Europäischer Währungsfonds "Eine Staatspleite darf nicht Teil unserer Planungen sein"
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 Die Staatsschulden der USA und Großbritanniens sind ein größeres Problem

ZEIT ONLINE: Was halten Sie von den Plänen der EU-Kommission, den Handel mit Credit Default Swaps (CDS) und die Möglichkeit ungedeckter Leerverkäufe stärker zu regulieren?

Heise: Die Diskussion ist gerechtfertigt. Der Markt für diese Instrumente hat sich sehr stark vom eigentlichen Zweck wegentwickelt, für den sie geschaffen waren. Besonders deutlich war das im Markt für CDS auf Unternehmensrisiken. Dort stieg das Handelsvolumen in kürzester Zeit auf unglaubliche Höhen, weitaus stärker als die eigentlichen Kreditforderungen. Technisch wird es allerdings schwierig sein, zu unterscheiden, welche Transaktionen mit CDS noch als gerechtfertigt gelten sollen und welche nicht.

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Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps)

Eigentlich ist das Prinzip einfach: Wer einem anderen ein Darlehen gewährt, geht damit das Risiko ein, sein Geld nicht mehr wiederzusehen. Als Gegenleistung bekommt er Zinsen. Je höher das Ausfallrisiko einer Unternehmens- oder Staats, desto höher ist auch der Zins, der gezahlt werden muss.

Credit Default Swaps, zu deutsch: Kreditausfallversicherungen, setzen dieses Prinzip außer Kraft. Gläubiger, die einen CDS kaufen, schützen sich dadurch vor dem Totalverlust ihres Kapitals. Sie zahlen einen bestimmten Satz, bezogen auf den Nominalwert der Anleihe, an ihre Bank. Im Gegenzug springt diese ein, falls der Schuldner bankrott geht. 

Credit Default Swaps können an den Finanzmärkten frei  - getrennt von den zugehörigen Anleihen - gehandelt werden. Man nutzt sie, um Anlagerisiken zu beschränken oder zu diversifizieren. Sie können aber auch genutzt werden, um damit zu spekulieren - zum Beispiel, um auf eine Pleite eines Staats oder Unternehmens zu wetten.

 
ZEIT ONLINE: Im Moment steht Griechenland im Fokus der Finanzmärkte, doch im Hintergrund lauert schon die Furcht, weitere Staaten könnten ebenfalls in Schwierigkeiten kommen. Selbst die Kreditwürdigkeit von Großbritannien und den USA wird angezweifelt. Wie schlimm wird die Schuldenkrise noch?

Heise: Die Staatsschulden werden in den nächsten Jahren ein großes Thema am Finanzmarkt. Die Risikoprämien, um Geld aufzunehmen, werden für fast alle Staaten ansteigen, denn die Investoren sind besorgt. Selbst wenn die Staaten es jetzt schaffen, ihre Defizite zu reduzieren, wird die Staatsverschuldung weiter steigen. Und die Aufmerksamkeit wird sich tatsächlich stark auf Großbritannien und die USA richten. Ihre Situation hat sich deutlich schneller verschlechtert als die der Eurozone, wenngleich wir im Moment noch im Fokus stehen. Ein Staatsbankrott ist aber nicht zu befürchten: Die Länder sind imstande, ihn durch ihre Steuer- und Ausgabenpolitik zu vermeiden.

ZEIT ONLINE: Wenn die Regierungen zu stark sparen, treiben sie ihre Volkswirtschaften am Ende noch tiefer in die Krise.

Heise: Das ist ein Risiko. Drakonische Sparmaßnahmen würden das Wachstum zusätzlich schwächen. Dennoch ist es selbstverständlich, dass die Staaten alles tun müssen, um eine Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden. Nur so können sie extrem hohe Zinsen vermeiden, um an Geld zu kommen. Unter entwickelten Ländern müssen Insolvenzen vermieden werden. Die Nachricht von einer Staatspleite in Euroland könnte wie ein Lauffeuer weitere Staaten an den Rand der Zahlungsunfähigkeit drängen. Das gilt es um jeden Preis zu verhindern, auch wenn die Konjunktur leidet.

Michael Heise ist Chefvolkswirt und Leiter der Unternehmensentwicklung der Allianz. Die Fragen stellte Alexandra Endres
 

 
Leser-Kommentare
  1. (winnermobil) - Die Bürger haben die Nase voll, Fehlkalkulationen in der Regierung, kein Lebensstandard zu halten, die Wälder brennen jedes Jahr ab, weil die Baugenehmigungen nicht erteilt werden.... Das müssen die Griechen mit ihrer Regierung abmachen, ob sie in die Pleite fallen wollen oder mit der oder einer anderen Regierung wieder rauskommen - durch Sparen.

  2. vermisse ich die naheliegende Frage, mit wievielen Milliarden denn die Allianz in Griechische Anleihen investiert ist, die sie im Falle einer Staatspleite
    abschreiben müßte. Dieser Mann kann gar nicht anders,
    als gegen Staatspleiten zu argumentieren, liebe Leute...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Genau, Nagel auf den Kopf getroffen. Läßt man einmal das ganze hehre Gerede um den heißen Brei herum weg, die salbungsvollen Worte eines Phillantropen, so bleibt zwischen den Zeilen fgreigelegt nur eines: die blanke Angst des Lebensversicherers, der in diversen Staatsanleihen investiert ist und fürchten muß, beim nächsten Staatsbankrott die Garantieleistungen nicht mehr erfüllen zu können und massive Wertberichtigungen und Abschreibungen vornehmen zu müssen.
    Das ist der profane Rest an Wahrheit hinter all dem weltmännischen Geschwafel.

    Genau, Nagel auf den Kopf getroffen. Läßt man einmal das ganze hehre Gerede um den heißen Brei herum weg, die salbungsvollen Worte eines Phillantropen, so bleibt zwischen den Zeilen fgreigelegt nur eines: die blanke Angst des Lebensversicherers, der in diversen Staatsanleihen investiert ist und fürchten muß, beim nächsten Staatsbankrott die Garantieleistungen nicht mehr erfüllen zu können und massive Wertberichtigungen und Abschreibungen vornehmen zu müssen.
    Das ist der profane Rest an Wahrheit hinter all dem weltmännischen Geschwafel.

  3. Genau, Nagel auf den Kopf getroffen. Läßt man einmal das ganze hehre Gerede um den heißen Brei herum weg, die salbungsvollen Worte eines Phillantropen, so bleibt zwischen den Zeilen fgreigelegt nur eines: die blanke Angst des Lebensversicherers, der in diversen Staatsanleihen investiert ist und fürchten muß, beim nächsten Staatsbankrott die Garantieleistungen nicht mehr erfüllen zu können und massive Wertberichtigungen und Abschreibungen vornehmen zu müssen.
    Das ist der profane Rest an Wahrheit hinter all dem weltmännischen Geschwafel.

  4. Brüssel dürfte sich kaum um die geschätzte Meinung des Allianzökonomen kümmern. Schon bei Einführung des Euro wurden bekanntlich alle Einwände der Fachleute von den Politikern ignoriert.

    • joG
    • 12.03.2010 um 16:38 Uhr

    ....hat der Mann recht, wenn er sagt: " Der Internationale Währungsfonds (IWF) finanziert sich über Kapitaleinlagen und Kreditverpflichtungen seiner Mitglieder und vergibt Kredite an Staaten, die vorübergehende Zahlungsbilanzkrisen durchleben. Solche Devisenengpässe gibt es in der Euro-Zone mit einheitlicher Währung nicht. Hier geht es um Länder, die eine unsolide Haushaltspolitik betreiben, und der Maastrichter Vertrag sieht zu Recht vor, dass die Gemeinschaft nicht die Schulden einzelner Staaten übernehmen soll. Das wäre der völlig falsche Anreiz."

    Ein europäischer Währungsfond ist in der Sache unsinnig und setzt falsche Anreize. Der Vorschlag lässt sich letztlich nur durch Gruppen spezifische Interessen erklären, die außerhalb nationaler Jurisdiktion und Kontrolle einen Finanzmittel Topf anlegen wollen. Das kann nicht im Sinne der Bevölkerung sein, die schon jetzt die Staatsfinanzen kaum noch beeinflussen kann. Leider müssen wir nach der Erfahrung mit der Art, wie Euro und europäische Verfassung unbeachtlich der Wähler durchgesetzt wurden davon ausgehen, dass man die Politiker kaum wird bremsen können. Sollte das so laufen, so dürfte das der Staats- und Demokratieverdrossenheit der Bevölkerung nicht sonderlich entgegenwirken.

  5. "Eine Staatspleite darf nicht Teil unserer Planungen sein"

    Herr Heise betet da etwas utopisches im Interview runter wie z.B. "wir brauchen", "wir sollten", "es muß Anreiz sein" das sehr nach frommen Wünschen ausschaut. Die Geschichte der letzten 80 Jahre, seit dem großen Crash von 1929/1930, zeigt doch deutlich auf das Staaten Pleite gehen können. Ein Weltkrieg wie dann 1933 folgte bedeutet eben auch "Pleite" zu sein - nämlich am Ende sein mit der kapitalistischen Weisheit vernünftig zu wirtschaften.Die Globalisierung zeigt nun an, daß auch die Staaten finanzpolitisch gewappnet sein müssen, um gegen Spekulanten und Chrash-Managment der Großbanken und Fond's wirken zu können. Schutz dagegen sollte nicht versäumt sein - andernfalls wird es dann sehr, sehr teuer für Staaten und jeden einzelnen Bürger.

  6. Krisen versucht man gern mit allen Mitteln zu vermeiden. Auch, wenn sie schon längst da sind.

    Abgesehen davon, dass ich auch nicht von einem EWF halte, finde ich daher die Pauschalaussage "Eine Staatspleite darf nicht Teil unserer Planungen sein" wenig konstruktiv.
    Jegliche Krise wäre besser durchgestanden, wenn man sie auch Krise sein lässt, und den natürlichen Korrekturen Raum gibt. Stattdessen wird überall rumkorrigiert und der Schwarze Peter verteilt. Etwas mehr Krisenverständnis macht es möglich Krisen zu "begrüßen"; als Warnsignal, aber auch als Übergangs- und Korrektursymptom. Krisen dürfen in der Planung eben nicht außen vor bleiben, weil sie ein natürlicher Teil der Entwicklung jeder Art sind.

    Vielen Dank für das gelungene Interview!

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