Eurokrise EZB spielt Feuerwehr für Griechenland
Die EZB ist erneut gezwungen, massiv griechische Staatsanleihen aufzukaufen, weil die Papiere aus wichtigen Indizes fliegen. Die Glaubwürdigkeit des Rettungspakets sinkt.
Am Mittwoch schlägt die Stunde der Wahrheit: Dann muss die EZB erneut für Griechenland in die Bresche springen und Anleihen des Landes aufkaufen. An diesem Tag fliegen die von den Ratingagenturen herabgestuften griechischen Staatsanleihen aus wichtigen Bond-Indizes. Indexfonds und anderen Geldverwaltern, die an solche Messlatten gekoppelt sind, bleibt keine Wahl: Sie müssen verkaufen.
"Wir schätzen den Verkaufsdruck bei Griechenland-Anleihen aus passiven Mandaten und Indexfonds heraus auf 20 Milliarden Euro", sagt Andrew Bosomworth, als Topmanager bei Pimco in München verantwortlich für 200 Milliarden Euro. Manche Experten schätzen die Summe sogar auf bis zu 30 Milliarden Euro.
Sollten diese Schätzungen zutreffen, müsste die EZB ihr umstrittenes Ankaufsprogramm für Staatsanleihen, das sie zuletzt deutlich zurückgefahren hat, sehr stark ausweiten. Wie die EZB am Montag bekanntgab, kaufte sie in der letzten Woche wie schon in der Vorwoche nur noch für vier Milliarden Euro Staatsanleihen von Ländern in Finanzschwierigkeiten. Seit dem 10. Mai hat sie bisher für 55 Milliarden Euro Anleihen gekauft. Wie viel davon auf griechische Anleihen entfiel, gibt die EZB nicht preis.
"Die EZB muss den Markt retten, weil es sonst kaum Käufer gibt", sagt Stephan Kuhnke, Vorstand des Anleihemanagers Bantleon. Mit der Herabstufung griechischer Anleihen durch die Ratingagenturen S&P und Moody's sind diese Titel nicht mehr als erstklassig benotet und müssen aus Bondindizes von iBoxx, Citibank und Lehman herausgenommen werden. Ein Großteil dieser Bestände steckt in Depots institutioneller Investoren – ein intransparenter Markt.
Sollten die Zentralbanker wie gehofft eingreifen, rechnet Pimco-Mann Bosomworth am Mittwoch zunächst nicht mit starken Verwerfungen. "Die großen Indexfondsanbieter werden die Stücke entweder direkt oder über die Privatbanken an das Euro-System weiterreichen. Die EZB und die Nationalzentralbanken sind damit die einzigen Käufer von Griechenland-Anleihen." Ein Experte, der nicht namentlich genannt werden möchte, ergänzt: "Die Zentralbanken wissen um die Brisanz und werden deshalb an diesem Tag vielleicht feste Kurse machen."
Gemessen am verwalteten Kapital ist Blackrock der größte Anbieter von börsengehandelten Indexfonds. Vertreter des Hauses beziffern seine Bestände an Griechenlandtiteln in den europäischen Indexfonds auf 40 Millionen Euro. Über die Strategie zur Anpassung am erwähnten Stichtag wollen sie sich jedoch nicht äußern.
Die Abhängigkeit von der EZB hat Folgen: So glauben die Geldverwalter nicht mehr, dass Griechenland in absehbarer Zeit auf eigenen Beinen stehen kann. Insgesamt sinke die Glaubwürdigkeit des Rettungsprogramms für Griechenland im Markt, berichtet Bosomworth. Der Grund sei der hohe Schuldenstand Griechenlands nach Ablauf des EU-IWF-Programms 2013. Der Schuldenstand steige auf zirka 150 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. "Der Kapitalmarkt wird wohl kaum ein Land mit einer derartigen Schuldenlast finanzieren", so Bosomworth. Das zeigten auch die Kreditausfallversicherungen: Der Satz für fünfjährige CDS ist höher als am Freitag vor der Rettungsaktion.
Der Artikel erschien am 29.06.2010 im Handelsblatt.
- Datum 29.06.2010 - 10:17 Uhr
- Quelle Handelsblatt
- Kommentare 31
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angloamerikanischen Finanzverbände auf den EURO.
Ihre Truppen heißen: Ratingagenturen!
...entlassen: Die Angloamerikaner könne ja dann dagegenwetten. Dabei muß aber Ackermann auf der Hut sein.
Die Ratingagentur Standard & Poor entschloss sich heute, das Rating der Ratingagentur Moody herab zu setzen, da die letztere Firma im laufenden Quartal wesentlich geringere Gewinne einfahren wird.
...entlassen: Die Angloamerikaner könne ja dann dagegenwetten. Dabei muß aber Ackermann auf der Hut sein.
Die Ratingagentur Standard & Poor entschloss sich heute, das Rating der Ratingagentur Moody herab zu setzen, da die letztere Firma im laufenden Quartal wesentlich geringere Gewinne einfahren wird.
Wohl kaum.
"Das Hilfspaket gilt nämlich nicht den Griechen, Portugiesen, Spaniern und Italienern, sondern vielmehr ihren Gläubigern, vorab deutschen und französischen Banken."
http://www.nzz.ch/nachric...
Bei so viel Wahrheit ist der Artikel natürlich schnell zu Ende.
...entlassen: Die Angloamerikaner könne ja dann dagegenwetten. Dabei muß aber Ackermann auf der Hut sein.
"angloamerikanischen Finanzverbände auf den EURO.
Ihre Truppen heißen: Ratingagenturen"
.....und die Eurozone ist mit 16% Auslandsnettoschulden schlecht gerüstet. Die südlichen Euroländer, Irland und Frankreich stehen viel schlechter da als die USA. Diese hat dank des Finanzmarktes nur 20% Auslandsschulden. Diese zu finanzieren fällt immer noch leicht. Wenn die südlichen Euroländer nicht leistungsfähiger werden sieht es schlecht aus.
Die EZB muss gar nichts. Und den "Markt retten" schon gar nicht. Der Markt muss berhaupt nie gerettet werden, so eine schwachsinnige Aussage.
Die EZB muss endlich diese katastrophalen Ankufe sofort rckabwickeln oder die entsprechenden Risiken den verantwortlichen Politikern persnlich bertragen.
Schluss mit diesem Wahnsinn zulasten der Steuerzahler!
Euro aktuell (14:30 Uhr) auf $ 1,2197 verspricht nichts Gutes.
Die EZB kauft Staatsanleihen von Investoren von Griechenland etc.?
Um das mal zusammenzufassen. Irgendwann hat Griechenland Staatsanleihen rausgegeben, also Kredit bei Investoren genommen. Für das Risiko, dass die Anleihen platzen könnten, bekommen Investoren Zinsen. Nun, da die Anleihen tatsächlich auszufallen drohen (bzw Ihren Wert verlieren würden) soll die EZB einspringen um den Kurs (von bereits ausgegebenen Anleihen) konstant zu halten.
Da die EZB wohl neues Geld in den Markt spülen wird um die Käufe zu tätigen, wird damit der Euro entwertet, wir alle zahlen also die Rechnung per Inflation.
Hier wird nicht Griechenland gestützt sondern lediglich die Banken, die mit den Anleihen spekuliert haben.
Wann genau haben wir uns eigentlich von der Marktwirtschaft verabschiedet?
"Die EZB kauft Staatsanleihen von Investoren von Griechenland etc.?
Um das mal zusammenzufassen. Irgendwann hat Griechenland Staatsanleihen rausgegeben, also Kredit bei Investoren genommen. Für das Risiko, dass die Anleihen platzen könnten, bekommen Investoren Zinsen. Nun, da die Anleihen tatsächlich auszufallen drohen (bzw Ihren Wert verlieren würden) soll die EZB einspringen um den Kurs (von bereits ausgegebenen Anleihen) konstant zu halten."
Woanders tun das Staaten mit der Einrichtung von "Rettungsschirmen", um unsicher gewordene Anleihen zu garantieren. Ohne das wäre das Finanzsystem schon lange kollabiert und damit die Realwirtschaft, so wie 1929. Die Lehren aus dieser Zeit bestehen ja gerade darin, daß man das verhindert.
"Da die EZB wohl neues Geld in den Markt spülen wird um die Käufe zu tätigen, wird damit der Euro entwertet, wir alle zahlen also die Rechnung per Inflation."
So viel Geld oder Liquidität können die Zentralbanken gar nicht bereitstellen, um das in den faulen amerikanischen Wertpapieren und die jetzt auch faul werdendne spanischen Immobilienkrediten festhängende Geld zu ersetzen. So etwas nennt sich Absinken der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Mit Inflation werden wir als in absehbarer Zeit nicht zu tun bekommen, eher mit dem Gegenteil.
"Hier wird nicht Griechenland gestützt sondern lediglich die Banken, die mit den Anleihen spekuliert haben."
Es werden sowohl Spekulanten als auch seriöse Anleger gestützt.
"Die EZB kauft Staatsanleihen von Investoren von Griechenland etc.?
Um das mal zusammenzufassen. Irgendwann hat Griechenland Staatsanleihen rausgegeben, also Kredit bei Investoren genommen. Für das Risiko, dass die Anleihen platzen könnten, bekommen Investoren Zinsen. Nun, da die Anleihen tatsächlich auszufallen drohen (bzw Ihren Wert verlieren würden) soll die EZB einspringen um den Kurs (von bereits ausgegebenen Anleihen) konstant zu halten."
Woanders tun das Staaten mit der Einrichtung von "Rettungsschirmen", um unsicher gewordene Anleihen zu garantieren. Ohne das wäre das Finanzsystem schon lange kollabiert und damit die Realwirtschaft, so wie 1929. Die Lehren aus dieser Zeit bestehen ja gerade darin, daß man das verhindert.
"Da die EZB wohl neues Geld in den Markt spülen wird um die Käufe zu tätigen, wird damit der Euro entwertet, wir alle zahlen also die Rechnung per Inflation."
So viel Geld oder Liquidität können die Zentralbanken gar nicht bereitstellen, um das in den faulen amerikanischen Wertpapieren und die jetzt auch faul werdendne spanischen Immobilienkrediten festhängende Geld zu ersetzen. So etwas nennt sich Absinken der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Mit Inflation werden wir als in absehbarer Zeit nicht zu tun bekommen, eher mit dem Gegenteil.
"Hier wird nicht Griechenland gestützt sondern lediglich die Banken, die mit den Anleihen spekuliert haben."
Es werden sowohl Spekulanten als auch seriöse Anleger gestützt.
> Die Glaubwürdigkeit des Rettungspakets sinkt. <
Hätte man eine Umfrage bei der Bevölkerung zum Zeitpunkt der Genehmigung des Rettungspaketes durchgeführt hätten vermutlich 2/3 gesagt, dass das Geld verloren ist.
Und wieder geht das Spielchen mit den Credit Default Swaps los ...
> Der Satz für fünfjährige CDS ist höher als am Freitag vor der Rettungsaktion. <
Was machen die Banken, die als Sicherungsgeber aufgetreten sind, wenn sie zahlen müssen?
Haben sie aus dem Platzen der Kreditblase nichts gelernt?
"Hätte man eine Umfrage bei der Bevölkerung zum Zeitpunkt der Genehmigung des Rettungspaketes durchgeführt hätten vermutlich 2/3 gesagt, dass das Geld verloren ist.
Und wieder geht das Spielchen mit den Credit Default Swaps los ..."
Und vor allem mit den Horrorskopen der Rating-Agenturen, deren Einschätzungen man nicht mehr Bedeutung zubilligen sollte als den Lottotips beim Spätshophändler. Unglücklicherweise sind die Märkte, vor allem durch die inkompetente Politik der EZB und da vor allem der deutschen Vertreter derart verunsichert, daß die Herde in die Richtung trampelt, in die sie diese Knallkörper hindrängen.
"Was machen die Banken, die als Sicherungsgeber aufgetreten sind, wenn sie zahlen müssen?"
Theoretisch die Kredite abschreiben mit zeitweilig fallenden Aktienkursen und eventuell in Konkurs gehen. Aber wir hören ja von unserer Chefökonomin im BundeskanzlerInnenamt, daß die Banken systemisch bedeutsam sind und wir vor allem die retten müssen. Das bißchen Realwirtschaft, was da dranhängt, soll zusehen, wo es bleibt.
"Haben sie aus dem Platzen der Kreditblase nichts gelernt?"
Haben die Wirtschaftspolitiker daraus nichts gelernt, muß es heißen.
"Hätte man eine Umfrage bei der Bevölkerung zum Zeitpunkt der Genehmigung des Rettungspaketes durchgeführt hätten vermutlich 2/3 gesagt, dass das Geld verloren ist.
Und wieder geht das Spielchen mit den Credit Default Swaps los ..."
Und vor allem mit den Horrorskopen der Rating-Agenturen, deren Einschätzungen man nicht mehr Bedeutung zubilligen sollte als den Lottotips beim Spätshophändler. Unglücklicherweise sind die Märkte, vor allem durch die inkompetente Politik der EZB und da vor allem der deutschen Vertreter derart verunsichert, daß die Herde in die Richtung trampelt, in die sie diese Knallkörper hindrängen.
"Was machen die Banken, die als Sicherungsgeber aufgetreten sind, wenn sie zahlen müssen?"
Theoretisch die Kredite abschreiben mit zeitweilig fallenden Aktienkursen und eventuell in Konkurs gehen. Aber wir hören ja von unserer Chefökonomin im BundeskanzlerInnenamt, daß die Banken systemisch bedeutsam sind und wir vor allem die retten müssen. Das bißchen Realwirtschaft, was da dranhängt, soll zusehen, wo es bleibt.
"Haben sie aus dem Platzen der Kreditblase nichts gelernt?"
Haben die Wirtschaftspolitiker daraus nichts gelernt, muß es heißen.
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