Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei hinterließen Spuren auch an diesem Schaufenster in Athen © Aris Messinis/AFP/Getty Images

ZEIT ONLINE: Europadiskutiert über die Schaffung eines Europäischen Währungsfonds (EWF). Sie sind gegen den Vorschlag. Warum?

Michael Heise: Wir brauchen sicher eine stärkere finanzpolitische Disziplin in Europa. Entwicklungen, wie sie derzeit in Griechenland zu beobachten sind, dürfen sich nicht wiederholen. Grundsätzlich ist es richtig, darüber nachzudenken, wie wir den Maastrichter Stabilitätspakt und die in ihm verankerten Stabilisierungsmechanismen besser umsetzen können. Wir brauchen auch eine Instanz, die die Finanz- und Schuldenpolitik der Mitgliedsstaaten stärker überwacht und koordiniert, aber das muss präventiv geschehen. Der internationale Währungsfonds in Washington eignet sich nicht als Vorbild für Europa.

ZEIT ONLINE: Warum nicht?

Heise: Der Internationale Währungsfonds (IWF) finanziert sich über Kapitaleinlagen und Kreditverpflichtungen seiner Mitglieder und vergibt Kredite an Staaten, die vorübergehende Zahlungsbilanzkrisen durchleben. Solche Devisenengpässe gibt es in der Euro-Zone mit einheitlicher Währung nicht. Hier geht es um Länder, die eine unsolide Haushaltspolitik betreiben, und der Maastrichter Vertrag sieht zu Recht vor, dass die Gemeinschaft nicht die Schulden einzelner Staaten übernehmen soll. Das wäre der völlig falsche Anreiz.

ZEIT ONLINE: Zentral für die Ursprungsidee eines EWF ist der Gedanke, dass die Europäische Währungsunion eine institutionalisierte Möglichkeit braucht, die Insolvenz von Mitgliedsstaaten geordnet abzuwickeln. Für überschuldete Länder ist das eine starke Drohung: Sparst Du nicht, lassen wir Dich pleite gehen. Ist das kein ausreichend starker Anreiz, um Schuldenkrisen wie der griechischen vorzubeugen?

Heise: Nein, ein möglicher Staatsbankrott ist nie auszuschließen – auch unter heutigen Bedingungen nicht – aber er darf zurzeit unter keinen Umständen Teil unserer Planungen sein. Der Euro lebt vom Vertrauen der Anleger. Das Image, dass einzelne Länder pleite gehen und andere anstecken könnten, würde bei ausländischen Investoren fatal wirken. Wir brauchen eine bessere Krisenprävention, keine gemeinschaftlich finanzierte Institution für Krisenmanagement und Rettungsaktionen.

ZEIT ONLINE: Wie könnte eine bessere Prävention denn aussehen? Offenbar hat der Stabilitäts- und Wachstumspakt nicht ausgereicht, um die griechische Krise zu verhindern.