GeldanlageRisiko Bankberatung

Verbraucherschützer stellen der Bankberatung ein vernichtendes Zeugnis aus: vielen Kunden werden die falschen Produkte verkauft. Wie Sie sich am besten vorbereiten. von Jörg Hackhausen

Auf Bankberater wird gerne und oft geschimpft. Verbraucherschützer kritisieren, dass bei der Beratung nicht das Kundeninteresse im Vordergrund stehe. "Die Angestellten der Banken werden nicht für das Beraten bezahlt, sondern für das Verkaufen. Und verkauft wird immer nur mit Blick auf die Provision", sagt Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen.

Auch das Urteil von Stiftung Warentest , die gerade erst in einem bundesweiten Feldversuch die Qualität von Bankberatern bewertet hat, fällt vernichtend aus. Von "flächendeckenden Verstößen gegen das Wertpapierhandelsgesetz" ist da die Rede. Nach Testbesuchen in 21 Banken, Volksbanken und Sparkassen bekamen sechs Institute die Note "mangelhaft". Die Note "gut" wurde gar nicht erst vergeben. "Viele Banken haben aus ihren Fehlern wenig gelernt und leisten sich weiterhin gravierende Versäumnisse", erklärte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner.

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Die Vorwürfe wiegen schwer – und sind kaum von der Hand zu weisen. Bleibt die Frage: Wie können sich Anleger schützen? Jeder, der Geld anlegen will, muss sich zumindest mit den Grundlagen befassen. "Er sollte zum Beispiel wissen, dass mehr Rendite nur mit mehr Risiko zu holen ist", sagt Martin Weber, Professor an der Universität Mannheim. Er appelliert, nicht unvorbereitet in das Gespräch mit dem Berater zu gehen - dann falle es leichter, die Tricks zu durchschauen.

Viele Anleger sind schon mit der Frage überfordert, was sie überhaupt mit ihrem Geld anfangen wollen. Möglichst sicher muss es sein, sagen die meisten. Etwas Rendite soll aber auch herausspringen. Und ständig verfügbar soll das Geld am besten auch sein. Sicherheit, Rendite und Verfügbarkeit - das sind drei Dinge, die in der Praxis kaum zu vereinbaren sind. Geldanlage heißt immer auch Kompromisse eingehen. Lassen Sie sich nicht einreden, es gebe da gerade ein besonders geniales Produkt, mit dem man alles auf einmal haben kann.

Anleger sollten sich klar machen, wofür sie das Geld brauchen: Für die eigene Altersvorsorge, die Ausbildung der Kindern, für ein neues Auto, die eigenen vier Wände – oder wollen Sie aus dem Geld einfach nur mehr Geld machen? Je wichtiger die Anschaffung für Sie, Ihre Zukunft und die Ihrer Familie ist, umso vorsichtiger sollten Sie sein.

Finden Sie heraus, welcher Risikotyp Sie sind. Können Sie noch ruhig schlafen, wenn ihre Euroscheine, die sie zur Bank gebracht haben, plötzlich weniger werden? Haben Sie die Nerven, Kursverluste auszusitzen - und im Ernstfall Wertpapiere sogar mit Verlust zu verkaufen? Oder ist die Angst, das Angesparte könnte am Ende weniger wert sein, letztendlich größer und raubt Ihnen den Schlaf? Wenn Sie die letzte Frage mit Ja beantwortet haben, sollten Sie auf der Hut sein. Lassen Sie sich von Ihrem Berater zu nichts überreden, vor allem nicht zu Produkten, die sie nicht verstehen.

Wer täglich auf sein Geld zugreifen will, es dazu noch relativ sicher haben möchte, der kann auf ein Tagesgeldkonto setzen. Aber dabei ist eben die Rendite mickrig. Wer auf höhere Rendite aus ist, könnte es zum Beispiel mit Aktien versuchen. Die lassen sich normalerweise auch an jedem Börsentag wieder verkaufen und zu Geld machen. Stellen Sie sich die Frage, wie lange Sie auf den Betrag, um den es geht, verzichten können. Ein Jahr, fünf Jahre, noch länger - oder will ich, sollte Bedarf bestehen, täglich an mein Geld herankommen? Je länger sie das Geld entbehren können, desto größer ist das Risiko, das Sie eingehen dürfen.

Wie viel Risiko darf es sein?

Der Lehrstuhl für Bankbetriebslehre der Universität Mannheim hat in Zusammenarbeit mit dem Verbraucherzentrale Bundesverband ein interaktives Programm entwickelt, mit dem Verbraucher ihre Risikoneigung testen können. Ziel ist es herauszufinden, ob sich auf diesem Weg ein besseres Verständnis von Geldanlagen erreichen lässt. Wer es ausprobieren möchte, findet den Test hier .

Ganz wichtig bei der Geldanlage: Überschätzen Sie sich nicht. Je weniger Sie sich mit diesen Themen auskennen, desto vorsichtiger sollten Sie sein. In Aktien oder Zertifikate sollten Anfänger Ihr Geld jedenfalls nicht stecken. Im umgekehrten Falle bedeutet es natürlich: je besser Sie sich auskennen, umso mehr dürfen Sie sich auch trauen – wenn Sie das denn wollen.

Leserkommentare
  1. bietet dieser Artikel leider auch nicht. Außer daß Banker grundsätzlich unseriös sind. Dabei haben Sie die einfachste
    Möglichkeit, wie man Verfügbarkeit, Rendite und Sicherheit wenigstens einigermaßen unter einen Hut bekommt, schlicht vergessen - Risikostreuung durch einen individuellen Anlagemix.

  2. "Haben Sie die Nerven, Kursverluste auszusitzen - und im Ernstfall Wertpapiere sogar mit Verlust zu verkaufen? Oder ist die Angst, das Angesparte könnte am Ende weniger wert sein, letztendlich größer und raubt Ihnen den Schlaf? Wenn Sie die letzte Frage mit Ja beantwortet haben, sollten Sie auf der Hut sein." Mit anderen Worten, eine Anlage lohnt sich nur, wenn Sie Verluste machen wollen :-)

    "Lassen Sie sich von Ihrem Berater zu nichts überreden, vor allem nicht zu Produkten, die sie nicht verstehen."
    Mal ehrlich, welches Produkt versteht man denn wirklich und glaubt es nicht nur zu verstehen?

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    Folgendes gilt es zu beachten:

    1.) Eine Bank ist ein Unternehmen wie jedes andere auch. Es möchte natürlich Geld verdienen. Das wurde hier mehrmals richtig erkannt.

    2.) Eine Bank verdient nur Geld, wenn sie Kunden hat. Bankgeschäfte sind Vertrauenssache. Der Kunde geht zu der Bank, welcher er am meisten vertraut. Die Bank hat also auch ein nachhaltiges Interesse intelligent zu beraten. Wir Kunden sind ja auch nicht alle blöd und merken es wenn wir über den Tisch gezogen werden.

    3.) Es gibt ja nicht nur eine Bank. Ich habe es immer als bereichernd empfunden mehrere Angebote einzuholen. Gerade wenn man Kredit braucht, kann man auch von mehreren Banken mehr Geld leihen - dann muss man natürlich selbst den Überblick haben.

    4.) Eine Bank erwirtschaftet Geld durch ihre Marke. Die Reputation zu zerstören durch krassen Betrug lohnt sich nicht. Die Citibank musste sich kürzlich umbenennen, weil man in der öffentlichen Wahrnehmung zu wenig Wert auf Qualität gelegt hat. Re-branding (TargoBank) ist verflucht teuer.

    5.) In einer freien Gesellschaft ist man immer nur eine Unterschrift vom Kauf von 10 Waschmaschinen entfernt - deshalb lasst uns genau anschauen, was wir unterschreiben.

    6.) Freiheit heißt Verantwortung und die kann auch Spaß machen.

  3. Wenn man seine Ersparnisse investieren will, wäre die Bank doch der allerletzte Ort, wo man sich beraten lassen sollte. Kein Wunder, dass man im Ausland die Deutschen für finanziell unbedarft hält.

    • Harzer
    • 03. August 2010 21:10 Uhr

    Wer selber wenig oder keine Ahnung hat, ist immer auf im Zweifel auch zweifelhafte "Berater" angewiesen.

    Heute sind das u.a. die Banker/Versicherungsverkäufer. Die verfolgen natürlich zuallererst ihre Interessen.
    Wer erwartet von einem Hütchenspieler ein ganz ehrliches Spiel ?

    Also, nicht naiv sein und sich möglichst viel eigene Kompetenz aneignen, auch wenn das Arbeit macht.

  4. Die Bank LEBT doch gerade von der Differenz, die sich zwischen meinen Sparzinsen und den von ihnen zu erreichenden Investitionszinsen ergibt. Oder etwa nicht? D.h. je mehr Zinsen ich fuer meine Anlage erhalte, umso geringer die Gewinnspanne fuer die Bank.
    Wer kann nun allen Ernstes so selten daemlich sein, sich ausgerechnet von seiner Bank in Finanzdingen beraten zu lassen? Die Bank ist doch nur der "Zwischenhaendler" zwischen meinem Vermoegen und deren Investitionsmoeglichkeiten. Und Zwischenhaendler, das weiss doch jeder, der schonmal ein Musikinstrument, eine Briefmarkensammlung oder was auch immer verkauft hat, druecken immer (!) den Preis.

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    ..., dass das Risiko bei vielen Fonds komplett auf dich abgewälzt wird. Ne Gewinnbeteiligung ist für die Bank drin, aber keine Verlustbeteiligung, sonst müssten sie ja ernsthaft spekulieren.

  5. Folgendes gilt es zu beachten:

    1.) Eine Bank ist ein Unternehmen wie jedes andere auch. Es möchte natürlich Geld verdienen. Das wurde hier mehrmals richtig erkannt.

    2.) Eine Bank verdient nur Geld, wenn sie Kunden hat. Bankgeschäfte sind Vertrauenssache. Der Kunde geht zu der Bank, welcher er am meisten vertraut. Die Bank hat also auch ein nachhaltiges Interesse intelligent zu beraten. Wir Kunden sind ja auch nicht alle blöd und merken es wenn wir über den Tisch gezogen werden.

    3.) Es gibt ja nicht nur eine Bank. Ich habe es immer als bereichernd empfunden mehrere Angebote einzuholen. Gerade wenn man Kredit braucht, kann man auch von mehreren Banken mehr Geld leihen - dann muss man natürlich selbst den Überblick haben.

    4.) Eine Bank erwirtschaftet Geld durch ihre Marke. Die Reputation zu zerstören durch krassen Betrug lohnt sich nicht. Die Citibank musste sich kürzlich umbenennen, weil man in der öffentlichen Wahrnehmung zu wenig Wert auf Qualität gelegt hat. Re-branding (TargoBank) ist verflucht teuer.

    5.) In einer freien Gesellschaft ist man immer nur eine Unterschrift vom Kauf von 10 Waschmaschinen entfernt - deshalb lasst uns genau anschauen, was wir unterschreiben.

    6.) Freiheit heißt Verantwortung und die kann auch Spaß machen.

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    Leider kann man eben nicht (!) von mehreren Banken echte Kreditangebote einholen (nur Modellrechnungen, die noch nichts darueber aussagen, ob und zu welchem Zinssatz man einen Kredit dann tasaechlich bekommt). Kaum hat man naemlich eine Anfrage bei der einen Bank eingereicht, ist dies bereits bei der Schufa eingetragen, so dass es so aussieht als wolle man gleich mehrere Kredite beantragen - und nicht nur die Konditionen des einen (!) vergleichen.

    • gorgo
    • 04. August 2010 6:29 Uhr

    Renomme ist Banken offenbar ziemlich gleichgültig, es kommt ja auch nicht heraus, was jeder so privat mit deren Beratern erlebt. Selbst bei so banalen Dingen wie dem Baugeld wird man von Großbanken - Postbank in meinem Fall, bzw. deren offizieller, tatsächlich "frei" arbeitender Berater - schlicht übers Ohr gehauen: Eben wurde mir bei sehr guter Sicherheit und Bonität Baugeld mit - relativ günstigen - "Zinsen" angeboten - das aber leider mit einer dazu nicht passenden, viel zu hohen Monatsrate versehen war. Beim schnellen Vergleich der Zinsen fiel das zunächst gar nicht auf. Die Monatsrate ergab allerdings umgerechnet fast ein Prozent mehr Zinsen als ausgewiesen. Als ich nachhakte, versuchte Herr P. sich herauszureden - es handele sich um die Differenz zwischen nominalem und effektivem Zins! Als ich das als lachhaft zurückwies, berief er sich auf sein "System", das ihm die Zahlen ausdrucke... Bezeichnenderweise weigert sich der tolle Berater beharrlich, schriftlich Stellung zu nehmen, versucht aber seit Tagen, mir mündlich "erklären" zu wollen, was er eigentlich "meinte".
    Die Reputation der Bank wird dadurch wohl kaum berührt - sie hat es nicht mal nötig, meine Beschwerde zu bearbeiten, ich warte seit einer Woche auf Rückmeldung. Mich würde tatsächlich interessieren, ob man gegen schlechte bzw. betrügerische Beratung überhaupt Möglichkeiten der Beschwerde außerhalb der Bank selbst hat - andernorts gibt es die Banken-Ombudsperson?

  6. Leider kann man eben nicht (!) von mehreren Banken echte Kreditangebote einholen (nur Modellrechnungen, die noch nichts darueber aussagen, ob und zu welchem Zinssatz man einen Kredit dann tasaechlich bekommt). Kaum hat man naemlich eine Anfrage bei der einen Bank eingereicht, ist dies bereits bei der Schufa eingetragen, so dass es so aussieht als wolle man gleich mehrere Kredite beantragen - und nicht nur die Konditionen des einen (!) vergleichen.

    • gorgo
    • 04. August 2010 6:29 Uhr

    Renomme ist Banken offenbar ziemlich gleichgültig, es kommt ja auch nicht heraus, was jeder so privat mit deren Beratern erlebt. Selbst bei so banalen Dingen wie dem Baugeld wird man von Großbanken - Postbank in meinem Fall, bzw. deren offizieller, tatsächlich "frei" arbeitender Berater - schlicht übers Ohr gehauen: Eben wurde mir bei sehr guter Sicherheit und Bonität Baugeld mit - relativ günstigen - "Zinsen" angeboten - das aber leider mit einer dazu nicht passenden, viel zu hohen Monatsrate versehen war. Beim schnellen Vergleich der Zinsen fiel das zunächst gar nicht auf. Die Monatsrate ergab allerdings umgerechnet fast ein Prozent mehr Zinsen als ausgewiesen. Als ich nachhakte, versuchte Herr P. sich herauszureden - es handele sich um die Differenz zwischen nominalem und effektivem Zins! Als ich das als lachhaft zurückwies, berief er sich auf sein "System", das ihm die Zahlen ausdrucke... Bezeichnenderweise weigert sich der tolle Berater beharrlich, schriftlich Stellung zu nehmen, versucht aber seit Tagen, mir mündlich "erklären" zu wollen, was er eigentlich "meinte".
    Die Reputation der Bank wird dadurch wohl kaum berührt - sie hat es nicht mal nötig, meine Beschwerde zu bearbeiten, ich warte seit einer Woche auf Rückmeldung. Mich würde tatsächlich interessieren, ob man gegen schlechte bzw. betrügerische Beratung überhaupt Möglichkeiten der Beschwerde außerhalb der Bank selbst hat - andernorts gibt es die Banken-Ombudsperson?

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    Schauen sie die Sparkassen an. Hier hat man einen Ruf, dass man mit denen nicht das große Geld machen kann, aber das sie solide arbeiten. Diesen Ruf haben sich die Sparkassen im negativen, wie im positiven Sinne erarbeitet, so was braucht über ein Jahrzehnt.

    Die Postbank gilt als Bank der kleinen Leute, Beratung am Postschalter mit niedriger Komplexität. Ein Unternehmer wird wohl kaum zur Postbank gehen. In dem Moment in dem sie ihre Erfahrungen hier schreiben, schadet das der Postbank.

    Schauen Sie MLP an. Die hatten zu Anfang einen guten Ruf, die Finanzverwalter für Ärzte und Anwälte. Dann hat man sein Modell des Strukturvertriebs überstrapaziert. Es folgte u.a. auch wegen Fehlern bei der Bilanzierung der Absturz.

    Solche Beispiele sind zahlreich.

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