Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal bereits das dritte Mal in Folge gewachsen, und das vor dem Hintergrund politischer Unsicherheiten wie dem Amtsantritt Donald Trumps oder des EU-Austrittsgesuchs Großbritanniens. Die Deutschen haben Anfang 2017 mehr investiert, gekauft und exportiert als im Vorjahr.

Tatsächlich profitieren Deutschlands Unternehmen von der Erholung der Weltwirtschaft und dem schwachen Euro. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts war Ende 2016 das Bundesinlandsprodukt um 0,4 Prozent gewachsen. Anfang diesen Jahres waren es noch mal 0,6 Prozent mehr. Zudem meldeten die deutschen Amtsgerichte im Februar 2017 13,6 Prozent weniger Unternehmensinsolvenzen als im Februar 2016.

"Stimmungsindikatoren deuten auch für die kommenden Monate auf ein anhaltendes Wachstum hin", sagte Ulrike Kastens vom Bankhaus Sal. Oppenheim. "Konsum, Bau und auch der Außenhandel, der von der Belebung der Weltkonjunktur profitiert, laufen weiter. Es wird ein gutes Jahr für die deutsche Wirtschaft." Angesichts der wirtschaftspolitischen Unsicherheit stehe aber ein Fragezeichen dahinter, ob dies dauerhaft sein kann.

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Gründe für die positive Konjunktur sind laut des jüngsten Monatsberichts der Bundesbank die günstige Lage auf dem Arbeitsmarkt und niedrige Zinsen. Außerdem sind nach vorläufigen Berechnungen die Exporte stärker gestiegen als die Importe, was sich positiv auf das Wachstum auswirkt. Im März gab es so hohe Ausfuhren wie seit 1950 nicht mehr.

Konsumforscher haben zudem ermittelt, dass Verbraucher sich in einer Aufschwungphase sehen. Das stärke die Kauflust. Private Haushalte hatten ihre Konsumausgaben leicht erhöht, Unternehmen mehr Maschinen und Ausrüstung gekauft und der Staat in die Unterbringung und Versorgung von Hunderttausenden Geflüchteten investiert. Auch die Investitionen in Bauten sind durch das milde Wetter gestiegen.

Europas größte Volkswirtschaft wuchs damit etwas stärker als der Euroraum insgesamt. Ökonomen gehen von einem weiteren, robusten Wachstum auf. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute und die Bundesregierung erwarten 2017 einen Anstieg des BIP um 1,5 Prozent. Das wäre zwar im Vergleich zum Vorjahr weniger, allerdings gibt es in diesem Jahr mehr Feiertage.

Das Statistische Bundesamt hat am Freitag ebenfalls Zahlen zur Inflationsrate veröffentlicht. Die Inflation sei gemessen am Verbraucherpreisindex im April um 2,0 Prozent angestiegen. Hintergrund sind die vielen Pauschalreisen durch die vergleichsweise frühen Ferien sowie die Preisentwicklungen im Energiesektor. Besonders Mineralölprodukte wie Heizöl und Benzin wurden teurer. Für die restlichen Haushaltsenergiequellen zeichnet sich dagegen keine klare Entwicklung ab. Strom verteuerte sich zum Beispiel um 1,1 Prozent, während Gas um 3,4 Prozent günstiger wurde. Auch Nahrungsmittel wurden teurer, insbesondere Speisefette und Speiseöle. Auch Molkereiprodukte, Fisch und Fischwaren kosteten mehr als im Vorjahr. 

Billiger wurden dagegen Geräte der Unterhaltungselektronik (- 4,9 %) sowie Dienstleistungen sozialer Einrichtungen (- 6,6 %). Die Preissenkungen bei letzteren sind laut Bericht auf die Umsetzung des Pflegestärkungsgesetzes II zurückzuführen. Damit haben sich für gesetzlich Versicherte die Eigenanteile bei Pflegeleistungen gesenkt, insbesondere in der ambulanten Pflege.