Der erwartete Börsengang von Facebook rückt offenbar näher. Nach Informationen des Wall Street Journal könnte das weltgrößte soziale Netzwerk bereits am kommenden Mittwoch die nötigen Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht einreichen. Das wäre der erste Schritt auf dem Weg in den Wertpapierhandel. Bis zum eigentlichen Börsengang dürften dann aber noch Monate vergehen. Zuletzt war ein Termin im Sommer erwartet worden.

Laut Wall Street Journal strebt Facebook eine Bewertung von 75 bis 100 Milliarden Dollar an (57 bis 76 Mrd Euro). Damit wöge das Unternehmen sofort schwerer als die meisten Dax-Konzerne: Siemens ist rund 67 Milliarden Euro wert, Volkswagen kommt auf etwa 60 Milliarden Euro, der Chemieriese BASF sowie der Software-Entwickler SAP auf jeweils 56 Milliarden Euro. Das teuerste Unternehmen an der Börse ist aktuell Apple mit einem Wert von gut 417 Milliarden Dollar.

Die Zeitung berief sich bezüglich ihrer Informationen am Freitag auf eine eingeweihte Person. Die habe auch verraten, dass vermutlich die US-Investmentbank Morgan Stanley den Börsengang federführend begleiten werde. Das wäre ein Coup für das Wall-Street-Haus. Es locken Gebühreneinnahmen in Millionenhöhe und viel Renommee bei einem der größten Börsengänge der Geschichte. Auch der Rivale Goldman Sachs soll eine gewichtige Rolle übernehmen.

Bereits seit längerem wird über einen Börsengang von Facebook im späten Frühjahr spekuliert . In der jüngeren Vergangenheit hatten Internetfirmen wie das berufliche Netzwerk LinkedIn , das Schnäppchenportal Groupon und der Spieleentwickler Zynga ( Farmville ) den Börsengang gewagt. Das war von vielen als Testlauf für Facebook gesehen worden.

Zuckerberg muss Geschäftszahlen offenlegen

Nach früheren Informationen des Wall Street Journal sollen im ersten Schritt Aktien für rund 10 Milliarden Dollar ausgegeben werden. Das wäre je nach Gesamtumfang des Börsengangs etwa ein Zehntel aller Anteile. Der Rest verbliebe bei den Alteignern, darunter der Gründer und Chef Mark Zuckerberg. Ihm gehört ein knappes Viertel von Facebook.

Facebook müsste nach US-amerikanischen Vorschriften vermutlich ohnehin ab April seine Geschäftszahlen offenlegen, da das Unternehmen im vergangenen Jahr mit ziemlicher Sicherheit die Marke von 500 Anteilseignern überschritten hat. Verzichtet Zuckerberg auf einen Börsengang, müsste er sich in die Bücher schauen lassen, ohne zusätzliches Eigenkapital zu beschaffen. Deshalb wurde der Börsengang in diesem Zeitraum erwartet.

Zuckerberg wollte die Kontrolle über sein Unternehmen lange nicht aus der Hand geben und hatte deshalb einen Börsengang so lange wie möglich hinausgezögert. Mit inzwischen rund 800 Millionen Nutzern ist Facebook der unangefochtene Marktführer unter den Online-Netzwerken. Trotz Kritik von Datenschützern und Politikern am Umgang mit Nutzerinformationen wächst das Netzwerk weiter schnell.