Die britische Regierung bringt die staatliche Post an die Börse. Wirtschaftsminister Vince Cable sagte, eine erste Ausschreibung für die Royal Mail solle in den kommenden Wochen veröffentlicht werden. Wie hoch der Anteil der veräußerten Aktien sein wird, sei noch nicht klar, es werde sich aber um eine Mehrheit handeln.

Der Kauf der Anteile wird für private und institutionelle Investoren geöffnet. Die Mindestinvestition soll bei 750 Pfund, umgerechnet etwa 900 Euro, liegen. Zehn Prozent der Aktien, die auf einen Gesamtwert von rund drei Milliarden Pfund geschätzt werden, gehen an die 160.000 Beschäftigten.

Mit der Privatisierung sichere die Regierung die Zukunft der Royal Mail, sagte Cable. Man stelle sicher, dass die Post weiterhin sechs Tage die Woche und zu stabilen Preisen versendet werden könne.

Gewerkschafter planen landesweiten Streik

Die für die Post zuständige Gewerkschaft CWU drohte für den 10. Oktober mit einem landesweiten Streik. Ob es dazu kommt, sollen die Mitglieder in einer Abstimmung entscheiden. 96 Prozent der Beschäftigten seien dagegen, den Betrieb an die Börse zu bringen, sagte Generalsekretär Bill Hayes dem Guardian. Die Gewerkschaft befürchtet durch die Privatisierung Lohnkürzungen und Stellenstreichungen. 

Die Ursprünge der Royal Mail reichen ins 16. Jahrhundert zurück. Von der Liberalisierungspolitik der ehemaligen Premierministerin Margaret Thatcher in den 1980er Jahren war die Post nicht betroffen. Sie sei nicht bereit, den Kopf der Königin zu privatisieren, sagte Thatcher damals. In den vergangenen 19 Jahren hat Großbritannien aber bereits drei erfolglose Versuche unternommen, das Unternehmen zu privatisieren.