Strahlende Zukunft oder Bedeutungsverlust: Der Börsenstandort Frankfurt © DANIEL ROLAND/AFP/Getty Images

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange haben heute offiziell ihre Pläne für eine Fusion präsentiert. Sollten Aktionäre, Finanzaufseher und Kartellbehörden zustimmen, entsteht damit der nach Erlösen größte Börsenbetreiber der Welt. Die zwei Unternehmen würden sich in vielen Bereichen ergänzen: Ihre Kunden – Anleger, Unternehmen, Finanzhäuser – bekommen Zugang zu mehr Märkten, mehr Produkten, und sie können auf geringere Kosten hoffen. Das Management erwartet Einsparungen von 450 Millionen Euro jährlich und eine stärkere Position gegenüber anderen Wettbewerbern. Das sind inzwischen weniger die Börsen Europas, sondern jene in Amerika oder Asien. Um den Jahreswechsel herum soll der Deal perfekt sein.

Noch fehlen starke Argumente

Alles geritzt, also? Nicht ganz. Aus Sicht der zwei privaten Konzerne, die selbst an der Börse notiert sind, ergibt ein Zusammenschluss zwar erkennbar Sinn. Auch aus europäischer Perspektive, in der eine starke, unabhängige Börse und ein besser funktionierender Kapitalmarkt wünschenswert sind, scheint die Fusion nachvollziehbar. Aus deutscher Sicht aber fehlen noch immer starke Argumente, wie der Plan auch dem Finanzplatz Frankfurt nutzen soll. In diesem Punkt überzeugen die Erklärungen von Carsten Kengeter, dem elanvollen Chef der Deutschen Börse, noch immer nicht.

Die bisher namenlose Holding des neuen Konzerns wird in London angesiedelt sein, und das obwohl die Deutsche Börse der größere Partner ist. Seit dies Ende Februar bekannt wurde, machen sich etliche deutsche Politiker, Banker und Ökonomen Sorgen, dass das Prestige, die Jobs und langfristig auch das Geschäft vom Main an die Themse abwandern. Carsten Kengeter hat sein Vorhaben daher in den vergangenen Wochen als großes europäisches Projekt verkauft und mehrfach beteuert, dass Frankfurt ihm sehr am Herzen liege. Die Diskussion werde sich "deutlich verändern", wenn einmal alle Fakten auf dem Tisch lägen, sagte er. Nun aber liegen alle Fakten auf dem Tisch – und es bleibt weiter vage, was das Ganze Frankfurt bringt.