EU-Kommission : Transaktionssteuer soll weltweite Finanzgeschäfte treffen

Die Europäische Union forciert ihre Pläne zur Transaktionssteuer. Sie soll gelten, sobald einer der elf Teilnehmerstaaten in einen Handel involviert ist - weltweit.
Die Frankfurter Börse nach dem U.S. Schuldendowngrade am 8. August 2011 (Archivbild). © Ralph Orlowski/Getty Images

Die Pläne für eine europaweite Transaktionssteuer werden konkret: An diesem Donnerstag will die EU-Kommission ihren Gesetzentwurf dazu vorstellen, schon jetzt gibt es erste Berichte über die Details. So rechnen die beteiligten elf Länder um Deutschland und Frankreich durch die Besteuerung von Banken, Versicherungen und Investmentfonds mit jährlichen Einnahmen von rund 34 Milliarden Euro.

Wie die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf das EU-Papier berichtet, schlägt die Kommission eine Mindeststeuer auf Geschäfte mit Derivaten, Aktien und Anleihen vor. Fällig wird die Steuer, wenn ein Käufer oder Verkäufer eines Wertpapiers direkt oder indirekt aus einem der elf Teilnehmerländer kommt.

Damit die Finanzsteuer nicht durch ausländische Ankäufe umgangen werden kann, sollen zudem alle Produkte besteuert werden, die in einem dieser Länder kreiert wurden. Dies bedeutet konkret, dass die Steuer selbst dann erhoben werden soll, wenn etwa eine chinesische Bank einem US-Institut eine deutsche Staatsanleihe verkauft.

Ausgenommen von der Steuer werden etwa neue Staatsanleihen, krisenbedingte Aufkäufe von Wertpapieren durch eine Notenbank oder den Euro-Rettungsfonds ESM. Auch auf Geschäfte der Europäischen Zentralbank soll keine Steuer erhoben werden.

Skepsis ob des Zeitplans

Mit der Steuer soll sich die Finanzbranche an den Folgekosten der Finanzkrise beteiligen. Die Abgabe soll zum 1. Januar 2014 eingeführt werden, allerdings nicht in allen Mitgliedsstaaten der EU. Dazu verpflichtet haben sich bislang nur elf Staaten, allen voran Deutschland und Frankreich, gefolgt von Belgien, Estland, Griechenland, Spanien, Italien, Österreich, Portugal, Slowenien und der Slowakei. Die übrigen 16 Mitgliedsstaaten haben sich noch nicht entschieden oder lehnen sie wie Großbritannien oder Schweden ab.

Noch ist nicht sicher, ob der Zeitplan eingehalten werden kann. Nach Angaben der Süddeutschen verweist die Kommission dabei auf die Bemühungen der Staaten, die dies "bei gutem Willen ohne Schwierigkeiten" schaffen könnten. In Deutschland ist man angesichts des anstehenden Bundestagswahlkampfs aber skeptisch, ob die Termine zu halten sind. Die Zeitung zitiert Regierungskreise, wonach noch "viele Details" geklärt werden müssten.

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Kommentare

44 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Keine einzige echte Wissenschaftliche Studie

zeigt das die Transaktionssteuer schädlich ist. Hier ereht man sich grundsätzlich in "Vielleicht" oder "Könnte sein". Nur klare Aussagen gibt es keine.

Was ihre Annahme, es könnte den falschen treffen betrifft, musste ich doch schon ein wenig lachen, denn wer sollen denn die vielen neuen Geschäftsteilnehmer sein??
Und selbst wenn es neue trifft, so ist es doch auch eine Premisse dieses Gesetzes den ausufernder Handel zu behindern.

Im übrigen wäre es mir auch lieber, wenn die Banken nur mit Eigenkapital zocken könnten. Nur das hat ja die Finanzindustrie rund weg abgelehnt, weil wir dann unser komplettes Geldsystem ändern müssten.

@10 & @16 - Das Verlustrisiko im HF Handel

ist vernachlässigbar. Im Gegenteil, je länger der Zeithorizont der Prognose ist, desto höhere Unsicherheiten (Risiko) muss man einkalkulieren.

Wenn ich im Sekundenbereich handele ist der nächste Kurs nur 1-4 Tics entfernt. Wenn ich im Wochenbereich handele, kann es schon locker in die zweistelligen Prozentbeträge gehen. Auch deshalb ist diese Steuer massiv schädlich, weil sie die Teilnehmer absichtlich in höhere Risiken drängt.

Und das nur, weil die Bürokraten entweder keine Ahnung haben oder aus ideologischen Gründen bzw. der natürlichen Verselbstständigung des Apparates, der immer mehr Geld seiner Bürger einkassieren will, ist es ihnen einfach egal.

Der HF Handel ist schon durch die Regelungen der Bundesregierung effektiv reguliert. Da braucht es nicht noch eine Abzockersteuer, die alle trifft.

@16 Guenni_1: Das ist einfach falsch! Gerade die vielen, nicht ideologisch durchseuchten Studien (wie z.B. die von Schulmeister) zeigen, dass selbst bei einem einzigen Ausweichort der Schaden für die FTS Länder massiv ist. Natürlich dauert der Verlagerungsprozess etwas - aber er ist dafür fast unumkehrbar. Schweden leidet noch heute und ist als "gebranntes Kind" deshalb dagegen.

Es wird kein Ausweichort geben

Die Computertransaktionen leben davon in möglichst viel verschiedenen Orten zu vergleichen. Dämmt man diese ein, hat man sein Ziel schon halb erreicht.

Ich prophezeie das andere Länder noch folgen werden. Dann können die Jungs ihre Methoden in Singapur im Kreis laufen lassen. Nichts wird dabei herauskommen.

Das und nichts anderes haben objektive Studien ausgesagt. Natürlich mit dem Blick auf die Anzahl der Teilnehmer gerichtet.

Im übrigen hatte Schweden niemals eine Transaktionssteuer, sondern eine Börsenumsatzsteuer. Das wollen sie doch nicht allen Ernstes vergleichen oder?

Es geht bei der FTS nicht mehr um die HF Händler

Es ist jeder betroffen, die ganze Realwirtschaft und die Finanzwirtschaft. Der HF Handel ist durch die Gesetzesänderungen schon jetzt effektiv reguliert. Warum also die zusätzliche Abzocke, wenn nicht wegen Ideologie oder simpler Bereicherung? Es ist die unseelige Allianz eines sich verselbstständigenden zentralistischen Bürokratenmolochs EU mit linker staatszentrierter (totalitärer) Ideologie.

Abgesehen davon gibt es schon weit mehr als 70 Plätze und täglich werden es mehr (Vietnam ist dazu gekommen, China hat den elektronischen Handel freigegeben, selbst Skandinavien mischt mit), die das Volumen gerne nehmen. Selbst wenn man gute Argumente gegen HF Handel hat (Orderspam) wird die FTS ihn nicht eindämmen. Lediglich die 11 Länder schädigen sich aus Gier und Ideologie selbst - bzw. ihre Bürger und spielen Sponsor für die Länder die keine FTS einführen werden (USA).

Von welchem Lobbyisten haben Sie diese Möchtegernargumente?

Sie schreiben:"Wenn ich im Sekundenbereich handele ist der nächste Kurs nur 1-4 Tics entfernt. Wenn ich im Wochenbereich handele, kann es schon locker in die zweistelligen Prozentbeträge gehen. Auch deshalb ist diese Steuer massiv schädlich, weil sie die Teilnehmer absichtlich in höhere Risiken drängt."

Bitte was interessiert mich das? Von meiner Lebesnversicherung will ich keine Umschichtungen im Sekundentakt oder gar Millisekundentakt - ich will eine mittel- bis langfirstige Anlagestrategie - auf Jahre. Da stört mich die Transaktionssteuer im Promillebereich nicht.

Das Problem am HF-Handel - und das könnten Sie wissen - ist vornehmlich, dass Fundamentaldaten wegen des kurzen Zeithorizonts völlig irrelevant sind. Dadurch werden auch Blasen und Verwerfungen ezreugt die Allen schaden ausser den Verursachern. Der Volkswirtschaftliche Nutzen von HF-Handel ist deutlich negativ. Was das betrifft ist bereits Daytrading schädlich.

PS: ich find es unredlich, Argumente anzubringen die gut klingen (sollen) aber sachlich falsch sind. Das ist diese ..... angelsächsiche Debatingkultur - was dem Auditorium gefällt wird gebracht -egal wie unangebracht.

Gruß

immernochnaiv

@27 immernochnaiv - HF Handel

ich bin kein uneingeschränkter Befürworter des HF Handels. Aber nur aus einem Grund, nämlich dem systemisch überhand nehmenden Orderspam, der den realen Handel behindert und die Technik überfordert.

Positiv und sehr wichtig ist die Funktion des HF Handels als so genannter Liquidity provider, die sogar von den Börsen noch honoriert wird. Dieser glättet und macht Märkte attraktiv.

Insgesamt ist der HF Handel aber durch eine Vielzahl neuer gesetzlicher Regeln, wie Mindesthaltedauer, Verbot exzessiver OCO Order etc., sehr gut "gezähmt, so dass es in keinem Fall einer zusätzlichen Abzocksteuer bedarf.

Und Ihr Wunsch ist außerordentlich widersprüchlich, denn sie wollen als "sichere" Anlage die am schwersten zu prognostizierenden Zeithorizonte. Würde eine Versicherung im Noisebereich traden (was diese mangels Kenntnissen und Gesetzen nicht machen), hätten Sie wahrscheinlich eine doppelt so hohe Garantieausschüttung mit wesentlich weniger Risiko als bei einer Anlage in Staatsanleihen maroder Versorgungsstaaten.

Auch erzeugt der HF Handel nicht mehr und nicht weniger "Blasen" wie es der normale Handel, auch auf Fundamentaldaten basierend, aufweist. Hier werden Einzelereignisse generalisiert und die Unkenntnis es Publikums von Ideologen missbraucht

Handel aufgrund Informatio nder dritten Art schadet

Beim HF-Handel kommt es zu Verwerfungen. Das hat schon immer stattgefunden.
Entscheidungen aufgrund Information/Annahmen der dritten Art erzeugen (nicht zwingend aber immer wieder) Spekulationsblasen. Das ist die Gemeinsamkeit aller Spekulationblasen. Natürlich entscheiden HF-Trader-Systeme aufgrund Info 3. Art. Fundamentaldaten ändern sich nicht in Mikrosekunden, eher in Wochen und Jahren. Die von Ihnen angeführte achso wertvolle Liquditätsbereitstellung hat Maße jenseits alles Sinvollen erreicht. BSp Devisenhandel: Die Umsatzvolumina die ja "eigentlich" auf internationalem Güterhandel basieren sind hundertfach höher als dieser Güterhandel (Bankeneigenhandel und sonstige Institutionelle). Das waren die Zahlenverhältnisse als der Handel noch auschlieslich von Menschen getätigt wurde. Wieviel noch mehr Liquität soll denn noch viel besser machen? Ich sach nur "abnehmender Grenznutzen". Ich kann im HF keinen Nuzen für die Allgmeinheit erkennen.

Gruß

immernochnaiv

@30 immernochnaiv - HF Handelsfacts

Bei jedem Handel kommt es von Zeit zu Zeit zu "Verwerfungen". Das liegt in der Natur des Handels und in der Definition von "Verwerfung".

Deshalb, als was bezeichnen Sie als eine "Verwerfung"?

Und warum ist sie schädlich und nicht so bereinigend wie ein Gewitter ein Übermass an Spannung abbaut????

Der Begriff der "Information der 3. Art" sagt mir nichts.

Fundamentaldaten haben in der Regel einen erheblichen Nachlauf, d.h. es sind meist gar keine aktuellen Daten verfügbar. Dann postuliert die Analyse, basierend auf Fundamentaldaten einen wie auch immer gearteten inneren Wert.

Schließlich wird jede Prognose umso unsicherer, je weiter sie in die Zukunft reicht.

Im Gegensatz dazu haben sie im Millisekundenbereich nur ein paar, idR drei (1 Tic höher, gleich oder 1 Tic niedriger) diskrete Zustände die Ihr Kurs demnächst annehmen kann. Sie haben daher eine wesentlich höhere Eintrittswahrscheinlichkeit, eine wesentlich einfachere Prognose und im Fehlerfall einen wesentlich geringeren Verlust. Oder aber sie nutzen einfach Arbitragemöglichkeiten zwischen unterschiedlichen Plattformen oder Pattern der gleichen oder unterschiedlicher Zeitreihen.

Allein der Orderspam um die Kurse zu beeinflußen, war schädlich und ist in Zukunft als Manipulation verboten.

Und zu guter Letzt: Gerade der Devisenhandel wird nicht mit Steuer belastet