Es gibt auch gute Banker: Ernst Kronawitter zum Beispiel. Der 57-Jährige ist Vorstand der Raiffeisenbank Ichenhausen, gelegen in der bayrisch-schwäbischen Provinz zwischen Memmingen, Augsburg und Ulm. Er will eine Bank, die besser ist als die anderen. Nicht profitabler. Aber fairer im Umgang mit Kunden und Mitarbeitern.

Ichenhausen ist ein kleines Städtchen. Etwa 5200 Menschen leben hier, knapp 3700 weitere in den umliegenden Ortsteilen Autenried, Deubach, Hochwang, Oxenbronn und Rieden an der Kötz. Drumherum wellen sich grüne Hügel, ein Flickenteppich aus Feldern und ein wenig Wald, dazwischen Dörfer, aus denen zwiebelige Kirchtürme ragen. Trecker kreuzen den Weg, aus den Gärten leuchten Sonnenblumen, Kürbisse, Tomaten und Laken auf der Leine. Auf Plakaten beschwören CSU und SPD Heimatliebe.

Die Idylle ist nicht ganz krisenfest. Zwar steht die Region im Rezessionssommer 2009 viel besser da als der Rest der Republik. Im Kreis Günzburg, zu dem Ichenhausen gehört, beträgt die Arbeitslosenquote 4,1 Prozent. Das liegt unter dem bayrischen Durchschnitt von 4,9 Prozent und ist gerade einmal halb so hoch wie in Deutschland insgesamt. Doch so mancher Ichenhausener wurde von seinem Betrieb auf Kurzarbeit gesetzt und musste herbe Lohneinbußen hinnehmen. Auch den Einzelhändlern geht es nicht gut: Zahlreiche Läden entlang der Hauptstraße stehen leer, Putz blättert von ihren Wänden.

In der Raiffeisenbank aber trifft man glückliche Banker. "Wir sind einzigartig", schwärmt Kundenberaterin Christa Eisele. "Man wird positiv unterstützt, selbst die Türen des Vorstandsbüros sind immer offen. Es ist ein persönliches Aufbauen, ein Miteinander, auch mit den Kunden." Seit fünf Jahren fährt sie täglich fast 150 Kilometer, um in Ichenhausen zu arbeiten, obwohl sie vor ihrem Wechsel als Bezirksleiterin einer Bausparkasse Karriere gemacht hatte und zunächst zurückstecken musste.

"Ich hab meinen Traumjob verwirklicht, immer am Markt", sagt Prokurist Georg Seitz. Seit 37 Jahren arbeitet er für die Raiffeisenbank: "Mir macht's Schaffe Riesenspaß." Für seine Kunden will Seitz ein Partner sein, nicht bloß der Vermögensberater. "Man hilft einander. Es ist ein Vorteil, wenn man die Kunden so gut kennt wie wir hier. Ich frage mich immer, ob ich eine Anlage-Entscheidung auch so für mich treffen würde. Nur wenn ich ehrlich bin, kann ich auch erfolgreich sein."

Die Raiffeisenbank Ichenhausen – Bilanzsumme 221 Millionen Euro, mehr als 11.000 Kunden, die meisten davon Privatleute, die Hälfte über 40 Jahre alt – betreibt vor allem das klassische Bankgeschäft: Sie sammelt Gelder ein, legt sie an und vergibt Kredite. Neben den üblichen Genossenschaftsprodukten (Girokonto, Sparbuch, Riesterrente, Bausparvertrag) bietet sie ihren Kunden rund 5000 Fonds anderer Gesellschaften zur Auswahl. Im Moment ist Gold der Renner.

Renditejäger sind hier nicht unbedingt gut aufgehoben. Für Spareinlagen zahlt die Raiffeisenbank niedrigere Zinsen als manche Direktbank. "Aber deren besonders hohe Zinsen sind ja auch nicht realistisch. Das hat Kaupthing gezeigt", sagt Vorstand Kronawitter. Dennoch ließen sich die Anleger von solchen Konditionen locken. Während noch im Herbst 2008 viele Anleger in die Sicherheit der Genossenschaftsbanken flüchteten, sei der Risikoappetit im neuen Jahr schon wieder gestiegen, sagt er.