Kreditratings Wie Ratingagenturen die Märkte beeinflussen
Kreditratings haben ein enormes Gewicht. Staaten fürchten sie, weil eine Herabstufung die Schulden verteuert. Doch so mächtig sie sind, so umstritten sind sie auch.
© Chris Hondros/Getty Images

Erinnerungen an das Versagen der Agenturen in der Finanzkrise: Schon damals war auf die Ratings kein Verlass
Die Jagd nach Sündenböcken ist seit Ausbruch der weltweiten Finanzkrise ein beliebtes Spiel in der Politik und am Finanzmarkt. Ganz weit vorne in der Rangliste der Übeltäter tauchen stets die Rating-Agenturen auf – namentlich die drei Großen der Branche Standard & Poor's, Moody's und Fitch, die rund 95 Prozent des Geschäfts mit Ratings auf sich vereinen. Durch zu positive Urteile für Ramschpapiere hätten sie die Krise mit verursacht, so die herrschende Meinung. Um eine Wiederholung zu vermeiden, arbeiten die Gesetzgeber in vielen Ländern derzeit an neuen Gesetzen und Regulierungsvorschriften, die die Macht der Rating-Agenturen beschneiden sollen.
Rating-Agenturen sind auf den Märkten omnipräsent. An den Anleihemärkten sind die Bonitätsnoten von S&P, Moody's und Fitch Dreh- und Angelpunkt für Investoren, große institutionelle Investoren richten ihre Anlagekriterien an Ratings aus und Regulierer und Aufsichtsbehörden verlassen sich bei ihrer Arbeit ebenfalls auf die Urteile der Analysten. Beispielsweise orientieren sich die Eigenkapitalvorschriften für Banken an den Kreditbewertungen.
Wer sich erstmals mit Ratings befasst, muss sich allerdings zunächst durch ein Buchstabengewirr kämpfen. Das Notenspektrum der Agenturen lehnt sich an das amerikanische System der Schulnoten an und reicht von "A" für gute Schuldner bis "D" für Schuldner, bei denen Anlegern der Zahlungsausfall droht oder bereits Zahlungen ausgelassen wurden. Innerhalb der einzelnen Buchstaben gibt es weitere Unterteilungen. So ist bei S&P und Fitch ein "AAA" die beste Note, mit dieser kann sich beispielsweise Deutschland schmücken. Die zweitbeste Bewertung ist "AA+", die drittbeste "AA", gefolgt von "AA-", "A+" und so weiter. Moody's vergibt als Top-Rating ein "Aaa", gefolgt von "Aa1", "Aa2". "Aa3", "A1" usw.
Die genauen Kriterien für die Ratings sind ein wohl gehütetes Geheimnis der Agenturen. An ihrer Erstellung arbeiten große Analystenteams, die sowohl die Kreditwürdigkeit von Staaten und Unternehmen, auch die Qualität von Kreditportfolios und Wertpapieren beurteilen. Einen öffentlichen Auftrag haben die Rating-Agenturen nicht, sämtliche Agenturen sind private Firmen, Moody's selbst ist an der New Yorker Börse notiert.
Das Gewinnerzielungsinteresse der Agenturen gehört auch zu den Punkten, die immer wieder scharf kritisiert werden. Weil sich S&P, Moody's und Fitch von den Unternehmen bezahlen lassen, die sie bewerten, vermuten Kritiker Interessenkonflikte. Eine Abkehr von diesem Prinzip sehen aber auch die jüngsten, verschärften Regulierungsansätze nicht vor. Laut dem deutschen Gesetzentwurf drohen den Rating-Agenturen lediglich empfindliche Strafen von bis zu einer Million Euro, wenn sie Unternehmen bewerten, die sie gleichzeitig beraten - beispielsweise bei der Auflage von Kreditportfolios.
Wie stark das Gewicht der Rating-Agenturen am Finanzmarkt ist, bekommen aktuell Griechenland, Portugal und Spanien zu spüren. Seit Standard & Poor's seine Noten für die hoch verschuldeten Länder gesenkt hat, sind die Kurse von Staatsanleihen gehörig unter Druck gekommen.
S&P senkte sein Rating für griechische Staatsanleihen vor kurzem auf Ramschniveau - von bisher „BBB+“ auf „BB+“. Der Ausblick bleibe negativ. Die Herabstufung reflektiere die politischen, wirtschaftlichen und haushaltspolitischen Herausforderungen für die griechische Regierung, sagte der zuständige Analyst Marko Mrsnik. Diese erschwerten es, die Schuldenlast wieder auf ein tragbares Niveau zu bringen.
Die Folgen eines Ratings unterhalb von "BBB" - bzw. "Baa3" bei Moody's - sind gravierend: Da institutionelle Investoren wie zum Beispiel Pensionskassen per Gesetz oder durch ihre eigenen Statuten verpflichtet sind, nur Anleihen von Schuldnern zu kaufen, die ein "Investment Grade" vorweisen können, verkleinert sich die Gruppe der potenziellen Gläubiger dramatisch, was die Kapitalkosten noch einmal deutlich erhöht.
- Datum 29.04.2010 - 11:29 Uhr
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- Quelle Handelsblatt
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Mich würden Details hier nämlich wirklich interessieren...
Auch, wie kann man "rating-Agenturen" ernst nehmen wenn diese bei den Banken spektakulär versagt haben?
Würde einem regulären Mitarbeiter in einem Unternehmen so etwas passieren - es gäbe "Probleme" - die rate-Agenturen machen munter weiter.
Mal so bewertet, mal andersrum...
....interessieren?
"Auch, wie kann man "rating-Agenturen" ernst nehmen wenn diese bei den Banken spektakulär versagt haben?"
Ich habe früher mit den Statistiken des Erfolgs der Ratings gearbeitet. Die Daten stellen die Agenturen unkompliziert zur Verfügung. Die Ergebnisse sind recht gut über die Jahre und sicherlich so gut wie die besten Kreditabteilungen in Großbanken. Dass man nicht immer recht hat ist klar. Das zeigen die Abschreibungen in den Kreditportfolien der Banken.
"Würde einem regulären Mitarbeiter in einem Unternehmen so etwas passieren - es gäbe "Probleme" - die rate-Agenturen machen munter weiter.
Mal so bewertet, mal andersrum..."
Wenn einem Analysten bei den Agenturen "so etwas" passiert - es gibt "Probleme".
Aber das Heulen der Beamtokraten und Politiker zeigt sich hierdurch in seiner ganzen Heuchelei und Verlogenheit:
"Die EZB hatte auf ihrer Sitzung Anfang Mai beschlossen, Papiere mit mindestens einem "BBB-"-Rating über das Jahr 2010 hinaus zu akzeptieren. Vor der Krise hatte die EZB lediglich Papiere mit einem Rating von mindestens „A-“ akzeptiert."
....interessieren?
"Auch, wie kann man "rating-Agenturen" ernst nehmen wenn diese bei den Banken spektakulär versagt haben?"
Ich habe früher mit den Statistiken des Erfolgs der Ratings gearbeitet. Die Daten stellen die Agenturen unkompliziert zur Verfügung. Die Ergebnisse sind recht gut über die Jahre und sicherlich so gut wie die besten Kreditabteilungen in Großbanken. Dass man nicht immer recht hat ist klar. Das zeigen die Abschreibungen in den Kreditportfolien der Banken.
"Würde einem regulären Mitarbeiter in einem Unternehmen so etwas passieren - es gäbe "Probleme" - die rate-Agenturen machen munter weiter.
Mal so bewertet, mal andersrum..."
Wenn einem Analysten bei den Agenturen "so etwas" passiert - es gibt "Probleme".
Aber das Heulen der Beamtokraten und Politiker zeigt sich hierdurch in seiner ganzen Heuchelei und Verlogenheit:
"Die EZB hatte auf ihrer Sitzung Anfang Mai beschlossen, Papiere mit mindestens einem "BBB-"-Rating über das Jahr 2010 hinaus zu akzeptieren. Vor der Krise hatte die EZB lediglich Papiere mit einem Rating von mindestens „A-“ akzeptiert."
"...es werden Interessenskonflikte vermutet..."
Ja, ist wirklich zu "vermuten", dass Ratingagenturen, die in Konkurrenz zueinander genau die Firmen bewerten, von denen sie bezahlt werden, nicht allzu hart anfassen.
Da es auch Spekulanten mit Milliardeninteressen an bestimmten Abwertungen zu einem bestimmten Zeitpunkt gibt, und man dafür vielleicht auch was springen lässt, könnte man ebenfalls "vermuten".
Ich "vermute" mal, dieses System ist von Grund auf korrupt, und zwar mit Absicht.
Ist natürlich nur meine subjektive "Vermutung"...
Ratingagenturen sind so ziemlich das letzte, was die Welt wirklich braucht.
Wenn ich Geld verleihe, oder anlege, dann ist es meine Aufgabe darauf zu schauen, wem ich mein Geld gebe. Auf Ratingagenturen sich zu verlassen, heißt verlassen sein, wie uns die letzte Krise deutlich vor Augen führte.
Andererseits haben eben diese Ratings einen viel zu enormen Einfluss auf die Wirtschaft und dienen somit lediglich den Spekulanten, die im Wettfieber ganze Staaten lahmlegen können, wie man an Griechenland, Portugal und neuerdings an Spanien sehen kann.
....was die Welt wirklich braucht."
Wenn das so wäre, dann hätten die Bafin, Bundesbank und EZB sich nicht so sehr auf die Ratings verlassen sollen.
so wie es immer Autotests gibt. Niemand käme auf die Idee Autotests zu verbieten, obwohl diese verdeckte Schwachstellen nicht aufdecken. Dennoch beeinflussen die Testergebnisse die Nachfrage erheblich.
Was Sie verlangen ist, dass der Kunde dieser Papiere deren Qualität selbst recherchiert. Das ist schlichtweg nicht möglich
....was die Welt wirklich braucht."
Wenn das so wäre, dann hätten die Bafin, Bundesbank und EZB sich nicht so sehr auf die Ratings verlassen sollen.
so wie es immer Autotests gibt. Niemand käme auf die Idee Autotests zu verbieten, obwohl diese verdeckte Schwachstellen nicht aufdecken. Dennoch beeinflussen die Testergebnisse die Nachfrage erheblich.
Was Sie verlangen ist, dass der Kunde dieser Papiere deren Qualität selbst recherchiert. Das ist schlichtweg nicht möglich
Meine Zusammenfassung lautet, die grauen Eminenzen hinter den Raiting Agenturen erstmal festsetzen und von Grund auf neu aufbauen. Die Privaten sind zu anfällig für Korruptionen, besser schon sie sind zu verstaatlichen.
Auf die Gefahr, mich zu wiederholen:
http://community.zeit.de/user/cm/beitrag/2010/04/29/standard-amp-poors-glaubwürdigkeit-wurde-abgewertet
Was sagt eigentlich die BAFIN dazu, daß die Regierungen der gesamten EU gerade von einer einzigen Ratingagentur zu den Deppen der Welt gemacht werden?
Sie schrieb den Versicherungen und Pensionskassen vor einen großen Teil der Anlage nur in geratetes Papier machen zu dürfen.
Sie schrieb den Versicherungen und Pensionskassen vor einen großen Teil der Anlage nur in geratetes Papier machen zu dürfen.
Kaffeesatz lesen. Vogelflug deuten können leider nur noch die wenigsten. Da die ganzen Geldentscheidungen eh nicht rational ablaufen, was erwarten wir?
....interessieren?
"Auch, wie kann man "rating-Agenturen" ernst nehmen wenn diese bei den Banken spektakulär versagt haben?"
Ich habe früher mit den Statistiken des Erfolgs der Ratings gearbeitet. Die Daten stellen die Agenturen unkompliziert zur Verfügung. Die Ergebnisse sind recht gut über die Jahre und sicherlich so gut wie die besten Kreditabteilungen in Großbanken. Dass man nicht immer recht hat ist klar. Das zeigen die Abschreibungen in den Kreditportfolien der Banken.
"Würde einem regulären Mitarbeiter in einem Unternehmen so etwas passieren - es gäbe "Probleme" - die rate-Agenturen machen munter weiter.
Mal so bewertet, mal andersrum..."
Wenn einem Analysten bei den Agenturen "so etwas" passiert - es gibt "Probleme".
Aber das Heulen der Beamtokraten und Politiker zeigt sich hierdurch in seiner ganzen Heuchelei und Verlogenheit:
"Die EZB hatte auf ihrer Sitzung Anfang Mai beschlossen, Papiere mit mindestens einem "BBB-"-Rating über das Jahr 2010 hinaus zu akzeptieren. Vor der Krise hatte die EZB lediglich Papiere mit einem Rating von mindestens „A-“ akzeptiert."
....was die Welt wirklich braucht."
Wenn das so wäre, dann hätten die Bafin, Bundesbank und EZB sich nicht so sehr auf die Ratings verlassen sollen.
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