Seit fast einem Jahr bastelt die schwarz-gelbe Koalition an einem Anlegerschutzgesetz. Sparer und Investoren sollen künftig von den Dienstleistungen der Banken und von freien Finanzberatern profitieren, statt unter ihnen zu leiden. Gute Beratung mit Leidenschaft statt Beratung, die Leiden schafft.

Zwei Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise herrscht über die wesentlichen Ziele des Gesetzes Einigkeit. Vier Punkte stehen im Vordergrund: Produkte müssen für die Anforderungen des durchschnittlichen Verbrauchers geeignet und für ihn klar verständlich sein. Die Beratung muss ferner mit dem Ziel erfolgen, die beste Lösung für den Kunden zu finden, und kein Produkt auf den Finanzmärkten darf künftig ungeregelt bleiben.

Die Anforderungen hören sich selbstverständlich an, aber die Praxis zeigt, dass sie es nicht sind. 800.000 Finanzprodukte gibt es auf dem deutschen Markt, davon allein 400.000 Zertifikate. Zum Vergleich: In einem Aldi-Supermarkt werden nur 800 verschiedene Produkte angeboten.

Verstanden werden die Finanzprodukte aber nicht einmal mehr von den Banken selbst: Auf Fortbildungen kann das künftige Führungspersonal einfache Zertifikate nicht erklären, berichtet ein leitender Mitarbeiter einer Genossenschaftsbank. Trotzdem werden diese Produkte in Mengen angeboten und verkauft.

Finanztest berichtete im Januar 2010, dass zwei Drittel aller Bankkunden während einer Anlageberatung nicht nach ihren Einkommen, ein Drittel nicht nach ihren Vermögen gefragt werden. Eine Beratung kann unter solchen Umständen nur zufällig richtig erfolgen.

Die Prospekte, mit denen viele Bankprodukte heute verkauft werden, sind für normale Kunden unverständlich und werden auch von habilitierten Juristen als ein hartes Stück Arbeit beschrieben. Kurze, knackige, aber im Sinne des Kunden vollständige Produktinformationen fehlen.

Noch schlimmer ist es auf dem sogenannten Grauen Kapitalmarkt. Hier werden hochspekulative Produkte an Kleinsparer verkauft, weil den Verkäufern in diesem ungeregelten Markt besonders hohe Provisionen winken. Finanztest hat in den vergangenen 15 Jahren vor Anlagen bei der Göttinger Gruppe, bei Phoenix und in Schrottimmobilien gewarnt. Die Liste der Warnhinweise wird monatlich aktualisiert und ist im Internet abrufbar.

Die meisten Probleme werden vom Gesetzgeber aufgegriffen: So soll bei der Finanzaufsicht BaFin ein Register der Bankberater angelegt werden – ähnlich des Verkehrssünderregisters in Flensburg. Die BaFin soll so regelmäßig schlechter Beratung besser auf die Schliche kommen.

Außerdem sollen einheitliche kurze Produktinformationsblätter vorgeschrieben werden, um dem Kunden die Möglichkeiten zu geben, die gekauften Produkte auch zu verstehen.