Silicon Valley : Der Dotcom-Wahnsinn ist zurück

Als erstes großes soziales Netzwerk ist LinkedIn an die Börse gegangen, weitere sollen folgen. Es könnte der Anfang vom Ende einer neuen Dotcom-Blase sein.

Die Spannung auf dem Parkett im großen Handelssaal der New York Stock Exchange (NYSE) war fast greifbar. Dort, wo sich sonst wenige Menschen zwischen den Monitoren verlieren, standen sie dicht gedrängt: Händler, Journalisten, Investoren. Sie alle waren gekommen, um einen neuen Stern an der Wall Street zu begrüßen.

Als um 10.25 Uhr der Handel begann, schoss der Kurs der LinkedIn-Aktie auf fast 85 Dollar. Im Vergleich zum Emissionskurs von 45 Dollar – der aufgrund der riesigen Nachfrage kurz zuvor sogar noch um zehn Dollar heraufgesetzt worden war –, eine Steigerung um 95 Prozent.  Zum Handelsschluss stand sogar ein Plus von 109 Prozent auf 94,25 Dollar auf der Kurstafel. Für die Wall Street, jubelten viele, beginne eine neue Ära.

Für Rob Enderle dagegen ist es der Anfang vom Ende. "Der Wahnsinn ist zurück", sagt der IT-Analyst. "Die Frage ist nicht, ob Firmen wie LinkedIn eine Investition wert sind", sagt er. "Die Frage ist, ob ein solches Ausmaß gerechtfertigt ist." Beleg sind ihm die Zahlen: Das Karrierenetzwerk, das knapp neun Milliarden Dollar wert sein soll, erwirtschaftet mit seinen 102 Millionen Nutzern gerade mal einen Gewinn von 15,4 Millionen Dollar.

Es sind aber nicht allein solche Zahlen. Immerhin macht LinkedIn wenigstens Gewinn und hat ein Geschäftsmodell, das zu funktionieren scheint.

Heikler scheinen andere Werte. Allein im ersten Quartal 2011 haben amerikanische Wagniskapitalfonds sieben Milliarden Dollar in Firmen im Silicon Valley gesteckt – 79 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Es herrscht Goldgräberstimmung. Selbst Unternehmen, deren Ideen so neu nicht scheinen und deren Produkte noch gar nicht auf dem Markt sind, werden von Investoren hoch bewertet und gehandelt. Noch viel stärker ist der Kampf um Anteile an Firmen, die bereits erfolgreich sind.

Im Januar bewertete die Investmentbank Goldman Sachs Facebook mit 50 Milliarden Dollar , Großinvestoren wie T Rowe Price, Mehrheitsaktionär der NYSE, rissen sich darum, in das Unternehmen einzusteigen. Zwei Monate später, sagt Scott Kessler, IT-Analyst bei der Ratingagentur Standard & Poor’s, sei die Firma womöglich schon das Doppelte wert.

Auch Zynga, die Firma hinter Facebook-Spielen wie Farmville und Mafia Wars, konnte durch Beteiligung von Investoren ihren geschätzten Unternehmenswert in einem Quartal um 81 Prozent auf acht Milliarden Dollar erhöhen. Und in den Mikroblogging-Dienst Twitter pumpten die Investoren seit Monaten so viel Geld, dass dessen Chef Dick Costolo vor kurzem mitteilen ließ, man sammle derzeit kein neues Kapital.

Der Konkurrenzkampf unter den Anlegern verschärft die Lage im Zweifel. Firmen wie Microsoft, Google und Apple haben viele Milliarden an Finanzreserven gehortet. Hinzu kommen Hedgefonds und andere Finanzinvestoren, die auf eine satte Rendite setzen. Das Gerangel um Anteile an möglichen Gewinnern sei so groß, berichtet der Economist , dass um Zeit zu sparen teilweise schon bei der sogenannten Due Dilligence geknausert wird, die Buchprüfung bei Kandidaten, in die investiert werden soll.

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Kommentare

41 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Lernresistenz

Irgendwie habe ich das Gefühl, das Börsianer an einer ausgeprägten Lernresistenz leiden.

Vermutlich leiden sie obendrein an einer unheilbaren Spielsucht, wie man sie in nahezu jedem Casino vorfinden kann.

Das Dumme ist nur, sie ruinieren sich nicht nur selbst, sondern gleich ganze Volkswirtschaften. Wann endlich wird die Politik reagieren? Was muss noch passieren? Verdammt, ich hab ja vergessen, dass Politiker ebenfalls lernresistent sind.....

Einfache und effektive Lösung

Die Politik wird nicht reagieren - weil sie Teil des "Großen Spiels" ist: gerade große börsennotierte Konzerne locken mit Geld sowie mit Vorstands- und Aufsichtsratsposten. Für die kleineren Lichter gibt es gut dotierte Beraterverträge und notfalls irgendwas für lau. Zur Not heisst es für die Investoren dann "too big to fail" - und der Staat muss retten.

Es gibt eine klare Lösung:
Börsen gehören abgeschafft. Der Handel mit Wertpapieren verboten.

Wie gut, dass sich Politiker nicht zu viel zutrauen

Sie schreiben "Das Dumme ist nur, sie ruinieren sich nicht nur selbst, sondern gleich ganze Volkswirtschaften. Wann endlich wird die Politik reagieren? Was muss noch passieren? Verdammt, ich hab ja vergessen, dass Politiker ebenfalls lernresistent sind....."

eines sollten wir aber gelernt haben: Politiker können den Wert von Firmen auch nicht besser einschätzen als Leute, die immerhin ihr eigenes Geld reinstecken. Von daher: Solange keine Staatshaftung entsteht (weil in Unternehmen öffentliches Geld steckt oder sie "systemrelevant" sind bzw. so wahrgenommen werden), soll doch jeder versuchen, aus seinem Geld das beste zu machen. Auch die .com-Blase bestand doch daraus, dass Investoren vielen Unternehmern eine Change gegeben haben, die überwiegend nicht viel daraus gemacht haben. Da gibt es wirklich Schlimmeres, was ein Geldanleger anrichten kann, als gewagte ideen zu unterstützen, mit dem Ergebnis, dass sein Geld hinterher weg ist und ein paar Leute in der Zwischenzeit davon bezahlt wurden.

Volle Zustimmung;

es wäre ja nicht so schlimm, daß geldgierige Leute ihr Geld verlieren - aber daß der Steuerzahler hinterher die Banken retten muß, die ihr Geld verspekuliert haben, weil sonst die ganze Wirtschaft zusammenkracht, ist unannehmbar. Es wird wirklich Zeit, äußerst strenge Richtlinien zu erlassen.
Man braucht heute keine Waffen mehr, um ganze Länder zu zerstören - Aktienanteile reichen schon.

Party vorher

Wir wissen doch, dass die USA demnächst noch einmal, dann so richtig zusammenkrachen, weil der Staat pleite ist.

Solidität des Businesses zahlt sich am Ende aus, ich investierte lieber hier als irgendwelchen medial aufgebauschten Trends hinterher zu feiern. Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Der steht in den USA schon im Plan. Sogar deren Börse wurde jetzt von Europäern übernommen.