Unsicherheit am Aktienmarkt Wann kommt die Korrektur?
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Notenbank verzerrt die Realität

Was passiert, wenn das Fundament fehlt, hat sich zu Beginn der Finanzkrise gezeigt. Die Träume auf dem amerikanischen Immobilienmarkt haben sich in Luft aufgelöst und einen massiven Verkaufsdruck an den Aktienmärkten ausgelöst.

Ist die Situation diesmal anders? Die amerikanische Wirtschaft ist im vierten Quartal immerhin auf das Jahr gerechnet um fast sechs Prozent gewachsen und scheint sich aus der Rezession befreit zu haben.

Um die Solidität eines Aufschwungs zu beurteilen, können bestimmte Kennzahlen verwendet werden: das Kurs-Gewinn-Verhältnis, der Gewinn pro Aktie oder auch die Umsatzentwicklung. Eine fundierte Bewertung mithilfe dieser Zahlen bereitet dem Anleger aber schon in normalen Zeiten Schwierigkeiten. Schließlich unterliegen die hierfür zugrunde liegenden Analystenschätzungen einer großen Fehlerquote. Wenn die Bilanzen der Unternehmen jedoch zusätzlich – wie zuletzt durch Abschreibungen oder Änderungen bei den Bewertungen – verzerrt sind, wird eine fundierte Einschätzung nahezu unmöglich. Dass sich die Kennzahlen für den amerikanischen Aktienindex S&P 500 in den vergangenen Monaten so sprunghaft entwickelt haben, ist ein eindeutiger Beleg dafür.

Solange die zusätzliche Liquidität der Zentralbanken die fundamentale Situation verzerrt, wird sich daran nicht viel ändern. Ein echtes und realitätsnahes Urteil über den Aufschwung und dessen Nachhaltigkeit ist deshalb nur schwer möglich. Ein Großteil des US-Wachstums im vierten Quartal ist auch lediglich in die Lager der Unternehmen gewandert, die sich durch die Finanzkrise und die Rezession fast vollständig geleert hatten.

Vielleicht setzt sich die Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten in den kommenden Wochen fort – unabhängig davon, ob er fundamental gerechtfertigt ist oder nicht. Die Märkte können länger irrational bleiben, als die Anleger liquide, wusste bereits der Ökonom John Maynard Keynes. Das könnte die Kurse zu einem vorerst letzten Aufschwung treiben.

Klar ist nur: Je länger die überfällige Korrektor hinausgezögert wird, umso schmerzhafter wird sie ausfallen.

Conrad Mattern ist Vorstand der Conquest Investment Advisory AG und Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians-Universität, München. Sein besonderes Interesse gilt der Psychologie der Märkte. Auf ZEIT ONLINE beleuchtet er in unregelmäßigen Abständen die aktuelle Entwicklung an den Finanzmärkten.

 
Leser-Kommentare
    • WIHE
    • 10.03.2010 um 18:41 Uhr

    weil ich die Steuerfreiheit auf den Veräußerungsgewinn
    nicht verlieren will.

    Ich kaufe auch nichts, weil ich nicht glaube, dass sich
    Aktienkäufe nach Einführung der Abgeltungssteuer noch lohnen.
    Der Staat geht mit knapp 50 des Gewinns einer AG auf und davon (Kapitalertragssteuer plus Abgeltungssteuer auf Dividenden und Veräußerungsgewinne plus Soli plus Kirchensteuer). Mein persönlicher Grenz-Steuersatz liegt weit darunter.

    Aktien als Anlage lohnen nicht mehr, jedenfalls nicht für mich.

    • WIHE
    • 10.03.2010 um 18:49 Uhr

    Schließlich will das zusätzliche Geld irgendwo investiert werden.<

    Wenn man sich Aktien kauft, liegt das Geld dann im Finanzmarkt fest?

    Nein, der Verkäufer der Aktien hat das Geld erstmal auf dem Konto und kann es anlegen, wo er will.

    Der Finanzmarkt schluckt beim Aktienhandel kein Geld.

    Allerdings, wenn das Geld knapp wird, steigt die Zahl der Verkäufer relativ zur Zahl der möglichen Käufer.
    Das drückt auf die Kurse (Preise der Aktien)
    Steigt die Zahl der Käufer im Verhältnis zur Zahl der Verkäufer, dann steigen die Preise der Aktien.
    Aber das für Aktien ausgegebene Geld liegt immer irgendwo auf einem Konto oder der Verkäufer trägt es in seiner Hosentausche.

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    • Pencil
    • 10.03.2010 um 19:08 Uhr

    Ich glaube Sie irren sich. Soweit ich weiß, gibt es auch noch Realinvestitionen. Das Geld kann also auch im Sachvermögen liegen. Doch hier reden wir natürlich von Unternehmen und nicht von Personen.

    • Pencil
    • 10.03.2010 um 19:08 Uhr

    Ich glaube Sie irren sich. Soweit ich weiß, gibt es auch noch Realinvestitionen. Das Geld kann also auch im Sachvermögen liegen. Doch hier reden wir natürlich von Unternehmen und nicht von Personen.

    • Pencil
    • 10.03.2010 um 19:08 Uhr

    Ich glaube Sie irren sich. Soweit ich weiß, gibt es auch noch Realinvestitionen. Das Geld kann also auch im Sachvermögen liegen. Doch hier reden wir natürlich von Unternehmen und nicht von Personen.

    • WIHE
    • 10.03.2010 um 19:34 Uhr

    dann hat es erstmal derjenige in der Tasche, der die Sachvermögen verkauft hat, z.B. der LKW-Hersteller bzw. dessen Arbeiter oder der Supermarkt, in dem der Arbeiter einkauft, oder, oder .....
    und wenn der LKW-Hersteller mit dem eingenommenem Geld Schulden zurückzahlt z.B. an die Bank, dann kann es auch ganz verschwunden sein, wenn die Bank das Geld an die Zentralbank weiterreicht, die damit einen Schuldtitel löscht.

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    • Pencil
    • 10.03.2010 um 21:22 Uhr

    Ok, jetzt verstehe ich die Argumentation. Ich habe das zu sehr aus einer endogenen Perspektive betrachtet und die unternehmensexternen Zusammenhänge aussen hervorgelassen.

    • Pencil
    • 10.03.2010 um 21:22 Uhr

    Ok, jetzt verstehe ich die Argumentation. Ich habe das zu sehr aus einer endogenen Perspektive betrachtet und die unternehmensexternen Zusammenhänge aussen hervorgelassen.

  1. Liebe Leser,

    die Kurse werden erst nachhaltig nicht mehr steigen, wenn die Anzahl der Geldbesitzer kleiner ist, als die Anzahl der Aktienbesitzer.

    Artikel wie dieser deuten darauf hin, das die Skepsis noch groß ist und es derzeit zu wenige Aktienbesitzer gibt. Ein Ausverkauf fand noch nicht statt.

    Korrekturen werden derweil von den "Großen" zum Akkumulieren genutzt. Die niedrigen Zinsen helfen dabei.

    Im diesem Sinne, hochachtungsvoll

    Ihr Börsenphilosoph

  2. Jedes Mal, wenn ich zu mir sagte: „keine Aktien mehr!“, dann war der Tiefpunkt. Mit der Zeit habe ich – glaube ich – genügend Erfahrungen gesammelt. Ich weiß inzwischen auch, dass „Experte“ am meisten Geld verlieren, wenn es um Aktien geht.

    Hier möchte ich behaupten, dass der Höhepunkt noch nicht erreicht ist, wenn „Experte“ behaupten, es sei Zeit. Irgendwann, wenn man kein „Lärm“ mehr hört, ist es so weit mit dem Höhepunkt.

  3. Zum Tiefpunkt der Börsen genau vor einem Jahr hatten die Investoren der Welt 4,5 Billionen Dollar dem Aktienmarkt entzogen und in Geldmarktfonds geparkt. 12 Monate später sind immer noch 3 Billionen, also zwei Drittel, nicht wieder auf den Aktienmarkt zurück gekehrt. Von "Höhepunkt" kann also keine Rede sein.

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    Zeit zum Verkaufen wird es erst dann, wenn wieder groß von Hedgefonds und anderen Heuschrecken die Rede ist.

    Vor allem aber muss sich der Krisenzustand aus den Köpfen der Menschen lösen, genauso wie die Bankrotte der New Economy Blase verblassen mussten, bis es die Menschen wieder an die Börse trieb. Das dauert aber ein paar Jährchen.

    Zeit zum Verkaufen wird es erst dann, wenn wieder groß von Hedgefonds und anderen Heuschrecken die Rede ist.

    Vor allem aber muss sich der Krisenzustand aus den Köpfen der Menschen lösen, genauso wie die Bankrotte der New Economy Blase verblassen mussten, bis es die Menschen wieder an die Börse trieb. Das dauert aber ein paar Jährchen.

    • Pencil
    • 10.03.2010 um 21:22 Uhr

    Ok, jetzt verstehe ich die Argumentation. Ich habe das zu sehr aus einer endogenen Perspektive betrachtet und die unternehmensexternen Zusammenhänge aussen hervorgelassen.

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