Edelmetall : Der wahre Preis des Goldes

Gold ist gefragt wie nie, doch die Förderung verursacht weltweit große Schäden. In Guatemala wehren sich Anwohner gegen eine Mine – bislang erfolglos.
Eine Frau protestiert gegen in Guatemala-Stadt gegen Marlin, ihr Kind auf dem Rücken (Archivbild). Auf der Flagge steht: "Für die Würde der Völker, ja zum Leben und nein zum Metallbergbau" © Reuters

Gold ist die Währung der Pessimisten ; in der Krise gewinnt es an Wert. Als Ende Juni die Sorge um Europas Wirtschaft am größten war ,erreichte der Goldpreis mit 1262 Dollar je Feinunze seinen vorläufigen Höhepunkt. Danach schienen sich die Schwarzseher in der Wirtschaft und an der Börse ein wenig zu entspannen, und der Kurs fiel wieder. Doch die Beruhigung hielt nicht lange an. Jetzt lässt die Furcht vor Inflation und einer neuerlichen Verschlechterung der Konjunktur das Edelmetall wieder teurer werden. Die Feinunze Gold kostet im Moment 1224 Dollar, und ihr Preis steigt rasant.

Es ist ein seltsames Metall: Nur etwa 15 Prozent des jährlich geförderten Goldes wird überhaupt produktiv verwandt, in der Industrie oder für medizinische Zwecke. Der größte Teil wird zu Schmuck verarbeitet, der Rest wandert in die Tresore der Anleger. Sie sind es, welche die Preise des Edelmetalls treiben. Je ängstlicher die Investoren in die Zukunft schauen, desto stärker steigt der Kurs. Gold gilt als beständig im Wert, weil es so selten ist und seine Oberfläche relativ unempfindlich gegen Luft, Hitze oder Feuchtigkeit. Doch der Abbau von Gold bringt große Schäden mit sich. Der Verbrauch von Wasser und Land ist immens, giftige Chemikalien belasten Mensch und Umwelt, und die Arbeit der Bergleute ist zuweilen lebensgefährlich.

"Die Frage ist, ob man angesichts des geringen Bedarfs der Industrie Gold unter diesen Bedingungen überhaupt noch fördern sollte", sagt Ute Hausmann, Geschäftsführerin des deutschen Arms der Menschenrechtsorganisation FIAN , die sich für das Recht auf Nahrung einsetzt.

Guatemala spielt unter den Goldförderländern eine weniger bedeutende Rolle. Doch am Beispiel der Marlin-Mine im guatemaltekischen Hochland lässt sich zeigen, welche Konflikte der Goldabbau mit sich bringt. Marlin liegt etwa 300 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Guatemala-Stadt auf rund 2000 Metern über dem Meeresspiegel, im sogenannten corredor seco, einer trockenen, landwirtschaftlich wenig ertragreichen Zone. Hier wird seit fünf Jahren nach Gold geschürft, und ebenso lange gibt es Streit. Weil die Sicherheitskräfte die Proteste teils gewaltsam unterdrücken, kamen dabei auch Menschen ums Leben.

Dabei hätte es soweit gar nicht kommen dürfen. Als eines von nur 17 Ländern weltweit hat Guatemala die Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation ILO ratifiziert , die der lokalen indigenen Bevölkerung weitgehende Mitbestimmungsrechte über die Nutzung des von ihnen besiedelten Landes und seiner Ressourcen einräumt. Doch die Regierung habe die Lizenz zum Goldabbau ohne die vorgeschriebenen Konsultationen vergeben, sagen Menschenrechtsgruppen: Die Maya-Dorfgemeinschaften in der Nähe des Marlin-Projekts seien nie gefragt worden. "So entstand nicht nur die größte Mine Guatemalas", sagt Martin Wolpold-Bosien, Mittelamerika-Experte von FIAN. "Marlin war auch ein Präzedenzfall für eine ganze Reihe weiterer Lizenzen, die später vergeben wurden."

Menschenrechtler beklagen, der Konflikt um Marlin habe zu einer Militarisierung der Region und wachsender Gewalt geführt. Gegner des Goldabbaus werden attackiert, etwa Theodora Antonia Hernández Cinto, eine der größten Kritikerinnen der Mine. Sie wurde von Unbekannten Anfang Juli in ihrem Haus niedergeschossen. Nur wenige Tage später kam es zu einem Angriff auf einen anderen Minen-Gegner.

Weil Gold häufig über Tage abgebaut wird, zerstört die Förderung große Flächen Land. So auch in Guatemala: In der Marlin-Mine wird Gold sowohl unter Tage als auch in oberirdischen Gruben abgebaut. Der Landverbrauch werde die Landwirtschaft in der Region beeinträchtigen und den Hunger verschlimmern, befürchtet die guatemaltekische Menschenrechtsgruppe UDEFEGUA (Vereinigung zum Schutz von Menschenrechtlern in Guatemala). Ein Wasserkraftwerk, das die Grube mit Energie versorgen soll, wird zusätzliche Flächen benötigen.

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Kommentare

6 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Gold und andere Edelmetalle

Stellt euch vor,die Gipfel der Berge und die Meere erstrahlen im Gold,oder Indium,oder...oder.Gold kann tödlich sein,das konnten wir bei James Bond in Goldfinger erfahren.Mit dieser Tatsache sind ersteinmal alle goldenen Märchen ad absurdum geführt.Und welchen Wert hat Gold nun tatsächlich?Gold ist ein Metall.Ob es allerdings edel ist-diese Frage haben uns die Indianer doch schon beantwortet:erst wenn der letzte Baum gerodet,der letzte Fisch gefangen ist,werdet ihr merken das man Gold nicht essen kann.

Auch in Brasilien

Es gibt noch andere problematische Goldförderungen, so z.B. bei Jacobina, Brasilien durch die Yamana Gold Inc., ein kanadisches Unternehmen, das unter einem Naturschutzgebiet gräbt, in dem die Trinkwasserreserven der Region konzentriert sind. Und dabei gegen zahlreiche Umweltauflagen und Gesetze verstößt - was allerdings von der laschen Justiz kaum oder nur unzureichend verfolgt wird. Eine kritische Überprüfung durch die lokale Bevölkerung wird mit allen Mitteln verhindert.