Börse Gute Nachrichten, fallende Kurse
Der US-Arbeitsmarkt steht besser da als erhofft - dennoch wackeln die Aktienkurse. Warum die Unsicherheit an den Börsen steigt, erklärt Conrad Mattern im Börs-o-Meter.
© Mario Tama/Getty Images

Am 16. November an der New Yorker Börse: Damals stieg der Dow-Jones-Index, nachdem der Einzelhandel gute Ergebnisse verkündet hatte. In der vergangenen Woche fiel die Reaktion auf positive Konjunkturdaten nicht so eindeutig aus
An den Börsen herrscht Unsicherheit. Wohin strebt die US-Wirtschaft? In der vergangenen Woche gab es neue Konjunkturdaten, die für einen anhaltenden Aufschwung sprachen. Andere aber deuteten ebenso überzeugend auf ein erneutes Abgleiten in eine Rezession hin.
Zunächst, am vergangenen Mittwoch, wurde der sogenannte ISM-Index veröffentlicht. Er entsteht aus der Befragung von Managern, die für Dienstleistungsunternehmen die Einkäufe koordinieren. Sie geben Auskunft über die Auslastung ihrer Firmen, die Auftragseingänge, die Beschäftigungslage und Lieferfristen. Der Index, der daraus aggregiert wird, zeigt üblicherweise konjunkturelle Entwicklungen früh an. Zudem bezieht er sich auf einen großen Teil der amerikanischen Volkswirtschaft: Das Dienstleistungsgewerbe ist in den USA mehr als doppelt so groß wie der produzierende Sektor.
In der vergangenen Woche fiel der ISM-Index zum zweiten Mal in Folge, obwohl die Börsianer eigentlich einen Anstieg erwartet hatten. Diesmal sackte er sogar unter die psychologisch wichtige Marke von 50 Punkten: die Skeptiker sahen sich bestätigt.
Zwei Tage später, am Freitag, erhielten jedoch die Bullen neue Nahrung. Der Arbeitsmarktbericht, der veröffentlicht wurde, gilt als wichtigster Konjunkturindex überhaupt, und zwar weltweit. Er umfasst mehrere hundert verschiedene Zeitreihen. Allerdings schauen die Börsianer und Konjunkturforscher vor allem auf die Entwicklung der Arbeitslosenrate und die Anzahl der neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft. Beide fielen deutlich besser aus als erwartet. Besonders überraschend war, dass im November nur noch 11.000 Stellen abgebaut und die Beschäftigungszahlen der Vormonate sogar um 159.000 nach oben revidiert wurden.
Auch die jetzt veröffentlichte Zahl ist noch nicht endgültig. Sie ist auch nicht wirklich gut. Schließlich müssten in den USA Monat für Monat fast 100.000 Stellen neu geschaffen werden, um alleine die neu auf den Arbeitsmarkt drängenden Personen auffangen zu können. Aber es gab selten einen Bericht, der so positiv überraschte. Bevor er veröffentlicht wurde, hatten die Börsianer erwartet, dass die Zahl der Stellen um 100.000 sinken würde.
Was folgte, war eine Aktienmarktbewegung, die genauso überraschend war wie die Zahl an sich. Zunächst schossen die Kurse kräftig nach oben, aber kaum eröffneten die Börsen in den USA, ging es wieder nach unten. Zeitweise drehten Dow Jones und S&P 500 sogar ins Minus, zum Schluss retteten sie aber doch noch ein leichtes Plus.
- Datum 07.12.2009 - 11:41 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Das haben Sie toll erklaert und ich bin ganz Ihrer Meinung.
NUR sollte es dem langfristigen Investor egal sein, was Mister Market
innerhalb eines Tages /Woche / Monat so macht.
Es sei denn, Ihre Leserschaft besteht aus day tradern oder kurzfristigen Spekulanten.
Wie sollen leichte Zinserhöhungen im nächsten Jahr die brachiale Aufwärtsbewegung der Weltwirtschaft ernsthaft gefährden? Für diese Ansicht gibt es keinerlei Rechtfertigung. In Wahrheit sind die Kurse derzeit viel zu niedrig. Die jüngsten Wirtschaftsdaten aus Deutschland sind hervorragend. Für den abgelaufenen Monat November gibt es bislang nur die Rohstahl- und Roheisenproduktion - ein ausgezeichneter Konjunkturindikator, der Schwankungen verstärkt nachzeichnet.
Und, oh Wunder - zum ersten Mal seit langemsteigen die Daten im Vorjahresvergleich wieder: um satte 8 %. Und auch gegenüber dem Vormonat wurden deutliche Steigerungsraten von 7 % bzw. 2 % verzeichnet. Das viel diskutierte V ist hier fast vollendet. Wir sind im Prinzip schon auf dem Stand von vor der Krise.
Einen entscheidenden Unterschied gibt es: die Kapazitäten sind nunmehr phänomenal ausgelastet, weil sie in der Zeit der zyklischen Abschwächung abgebaut wurden. Das legt das Fundament für hohe Investitionen in der Realwirtschaft und einen selbsttragenden Aufschwung. Soll die Fed doch die Liquidität aus dem Markt rausnehmen. Der Konjunkturentwicklung ist das schnuppe.
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