Und es ist nur eine Pause, bis die Bankster sich wieder Portugal, Spanien usw zuwenden.
    Und in der EU lehnen die Briten es erwartungsgemäß ab, den Fonds zu stützen - lang lebe die Solidarität!
    Das "Rettungspaket" rettet nichts, da die Bankster und anderen Spekulanten nicht zugleich in die Schranken gewiesen wurden. So "rettet" das Paket nur die Bankster und anderen Spekulanten.

  4. ...etwas ab, was man "Machtergreifung" nenn könnte.

    Leider wissen nur die EU-Politiker, wer sich diese
    Macht momentan sichert. Ich tippe mal auf die welt-
    weite Finanz-Elite um Bilderberger und Co.

    Ich habe in der Schule immer gelernt, daß eine
    "Machtergreifung" etwas böses ist. Anscheinend
    ist das aber nciht der Fall. Sonst würden die
    Leute auf die Straße gehen.

    Hilfe.

    • WIHE
    • 10.05.2010 um 12:24 Uhr

    jagt das vorherige.

    Allmählich werden mir die Gründe für mein zunehmendes
    Unbehagen am Parlamentarismus klar.

    Irgend lasse ich das alles hinter mir
    und ziehe in die Schweiz um.

    • k2
    • 10.05.2010 um 12:33 Uhr

    "A differenza di Moody's, l'agenzia Fitch, esaminando i dati relativi al sistema Italia, ha mantenuto un giudizio inalterato giudicando positivamente l'operato degli istituti bancari. Dall'inizio della crisi, due anni fa, «le banche italiane hanno reagito bene, si sono mosse nella giusta direzione rafforzando il patrimonio e basandosi sul loro punto di forza, la raccolta diretta tra la clientela» ha spiegato l'analista di Fitch Christian Scarafia. (..) Sicuramente «il 2010 - è l'opinione di Scarafia- non sarà facile, la ripresa sarà lenta e le banche avranno altre importanti sfide da affrontare». Per la verità, la stessa Moody’s ha poi chiarito di non aver assunto alcuna iniziativa sul rating dell’Italia, confermandolo al livello AA2, peraltro con prospettive stabili. I rating sull’Italia «non sono sotto osservazione», ha chiarito un portavoce di Moody’s. Linea simile dalla maggiore agenzia di rating mondiale, Standard & Poor’s: sull’Italia non c’è nessuna novità, ha riferito una portavoce, l’ultimo aggiornamento risale all’8 aprile scorso, confermava il rating "A " e anche in questo caso con un outlook stabile. Il rapporto che ha scatenato il tutto in realtà si limitava a rilevare che in una ipotesi di aumento delle tensioni sui titoli di Stato italiani, le banche della penisola potrebbero risentirne. Peraltro laddove «finora il sistema bancario «italiano» è stato relativamente robusto», aggiungeva la stessa Moody’s"(Die Abendzeitung in Mailand, Wochen-Ende,
    7. - 10. Mai )

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