Unternehmensanleihen Bald platzt die Blase
Die Nachfrage nach Unternehmensanleihen ist in den vergangenen Monaten rasant gestiegen. Doch jetzt droht der Markt zusammenzubrechen. Immer mehr Unternehmen können die Wertpapiere nicht bedienen.
© KATJA LENZ/AFP/Getty Images

Der hohe Gewinn der Deutschen Bank im ersten Quartal beruhte vor allem auf dem florierenden Handel mit Unternehmensanleihen. Doch in dem Geschäftssegment droht inzwischen eine Blase zu platzen, schreibt unser Kolumnist Conrad Mattern
Auf den ersten Blick überwiegen die positiven Meldungen: Die Wirtschaftsdaten in den USA haben sich verbessert. Die Rezession scheint beendet, die Konjunktur zieht seit einigen Wochen wieder zaghaft an.
Der Trend hat dazu geführt, dass Unternehmensanleihen sich in den vergangenen Monaten still und leise zum großen Portfoliorenner gemausert haben. Unternehmen geben hierbei Schuldverschreibungen an private und institutionelle Investoren aus und erhalten im Gegenzug frisches Geld von den Anlegern.
Die verbrieften Wertpapiere haben sogar die bereits leicht steigenden Rentenmärkte überflügelt. Durch den Aufschwung hat sich der Spread, also die Differenz zwischen Staatsanleihen und Unternehmensanleihen, langsam wieder auf dem Niveau vor der Finanzmarktkrise eingependelt.
Das ist interessant, denn die Zinsunterschiede sind ein Ausdruck für das Risikoempfinden der Anleger. Allgemein gelten Staatsanleihen als eine nahezu risikofreie Anlageform. Während der Finanzmarktkrise hatte sich der Spread zwischen Staats- und Unternehmensanleihen stark ausgeweitet, weil unklar war, welche Unternehmen tatsächlich in der Krise stecken. Seitdem die Wahrscheinlichkeit eines "finanziellen Armageddons" deutlich zurückgeht, hat sich der Zinsunterschied normalisiert. Ein Zeichen, dass die Anleger wieder bereit sind, ein größeres Risiko einzugehen.
Das könnte jetzt zum Problem werden. Denn während es bei Staatsanleihen nur äußerst selten zu Zahlungsausfällen kommt, ist das bei Unternehmensanleihen keine Seltenheit. Nach Angaben der Ratingagentur Standard & Poor’s gab es in diesem Jahr allein bereits 228 Zahlungsausfälle bei Unternehmensanleihen. Ein Jahr zuvor waren es lediglich 67 Pleiten. In Europa hat sich der Anteil der Unternehmen, die zahlungsunfähig wurden, von 6,4 Prozent auf 9,3 Prozent erhöht.
Entsprechend sind die Kurse ins Bodenlose gefallen. Doch trotz steigender Ausfallraten nimmt die Nachfrage nach Unternehmensanleihen stark zu. Die Prognosen der Ratingagenturen gehen sogar davon aus, dass der Höhepunkt noch nicht erreicht ist.
Wann wird diese Blase platzen? Wahrscheinlich wird es nicht mehr lange dauern. Spätestens wenn die Rentenmärkte für Staatsanleihen drehen und anziehen, werden die Märkte für Unternehmensanleihen darunter leiden. Dann zeigt sich, dass Anleger am Ende doch risikoscheuer investieren als oftmals vermutet – und dass sich die Gier der Investoren nicht immer durchsetzt.
Conrad Mattern ist Vorstand der Conquest Investment Advisory AG und Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians-Universität, München. Auf ZEIT ONLINE beleuchtet er immer zum Wochenbeginn die aktuelle Entwicklung an den Finanzmärkten.
- Datum 12.10.2009 - 11:51 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 5
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Offensichtlich gilt nach wie vor der Grundsatz:
Verkauft wird, was der Bank Gewinn bringt und was weg muss.
Was der beratene (eher verratene) zahlende Kunde davon hat, interessiert wie auch anderswo, keine Sau.
Leider hat ja die Deutsche Bank ihre (nachrangigen) 10%er nur an Ihre Freunde in der Versicherungsbranche ausgeteilt - wohl als kleine Wiedergutmachung. Wohl wissend, dass Anleihen der Deutschen Bank dank der Deutschen Bundesregierung so nachrangig sein können wie sie wollen - die Regierung wird für die Deutsche Bank dafür einstehen. Damit ist der Zinsatz eben nicht dem Risiko geschuldet, sondern eher ein Geschenk.
Was hat das mit den Banken zu tun? Unternehmensanleihen werden nicht nur von den Banken ausgegeben. Mit Investoren und Gier sind wohl auch nicht nur die Banken gemeint, sondern wir alle, die wir Aktien besitzen, den höchsten Zinssatz bei Tagesgeld suchen usw.
Diese kenntnislosen Bankenschelten sind sowas von sinnfrei!
Was hat das mit den Banken zu tun? Unternehmensanleihen werden nicht nur von den Banken ausgegeben. Mit Investoren und Gier sind wohl auch nicht nur die Banken gemeint, sondern wir alle, die wir Aktien besitzen, den höchsten Zinssatz bei Tagesgeld suchen usw.
Diese kenntnislosen Bankenschelten sind sowas von sinnfrei!
Tja, es scheint als würde das Bankengewerbe an einer chronischen Blasenentzündung leiden.
Gute Besserung kann man da ja wohl nicht mehr wünschen!
Grandiose Diagnose!
Grandiose Diagnose!
Was hat das mit den Banken zu tun? Unternehmensanleihen werden nicht nur von den Banken ausgegeben. Mit Investoren und Gier sind wohl auch nicht nur die Banken gemeint, sondern wir alle, die wir Aktien besitzen, den höchsten Zinssatz bei Tagesgeld suchen usw.
Diese kenntnislosen Bankenschelten sind sowas von sinnfrei!
...wenn die Politik nach wie vor UNTÄTIG bleibt und seine Tätigkeit weiterhin nur darauf beschränkt Geschenke (Rettungsschirme) auf Steuerzahlerkosten an die Bankmanager zu verteilen.
Ich habe schon darüber nachgedacht, ob ich meine Klopapierrollen auch mit "Zertifikat" oder "Derivat" beschriften sollte.
Vielleicht bekomme ich dann von der Bundesregierung auch die Beträge, die ich auf das Klopapier raufschreibe.
Grandiose Diagnose!
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren