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Live-Dossier Volkswagen

Der Abgasskandal

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VW hat bei elf Millionen Dieselautos den Motor manipuliert und niedrigere Abgaswerte vorgegaukelt. Der Skandal kostet den Konzern Milliarden. Die Ereignisse im Überblick

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Der aktuelle Stand:

  • Der Volkswagen-Konzern hat jahrelang Dieselfahrzeuge mit einer Software so verändert, dass sie nur auf dem Prüfstand die Abgasgrenzwerte einhalten, auf der Straße aber erheblich mehr Schadstoffe ausstoßen. Die Manipulation flog im September 2015 in den USA auf. VW-Vorstandschef Martin Winterkorn trat wegen des Skandals am 23. September 2015 zurück. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt in der Affäre gegen einige VW-Mitarbeiter, auch gegen Winterkorn.
  • Weltweit sind etwa elf Millionen Fahrzeuge betroffen. Die meisten davon fahren in Europa, darunter mehr als zwei Millionen in Deutschland. Seit Januar 2016 ruft VW in Deutschland nach und nach die betroffenen Autos in die Werkstätten zurück.
  • Am 28. Juni 2016 einigte sich VW mit den US-Behörden auf einen Vergleich im Umfang von umgerechnet rund 13,3 Milliarden Euro, um Kunden zu entschädigen. Außerdem fließt Geld in Umweltfonds. Für die Kosten des Skandals hatte Volkswagen in der Jahresbilanz 2015 Rückstellungen von 16,2 Milliarden Euro gebildet.
  • Anfang August 2016 kündigte das Land Bayern eine Klage gegen VW an: Es gehe um Aktienkursverluste, die dem bayerischen Pensionsfonds entstanden seien. Auch andere Fonds, etwa der norwegische Staatsfonds, haben VW aus diesem Grund verklagt.
  • Für die interne Aufklärung des Skandals hat Volkswagen die US-Kanzlei Jones Day beauftragt. Mit einem Schlussbericht rechnet der Autobauer erst Ende 2016.
25.08.16

Volkswagen will nach eigenen Angaben seinen Händlern in den USA für die Folgen des Abgasskandals eine Entschädigung zahlen. Die Details stehen laut der amerikanischen VW-Tochter noch nicht fest, sollen aber bis Ende September herausgearbeitet sein. Die Einigung muss laut VW dann allerdings noch von einem zuständigen Gericht genehmigt werden. mehr lesen

16.08.16

VW droht in den USA ein teures Strafverfahren

Laut einem Zeitungsbericht haben US-Ermittler Belege für "kriminelles Fehlverhalten" von Volkswagen bei den Abgasmanipulationen. Auf das Unternehmen könnten weitere hohe Geldstrafen zukommen. mehr lesen

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08.08.16

Diesel-Lkw sind längst sauber – warum dann nicht auch die Pkw? Für den Abgasexperten Peter Mock ist die Antwort simpel: Die Politik hat daran kein rechtes Interesse. mehr lesen

05.08.16

Dass die realen Abgaswerte viel höher sind als im Labor, weiß die Regierung seit Langem. Der Trick, mit dem VW aufflog, war in der EU-Kommission schon 2014 Thema. mehr lesen

02.08.16

Bayern verklagt Volkswagen

Das Bundesland fordert für seinen Pensionsfonds bis zu 700.000 Euro Schadensersatz. Hintergrund sind die Kursverluste der VW-Aktie nach Bekanntwerden der Dieselmanipulationen. Bayern wirft, wie andere Anleger, dem Unternehmen vor, die Öffentlichkeit zu spät über den Skandal informiert zu haben. mehr lesen

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02.08.16

Volkswagen bekommt in Asien neue Probleme. Die südkoreanische Regierung wirft VW Dokumentenfälschung vor, entzieht zehntausenden Fahrzeugen die Zulassung und stoppt den Verkauf vieler Automodelle. mehr lesen

29.07.16

Der Bundesstaat Washington hat gegen Volkswagen eine Strafe von 176 Millionen Dollar wegen Verletzung der Umweltgesetze verhängt. In mehreren Bundesstaaten laufen derzeit weitere Klagen. Erst Ende Juni hatte sich VW in der Dieselaffäre mit 44 US-Bundesstaaten auf einen milliardenschweren Vergleich geeignet.  mehr lesen

26.07.16

Gericht genehmigt Milliarden-Vergleich in den USA

VW macht einen großen Schritt bei der Bewältigung der Abgas-Affäre: Ein Gericht hat dem milliardenschweren Vergleich zur Beilegung Hunderter Zivilklagen seine vorläufige Zustimmung gegeben. Die Kläger müssen dem Vergleich aber noch endgültig zustimmen. mehr lesen

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03.07.16

VW-Chef Matthias Müller lehnt eine Entschädigung der vom Dieselskandal betroffenen europäischen Kunden ab – anders als die der US-Kunden. In den USA sei die Sachlage anders, sagt Müller in einem Interview. Außerdem: Entschädigungen für europäische Kunden würden Volkswagen überfordern. mehr lesen

28.06.16

VW zu Zahlung von 14,7 Milliarden Dollar in USA bereit

Im Abgasskandal hat Volkswagen sich in den USA mit den Behörden auf eine Zahlung von 14,7 Milliarden Dollar (rund 13,3 Milliarden Euro) geeinigt. Gut zehn Milliarden Dollar sind für den Rückkauf manipulierter Dieselautos vorgesehen, weitere fast fünf Milliarden Dollar soll VW in zwei Umweltfonds einzahlen. mehr lesen

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22.06.16

Die Mehrheit der Volkswagen-Aktionäre hat Martin Winterkorn und Hans Dieter Pötsch entlastet – das Land Niedersachsen als Großaktionär verweigerte aber eine komplette Entlastung. Auf der Hauptversammlung gab es viel Kritik für Vorstand und Aufsichtsrat. mehr lesen

20.06.16

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ex-Konzernchef Winterkorn

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat Ermittlungen gegen Martin Winterkorn, den früheren Vorstandsvorsitzenden von Volkswagen, aufgenommen. Auch gegen eine weitere Person werde ermittelt, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die beiden hätten bewusst Informationen über die manipulierten Abgaswerte zurückgehalten, um den Wert der VW-Aktien nicht einbrechen zu lassen. mehr lesen

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09.06.16

VW wollte die Abgasmanipulation offenbar vertuschen

Bevor die Abgasaffäre bei Volkswagen öffentlich wurde, ist Medienberichten zufolge offenbar versucht worden, möglicherweise belastende Dokumente zu beseitigen. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig habe bestätigt, dass ein Ermittlungsverfahren gegen einen VW-Mitarbeiter wegen Urkundenunterdrückung und versuchter Strafvereitelung eröffnet worden sei. mehr lesen

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15.05.16

Der norwegische Staatsfonds will wegen der Abgasmanipulationen gegen Volkswagen vor Gericht ziehen. Der Staatsfonds ist der viertgrößte Aktionär bei VW und hatte Einbußen erlitten, weil nach Bekanntwerden des Abgasskandals der VW-Aktienkurs fiel. mehr lesen

23.04.16

Linke vermuten Absprachen zwischen Dobrindt und Autoindustrie

Der geplante Untersuchungsausschuss im Bundestag soll klären, ob Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) Untersuchungsergebnisse zu Abgaswerten später veröffentlichte, um den Autoherstellern Zeit zu geben. mehr lesen

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22.04.16

VW schreibt für 2015 Milliardenverlust

Wegen des Abgasskandals legt der Volkswagen-Konzern mehr als 16 Milliarden Euro zurück. Dadurch verbucht das Unternehmen für das vergangene Jahr einen operativen Verlust von 4,1 Milliarden Euro.  mehr lesen

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13.04.16

In der VW-Führung wird über die Auszahlung von Boni an den Vorstand gestritten. Nach Angaben aus Konzernkreisen ist das oberste Management zwar bereit, die erfolgsabhängigen Bezüge um mindestens ein Drittel zu kürzen. Das Land Niedersachsen als zweitgrößter VW-Aktionär strebt dagegen einen Komplettverzicht auf die Boni an. mehr lesen

14.03.16

In einer Sammelklage verlangen Großanleger von Volkswagen Schadensersatz in Milliardenhöhe. Es ist nicht die erste, aber womöglich die höchste Klage seit Bekanntwerden der Abgasmanipulationen bei Dieselfahrzeugen. mehr lesen

10.03.16

US-Chef von VW tritt zurück

Sechs Monate nach Beginn der Abgasaffäre räumt Michael Horn seinen Posten als Volkswagen-Chef in den USA. Die Ermittlungen gegen den Konzern wurden kürzlich ausgeweitet. mehr lesen

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07.03.16

Konzernvorstand verheimlichte Abgasmanipulation

Eine Stellungnahme des VW-Konzerns für das Landgericht Braunschweig zeigt: Der Vorstand wusste schon Wochen vor Bekanntwerden der Abgasmanipulation von dem Betrug. Die Führungsspitze setzte aber auf Geheimhaltung und hoffte, sich in Verhandlungen mit den US-Behörden auf eine Strafzahlung einigen zu können. mehr lesen

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28.01.16

Was Betroffene über den VW-Rückruf wissen sollten

VW hat mit dem Rückruf von Autos mit manipuliertem Dieselmotor begonnen. In den kommenden Monaten sollen mehr als zwei Millionen Fahrzeuge in Deutschland ein Software-Update und zum Teil auch ein technisches Bauteil erhalten, um die Manipulation zu beheben. Ein FAQ zur Rückruf-Aktion. mehr lesen

22.01.16

Viele VW-Führungskräfte waren offenbar Mitwisser

Viele VW-Führungskräfte in der Motorenentwicklung sollen von den Manipulationen bei Dieselantrieben gewusst haben. Das behauptet Berichten zufolge zumindest ein Kronzeuge. mehr lesen

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13.01.16

VW-Chef Müller reist vergeblich in die USA, um die Krise um manipulierte Dieselautos zu lösen. Ein Gespräch mit der Chefin der Umweltbehörde ist kurz und endet ergebnislos, und in einem missratenen Interview blitzt die Arroganz deutscher Ingenieure wieder auf. Ein Kommentar von Dietmar H. Lamparter. mehr lesen

04.01.16

US-Regierung verklagt VW wegen Abgasmanipulation

Das US-Justizministerium hat wegen des Abgasskandals eine Klage gegen Volkswagen eingereicht. Dem deutschen Autobauer werde ein Verstoß gegen das Luftreinheitsgesetz zur Last gelegt, teilte das Ministerium mit. Dem Konzern droht eine Milliardenstrafe. mehr lesen

25.11.15

Ein Software-Update und ein Bauteil sollen helfen

VW präsentiert für den deutschen Markt eine Lösung: ein Software-Update und ein Luftgleitgitter für etwa zehn Euro sollen bereits Abhilfe schaffen. mehr lesen

15.10.15

Kraftfahrtbundesamt ordnet Rückruf an

Das Kraftfahrtbundesamt ordnet den Rückruf von 2,4 Millionen Volkswagen-Fahrzeugen in die Werkstätten an. Es ist damit nicht mehr allein den Fahrzeughaltern überlassen, ob sie das Angebot von Volkswagen zur Nachbesserung annehmen oder nicht.  mehr lesen

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25.09.15

Porsche-Chef übernimmt Vorstandsvorsitz bei Volkswagen

Der VW-Aufsichtsrat hat den Favoriten gewählt: Matthias Müller (62), seit 2010 Chef beim Sportwagenhersteller Porsche, wird Vorstandsvorsitzender des Volkswagen-Konzerns in Wolfsburg. Er folgt Martin Winterkorn, der zwei Tage vorher zurückgetreten ist. mehr lesen

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25.09.15

Von den Abgas-Manipulationen von Volkswagen sind in Deutschland 2,8 Millionen Fahrzeuge betroffen. Nach aktueller Kenntnis seien das Fahrzeuge mit 1,6- und 2,0-Liter-Dieselmotoren, sagt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. mehr lesen

23.09.15

VW-Chef Martin Winterkorn tritt zurück

Martin Winterkorn zieht die Konsequenzen aus der Abgas-Affäre bei Volkswagen. Als Vorstandsvorsitzender übernimmt er die Verantwortung für die Manipulationen bei Dieselmotoren. Seit Januar 2007 war er Konzernchef. mehr lesen

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23.09.15

Autos sind rollende Computer. Die Software der Dieselmodelle war so geschrieben, dass sie die Systeme im Test umstellte – ohne dass dies dokumentiert wurde. So wurden die Abgaswerte im Tests niedrig gehalten.  mehr lesen

22.09.15

VW-Chef Martin Winterkorn bittet per Video um Entschuldigung und verspricht rasche und transparente Aufklärung im Diesel-Skandal. "Die Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren unseres Konzerns widersprechen allem, für was Volkswagen steht", sagt Winterkorn. mehr lesen

22.09.15

Abgas-Manipulation betrifft elf Millionen Autos

Die Affäre um Manipulationen bei Abgasmessungen in den USA veranlasst VW zu einer Gewinnwarnung. Im dritten Quartal werden rund 6,5 Milliarden Euro ergebniswirksam zurückgestellt. Zugleich räumt der Konzern ein, dass das Problem nicht auf die USA begrenzt ist: Weltweit seien etwa elf Millionen Fahrzeuge betroffen. mehr lesen

20.09.15

Volkswagen gibt Abgas-Manipulation zu

Volkswagen gibt Abgas-Manipulationen im großen Ausmaß in den USA zu. Der Vorwurf der US-Umweltschutzbehörde EPA treffe zu, man arbeite mit der Behörde zusammen. VW-Chef Martin Winterkorn kündigt eine externe Untersuchung an. mehr lesen

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18.09.15

VW muss 500.000 Autos zurückrufen

Volkswagen muss die Software von 482.000 Autos in den USA überarbeiten und dafür die Fahrzeuge zurückrufen. Die US-Umweltbehörde Epa wirft dem Autohersteller vor, mit seiner Software bewusst Abgasgrenzwerte umgangen zu haben. mehr lesen

Frühere Ereignisse:

  • Im Sommer 2007 führt Volkswagen einen neuen Dieselmotor mit der Typbezeichnung EA 189 in Europa und später in den USA ein. Dort gilt der Dieselantrieb als schmutzig. Um ihn den Amerikanern schmackhaft zu machen, wird der neue Motor als "Clean Diesel" beworben.
  • VW verzichtet auf die aufwändige Stickoxid-Reinigung mittels Harnstoffeinspritzung und setzt einfachere NOx-Speicherkatalysatoren ein. Diese genügen offenbar nicht, um die amerikanischen Stickoxid-Grenzwerte, die niedriger sind als die europäischen, zu erfüllen. Nun beginnt man, mit der Motorsteuerungssoftware zu tricksen. Ungeklärt ist, wer diesen Betrug in Auftrag gab oder davon wusste.
  • Im Mai 2014 stellt das International Council on Clean Transportation (ICCT) fest, dass ein US-Jetta und ein US-Passat auf der Straße um ein Vielfaches höhere Stickoxidwerte aufweist als im Labor – anders als ein ebenfalls gemessener BMW X5. Belege für Manipulation hat die Non-Profit-Organisation allerdings nicht. Sie informiert die US-Umweltbehörde EPA und die kalifornische Luftreinheitsbehörde Carb.
  • Die Behörden fordern von VW eine Erklärung. Der Konzern beruft sich auf einen Softwarefehler und ruft in den USA im Dezember 2014 etwa eine halbe Million Fahrzeuge mit dem Dieselmotor EA 189 zurück, um nach eigenen Angaben mit einem Software-Update das Abgasproblem zu beheben.
  • Im Mai 2015 misst Carb noch einmal nach: Die Abgaswerte auf der Straße sind immer noch viel zu hoch. Carb testet VW-Fahrzeuge zudem in einem abgewandelten Fahrzyklus, in dem die Autos ebenfalls die Grenzwerte überschreiten.
  • Im Juli 2015 informieren die Behörden VW über die Ergebnisse des Nachtests und verlangen vom Unternehmen eine Erklärung. Andernfalls könne man den Modellen des Baujahrs 2016 keine Zulassung erteilen.
  • Angesichts dieser Drohung gesteht VW am 3. September 2015 gegenüber Carb und EPA ein, dass die Dieselfahrzeuge mit einer Abschalteinrichtung versehen sind, die die Abgaskontrolle des Fahrzeugs umgehen. Am 18. September fordert Carb in einem Brief an VW of America eine Korrektur der betroffenen Fahrzeuge.