Konjunktur

Ein wenig Wachstum ist nicht genug

Die Rezession in den USA ist vorerst vorbei. Doch neue Bankpleiten gefährden den Aufschwung, schreibt Conrad Mattern im Börs-o-Meter.

US-Bürger protestieren in Chicago am Rande einer Konferenz des amerikanischen Bankenverbandes. Das Land steuert aus der Rezession - doch Risiken für die Konjunktur bleiben

US-Bürger protestieren in Chicago am Rande einer Konferenz des amerikanischen Bankenverbandes. Das Land steuert aus der Rezession - doch Risiken für die Konjunktur bleiben

Ist Amerika raus aus der Krise? Die Konjunkturdaten scheinen das zu belegen: Um 3,5 Prozent wächst die US-Wirtschaft im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Das ist beachtlich – und doch ist Skepsis angebracht: Denn erstens sind fundamentale Probleme der amerikanischen Wirtschaft weiterhin ungelöst. Zweitens lehrt die Vergangenheit, dass ein Quartal lang Wachstum noch keinen dauerhaften Aufschwung bedeutet.

Beispiel 1980/1982: Damals erlebte Amerikas Wirtschaft gleich zwei Quartale mit einem Wachstum von rund acht Prozent. Danach jedoch ging es erstmal kräftig bergab. Double-Dip-Rezession nennen Ökonomen einen solchen Konjunkturverlauf, der aussieht wie ein "W": Nach einem leichten Wachstum stürzt die Wirtschaft erneut ab, bevor sich die Konjunktur langfristig erholt.

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Beispiel 2001: Zu Beginn des Jahres wuchs Amerikas Wirtschaft ein Quartal lang um 2,7 Prozent. Danach aber hielt die Konjunkturschwäche an. An den Märkten hielt sich der Abschwung sogar noch länger. Selbst als die Statistiker für die USA wieder ein Wachstum von sechs Prozent auswiesen, rauschte der S&P-500-Index sechs weitere Monate nach unten. Der deutsche Dax ereichte sogar erst nach elf Monaten seinen Tiefpunkt.

Das alles zeigt, dass der Optimismus verfrüht sein könnte. Es zeigt aber auch, dass es auf die reinen Wachstumszahlen nicht ankommt – sondern auf das Gesamtumfeld.

Am Wochenende gab der US-Einlagensicherungsfonds FDIC die Schließung weiterer neun Banken bekannt – eine Woche zuvor waren es sieben.  Seit dem Beginn des Jahres mussten 115 US-Banken schließen, 61 Prozent davon binnen der letzten vier Monate. So sieht kein gesundes Bankensystem aus. Ohne funktionierende Banken aber gibt es auch keinen nachhaltigen Aufschwung.

Zwar sind es vor allem kleine, mittlere Häuser mit einem begrenzten Filialnetz, die zusammenbrechen: die Community Bank of Lemont etwa oder die North Houston Bank. Doch für die Volkswirtschaft sind die Banken von enormer Bedeutung. Sie finanzieren den Mittelstand und die Kleinbetriebe des Landes. Gleichzeitig haben sie kein Investmentbanking, das ihnen ermöglicht, wieder gutes Geld zu verdienen und Verluste an anderer Stelle auszugleichen, wie es größere Häuser derzeit tun.

Stattdessen sind die Banken oft am Markt für Gewerbeimmobilien engagiert. Dort setzt sich derzeit die US-Immobilienkrise fort: Kredite werden Not leidend, die Banken erleiden erhebliche Verluste. Nach Ansicht der amerikanischen Notenbank steckt der Markt für gewerbliche Immobilien in größten Schwierigkeiten. Kein Wunder also, dass nun eine Bank nach der anderen in sich zusammenfällt. An den Märkten scheint das noch nicht angekommen zu sein. Wir aber bleiben dabei: Die heiße Phase des Herbstes hat begonnen.

Conrad Mattern ist Vorstand der Conquest Investment Advisory AG und Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians-Universität, München. Auf ZEIT ONLINE beleuchtet er immer zum Wochenbeginn die aktuelle Entwicklung an den Finanzmärkten.

 
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Leser-Kommentare

  1. ... bei den enormen Produktionsüberschüssen die wir jetzt schon haben!

    • 02.11.2009 um 20:32 Uhr
    • politz

    Der Gewerbeimmobilienmarkt in den USA ist weiter im freien Fall. Von daher verwundert es, dass es dort meines Wissens keinerlei staatliche Stützungsprogramme gibt, auch nicht vonseiten der Notenbanken. Der normale Häusermarkt wird massiv gestützt per staatliche Anreizprogramme und den Aufkaufaktionen der Fed für hypothekenbesicherte Anleihen.

    Die Bankenkrise beschleunigt sich unter diesen Umständen zwangsläufig. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es auch wieder ein größeres Institut trifft, das nicht per "geordneter Insolvenz" ohne große Kollateralschäden untergehen kann. Was mit CIT passiert, bleibt abzuwarten.

    Die realwirtschaftlichen Daten kann man ohnehin nur auf Halbjahrsbasis vernünftigerweise miteinander vergleichen. Der derzeitige Aufschwung ist, zumindest gemessen am Einkaufsmanagerindex, sehr stark - aber ist er auch nachhaltig? George Soros dürfte recht gehabt haben mit der Behauptung, dass die Hälfte des Wirtschaftseinbruchs zunächst wieder eingeholt wird. Was aber kommt danach?

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