Preisanstieg Das Endspiel um die Rohstoffe hat begonnen

Das Wachstum verteuert Erdöl und Metalle. Auch die Lebensmittelpreise steigen. Mit einer neuen Inflation rechnet kaum jemand, dennoch geben Ökonomen Alarmstufe Gelb.

Weizen in der Nähe von Stafford in Großbritannien kurz vor der Ernte. Der Weizenpreis ist in den vergangenen Tagen stark gestiegen

Weizen in der Nähe von Stafford in Großbritannien kurz vor der Ernte. Der Weizenpreis ist in den vergangenen Tagen stark gestiegen

Was da für eine Hektik herrscht! Wenn man in diesen Tagen Branchenberichte aus der Rohstoffbranche auf den Tisch bekommt, oder sich auf Chatseiten einschlägiger Händler aufhält, bekommt man ein Achterbahngefühl. Eine neue Hiobsbotschaft von der Flut in Pakistan , von den Flächenbränden in den Getreidefeldern Russlands , von Regenfällen auf brasilianischen Zuckerfeldern? Verkaufen! Wieder etwas besseres Wetter, Temperaturen sinken? Kaufen! (Oder zumindest nicht so schnell verkaufen.)

Insgesamt gehen die Preise jedenfalls nach oben. Und es ist keineswegs nur eine zynisch-abgeklärte Beschäftigung allein für Finanzmarktinsider, sich damit zu beschäftigen: Wie schnell das Auf und Ab beim Endverbraucher ankommt, haben in dieser Woche Lebensmittelhersteller in aller Welt demonstriert. Das fängt bei deutschen Bäckern an, wo Preiserhöhungen anstehen, und in Amerika wurden die Folgen am Donnerstag schon ganz konkret. Dort haben große Hersteller wie Sara Lee (Jimmy Dean Breakfast Sandwiches) und J.M. Smucker (Dunkin' Donuts) offiziell festgesetzt: Weil die Weizenpreise seit Juni um 70 Prozent gestiegen seien, und die Zutatenpreise insgesamt um 15 Prozent, bekomme der Großteil des Sortiments neue Preisschilder. Allein die Donuts werden neun Prozent teurer.

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Lebensmittel kosten mehr, Verbraucher ärgern sich, die Welternährungsorganisation warnt bereits vor einer möglichen Wiederholung der Hungerkrisen von 2008 – und wer etwas hilflos daneben steht, sind die Ökonomen. Denn diese Art von Preissteigerungen können sie so gut wie nicht vorhersagen. Die Nachfrage lässt sich einigermaßen prognostizieren: In sie fließt der mit dem steigenden Wohlstand steigende Fleischverzehr in vielen Ländern – der wiederum zu größerem Bedarf an Tierfutter führt – ebenso ein, wie das steigende Interesse an nachwachsenden Rohstoffen – die auf den Äckern häufig in Konkurrenz zu Nahrungsmitteln wachsen. Solche Dinge eben. Doch den Preis bestimmen die Nachfrage und das Angebot, jeden Tag von neuem. Und über das Angebot entscheidet maßgeblich das Wetter.

Deshalb reden Ökonomen auch viel lieber über andere Rohstoffe: Die so genannten "non-renewables", also die nicht-nachwachsenden Ressourcen. Öl und Gas zum Beispiel. Kupfer. Stahl und Kohle. "Seltene Erden" und "Seltene Metalle", die Erbium oder Gallium heißen, die keiner kennt, ohne die aber moderne Elektronik oder Werkstoffherstellung unmöglich ist. Auch ihre Preise haben in den vergangenen Wochen eine Achterbahnfahrt zurückgelegt. Auch mit ihnen geht es im Schnitt rasant nach oben.

Die Ökonomen verstehen sie deutlich besser. Sie warnen: Es herrscht Alarmstufe Gelb!

Bei Dingen wie Öl oder Metallen ist es nämlich so, dass ihre Nachfrage ziemlich eindeutig mit dem wirtschaftlichen Wachstum steigt. "Diese Dinge haben einen Trend", sagt Willi Semmler, ein Ökonom an der New School for Social Research in New York. Wenn man etwas produziert, werden diese Stoffe verbraucht. Darum sind ihre Preise in den vergangenen Jahren besonders eng mit dem Wachstum in den Ländern korreliert, in denen die meisten Fabriken der Welt stehen: mit China zum Beispiel, oder mit Indien. In diesen Ländern liegen die Wachstumsraten – Krise hin oder her – heute bei beeindruckenden acht, neun, zehn Prozent. So lange das weiter geht, dürften die Rohstoffpreise im Durchschnitt ihres hektischen Aufs und Abs auch weiter steigen.

Leser-Kommentare
  1. sucht mal bei Youtube danach..dann wisst ihr, was 2077 passiert ;)

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    JA! Die Game-Designer von Fallout haben (leider) ein sehr viel realistischeres Zukunftsszenario gezeichnet als 80% der Politiker, Journalisten und blinden Foristen, die ernsthaft glauben, 6 Mrd. Menschen (Trend steil nach oben) könnten noch weiter von den zum Teil fast aufgebrauchten Rohstoffen und der nicht weiter steigerbaren Landwirtschaft leben. LOL

    JA! Die Game-Designer von Fallout haben (leider) ein sehr viel realistischeres Zukunftsszenario gezeichnet als 80% der Politiker, Journalisten und blinden Foristen, die ernsthaft glauben, 6 Mrd. Menschen (Trend steil nach oben) könnten noch weiter von den zum Teil fast aufgebrauchten Rohstoffen und der nicht weiter steigerbaren Landwirtschaft leben. LOL

    • peto1
    • 13.08.2010 um 16:50 Uhr

    Ich würde Schonmal als Wirtschaftsminister Wasser Pipelines nach Richtung Süden auslegen, bedenkt man den Klimawandel wird Wasser in Zukunft der Exportschlager und Deutschland hat genug von diesem Rohstoff.

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    Als Wasserpipelines kann man die jetzigen Ölpipelines nehmen, da es ja bald kein Öl mehr geben wird.

    Als Wasserpipelines kann man die jetzigen Ölpipelines nehmen, da es ja bald kein Öl mehr geben wird.

  2. Die extrem hohen Ölpreise waren alleine der Spekultion zuzuschreiben. Einige hatten gemerkt, das es mit Aktien und Derivaten zum Crash kommt und sich auf "echte" Werte geworfen und diese gepushed.

    Das gleiche passiert auch jetzt gerade wieder. Die USA sind wirtschaftlich am Boden und werden dort noch eine Weile bleiben. Aktuell wurde für 200 Mrd importiert und nur für 150 Mrd. exportiert - was bedeutet, das es ein tägliches GAP von 2 Mrd. gibt, das nur über Kredit zu finanzieren ist.

    Das trotzdem sich alles auf den Dollarbereich stützt und den Euro wieder torpediert, ist eigentlich hirnrissig, aber andererseits ist der Boom des deutschen Maschinenbaus offensichtlich auch nur eine kurzzeitige Blase bis zum Eintritt des DoubleDip - und dann wird es richtig heftig.

  3. Wie wäre es mal einen Blick nach Lybien zu riskieren, gut Gaddhafi -aber er ist auch schon ruhiger geworden, ich halte ihn für einen egal was man denkt, Strategen der klug genug war manche Strukturen in seinem Land so zu lenken, das es sich langsam anschleicht, zu einer stillem Nacht im Nahen Osten, vielleicht sollte man sich auch mal die Infrastruktur ansehen, was wissen wir eigentlich von Lybien?

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    Na ja, von Lybien wissen wir nun rein überhaupt nichts. Was aber Gaddafi in seinem Libyen macht ist da schon interessanter. Der alte Stratege scheint sein Land mit ruhiger Hand sehr gut zu führen. Manche Ideen von ihm sind zwar sonderbar und erinnern etwas an FJS in seinen besten Zeiten in Bayern.

    Na ja, von Lybien wissen wir nun rein überhaupt nichts. Was aber Gaddafi in seinem Libyen macht ist da schon interessanter. Der alte Stratege scheint sein Land mit ruhiger Hand sehr gut zu führen. Manche Ideen von ihm sind zwar sonderbar und erinnern etwas an FJS in seinen besten Zeiten in Bayern.

  4. Ob dabei immer mal wieder ein paar Millionen Menschen drauf gehen... Unwichtig, Hauptsache "DIE WIRTSCHAFT" brummt und die Zinsen für die Vermögenden werden brav entrichtet. Das ganze nennt sich dann Demokratie und Freiheit.

  5. Als Wasserpipelines kann man die jetzigen Ölpipelines nehmen, da es ja bald kein Öl mehr geben wird.

    Antwort auf "Apropo Rohstoffe"
  6. Endspiel? Was soll das heißen? Dass sich Rohstoffe demnächst in Nichts auflösen?

    Spekulation eines immer noch ungezügelten, zerstörerischen Finanzsystems auf der Suche nach kurzfristigen Gewinnen ist offensichtlich der Auslöser der derzeitigen extremen Preisschwankungen.

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    • Piepen
    • 14.08.2010 um 12:10 Uhr

    Die Lebensräume der Menschen auf dieser Erde werden enger, der Verteilungskampf muss also heißer werden.Rohstoffe müssen zum Bequemlichkeitsgewinn vearbeitet werden. Also Ärmel aufkrempeln, wenn die fossilen Energieträger die Atmosphäre und die Meere antreiben. Mit Technik Energie umwandeln bedeutet: Geld arbeiten lassen?
    Leg eine Münze und ein Samenkorn in die Erde und beobachte, was passieren wird. Wer mit Hacken und Wässern der Natur nicht ins Getriebe pfuscht, trainiert bestimmt besser für den Endkampf als die Geldmacher an der Börse. Der Sieger im Endspiel: ein chinesicher Kuli?

    • Piepen
    • 14.08.2010 um 12:10 Uhr

    Die Lebensräume der Menschen auf dieser Erde werden enger, der Verteilungskampf muss also heißer werden.Rohstoffe müssen zum Bequemlichkeitsgewinn vearbeitet werden. Also Ärmel aufkrempeln, wenn die fossilen Energieträger die Atmosphäre und die Meere antreiben. Mit Technik Energie umwandeln bedeutet: Geld arbeiten lassen?
    Leg eine Münze und ein Samenkorn in die Erde und beobachte, was passieren wird. Wer mit Hacken und Wässern der Natur nicht ins Getriebe pfuscht, trainiert bestimmt besser für den Endkampf als die Geldmacher an der Börse. Der Sieger im Endspiel: ein chinesicher Kuli?

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