BremerhavenEine Stadt kämpft gegen den Verfall

Armut, Arbeitslosigkeit und Spekulanten haben in Bremerhaven reihenweise Schrottimmobilien hinterlassen. Die Stadt sieht nur noch einen Ausweg: den Abriss.

Auf den Gehwegen liegt Schutt, die Fassade der Häuser bröckelt, Fenster und Türen sind mit Brettern vernagelt. Tauben flattern durch die zerbrochenen Glasscheiben im oberen Geschoss. Es riecht nach Dung und Schimmel. Gegenüber auf der anderen Straßenseite zerfällt eine Jugendstilvilla. Der Dachstuhl hat gebrannt. Das Betreten des Gebäudes ist verboten.

Schrottimmobilien wie diese dominieren gleich mehrere Straßenzüge, ein ganzes Gründerzeit-Viertel im Stadtkern ist vom Verfall bedroht. Wie ein Krebsgeschwür breitet er sich über der Stadt aus. Willkommen in Bremerhaven, der Stadt am Meer und der Stadt mit den meisten Schrottimmobilien in Westdeutschland.

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Insgesamt 5000 Wohnungen stehen in der 112.000 Einwohner zählenden Stadt leer, viele davon befinden sich in bester Lage. Anderswo wären die Häuser viel Geld wert. Nicht aber in Bremerhaven, einer Stadt, in der die Bevölkerung stark rückläufig und die Arbeitslosigkeit seit dem Niedergang der Seeschifffahrt hoch ist. Dass es nur 5000 sind, wertet die Kommune bereits als Erfolg. Es könnten noch mehr sein. Seit 2003 lässt die Stadt Immobilien abreißen, die nicht mehr bewohnbar sind. Den Anfang machten 2000 Wohnungen der städtischen Wohnungsbaugenossenschaft. Weil sich die Häuser in öffentlicher Hand befanden, war der Abriss keine große Sache. Anders verhält es sich jedoch mit Immobilien in Privatbesitz, schließlich lässt sich Privateigentum nicht einfach platt machen, auch dann nicht, wenn es zur Gefahr für die Allgemeinheit wird.

Aber wie konnte es soweit kommen? Bei einigen Immobilien sind schlicht die Besitzverhältnisse ungeklärt, bei anderen sind die Eigentümer mit den Problemen überfordert. Denn sehr häufig wurden die Schrottimmobilien von Spekulanten zu überhöhten Preisen und unter Vorspiegelung falscher Tatsachen an Ortsfremde verkauft . Banken haben die notwendigen Kredite meist ohne Bonitätsprüfung finanziert. Am Ende lasten auf dem geprellten Anleger Schulden, die er nicht bezahlen kann. Mieter sind für die Schrotthäuser nicht zu finden. So gammeln die Wohnungen langsam vor sich hin. 

Der Begriff Schrottimmobilien

Der Begriff bedeutet nicht notwendigerweise, dass eine Immobilie in einem unsanierten oder gar unbewohnbaren Zustand ist. Vielmehr werden als Schrottimmobilien solche Wohnungen bezeichnet, die dem Erwerber unter Vorspiegelung falscher Tatsachen deutlich über Wert verkauft wurden.

Die Fälle

Das Muster verläuft in den meisten Fällen ähnlich. Die Wohnungen werden über Strukturvertriebe vermittelt, welche die Immobilien billig aufkaufen und zumeist über gute Kontakte zu den finanzierenden Banken verfügen. Die Wohnungen werden dann deutlich über den Marktpreisen verkauft. Die Berater der Vertriebe kassieren zweimal ab: Zum einen verdient der Vermittler am deutlich überhöhten Verkaufspreis, zum anderen bekommt er satte Provisionen. 15 bis 35 Prozent vom Kredit sind in der Branche keine Seltenheit.

Die Anleger merken nicht, dass sie getäuscht werden, weil die Vermittler psychologisch geschult sind. Sie machen den Anlegern falsche Versprechungen. Meistens ist davon die Rede, durch den Immobilienerwerb Steuern sparen zu können. Die Berechnungen, wonach sich der Erwerb als günstig erweise, werden in der Regel durch unrealistische Mieteinnahmen frisiert. In den meisten Fällen werden die Immobilien als Rundum-Sorglos-Paket angepriesen. Die Käufer sehen sich vor Erwerb die Wohnungen gar nicht an oder bekommen Musterwohnungen zu sehen. Meist werden die Erwerber unter einen großen Zeitdruck gesetzt, sodass sie die Verträge nicht ausreichend prüfen können.

Juristische Probleme

Beweislast:

Dass sie getäuscht und unter falschen Versprechungen die Immobilie erworben haben, müssen die geprellten Anleger beweisen. Dies macht einen Prozess besonders schwierig.

Schadensansprüche gegen die Vermittler:

Schadensansprüche gegen die Vertriebe, über welche die Immobilien und die Bankenkredite vermittelt wurden, sind in der Regel sehr schwer durchzusetzen. Die Firmen sind zu dem Zeitpunkt, wenn die Anleger den Betrug bemerken, häufig schon insolvent oder betreiben das Geschäft unter einem anderen Namen, einer anderen Rechtsform und meist auch an einem anderen Standort weiter. Die Banken drängen unterdessen auf die Zinsen und Tilgung der Kredite.

Widerrufsrecht:

Den Kauf der Immobilie zu widerrufen, ist juristisch ebenfalls sehr schwer. In vielen Fällen werden den Anlegern die Immobilien in sogenannten Haustürgeschäften verkauft. Lange Zeit war das Widerrufsrecht für Verbraucher auf Kreditverträge, die als sogenanntes Haustürgeschäft zustande gekommen sind, nicht anwendbar. Nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) sowie der Europäische Gerichtshof (EuGH) Grundsatzurteile gefällt haben, gibt es nun aber das Recht auf einen Widerruf. Allerdings richten sich die Folgen des Widerrufs danach, ob der Kreditvertrag mit dem Erwerbsvertrag für die Immobilie wirtschaftlich verbunden war. Waren beide Verträge wirtschaftlich getrennt, bleiben sie es auch nach Widerruf des Darlehens. Der Immobilienkauf kann dann nicht rückabgewickelt werden, der Widerruf bringt also nicht den gewünschten Erfolg.

Schadensersatzansprüche gegen die Banken:

Wenn die Vermittler die Anleger über die Werthaltigkeit der Immobilie durch unrichtige Angaben vorsätzlich getäuscht haben, kann die finanzierende Bank – obwohl die Vermittler nicht ihre Mitarbeiter sind – haftbar gemacht werden. Darum führen die meisten geprellten Anleger Prozesse gegen die finanzierenden Banken. Ein solcher Prozess hat aber nur dann Aussichten auf Erfolg, wenn nachgewiesen werden kann, dass die Bank einen Wissensvorsprung besaß. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn die Bank wusste, dass eine Immobilie nicht den Wert hatte, für den sie den Kredit vergeben hatte. Ihr bleibt aber die Möglichkeit, ihre Unkenntnis von den falschen Angaben zu beweisen. Der geprellte Anleger muss also zum einen das institutionelle Zusammenwirken der Bank mit dem dubiosen Vertrieb beweisen, als auch belegen, dass die Bank vom niedrigeren Wert der Immobilie Kenntnis hatte. Dies gelingt nur in ganz wenigen Fällen.

Verjährungsfristen:

Lange war ungeklärt, ab welchen Zeitpunkt die Möglichkeit eines Schadensersatzes verjährt. Der BGH hat 2007 verbraucherfreundlich entschieden, dass die Verjährungsfrist erst dann beginnt, wenn der Käufer Kenntnis davon erlangt, dass er getäuscht wurde. Nach der Krise wurde die Verjährungsfrist zudem von drei auf zehn Jahre angehoben.

"Die Häuser ziehen Junkies an, es finden anonyme Partys statt. Der Leerstand führt zu einem Mietausfall für die Eigentümer, verfallene Balkone oder Erker werden zur Gefahr. Schließlich sinkt durch eine solche Nachbarschaft auch der Wert der benachbarten Häuser", schildert Volker Holm (CDU), Leiter des Baudezernats Bremerhaven, die Probleme. Für ihn steht fest: Die Schrottimmobilien infizieren erst einen Straßenzug, dann einen Stadtteil und schließlich die ganze Stadt. Sie müssen weg – im Notfall durch eine Enteignung und einen Zwangsabriss.

"Menschen, die objektiv nicht in der Lage sind, sich um ihr Eigentum zu kümmern, müssen mit Konsequenzen rechnen", sagt Holm. Er ist ein zackiger kleiner Mann mit einem stechenden Blick. Er spricht schnell, lässt kaum Zwischenfragen zu. Ein Typ, der sich wohlfühlt in der Rolle des durchgreifenden Politikers. Aber Holm ist kein Hardliner. Er weiß, dass ein Abriss für die Besitzer ein harter Schlag ist. Die meisten befinden sich in einem langwierigen Rechtsstreit. Oft mit wenig Aussicht auf Erfolg – die Banken und Spekulanten sind harte Gegner.

Auch für die Stadt. "Wir haben Zwangsversteigerungen erlebt, in denen offenkundig Strohmänner der Banken saßen und den Kaufpreis hochgetrieben haben, damit der Kredit nicht in voller Höhe abgeschrieben werden muss", sagt der CDU-Politiker. Ihn ärgert diese Rücksichtslosigkeit. Seit Jahren geht das nun schon so. Kaum ist eine Schrottimmobilie nach einem Vergleich abgewickelt, wird sie erneut überteuert veräußert, und das Spiel beginnt von vorn. 

Damit soll nun Schluss sein. Bremerhaven hat ein Schlupfloch im Gesetz gefunden. Vorkaufortsgesetz heißt die Regelung, die der Stadt im Rahmen eines komplizierten Verfahrens ein Vorkaufsrecht an Immobilien sichert, die unbewohnbar und wirtschaftlich nicht mehr zu retten sind. "Wir übernehmen diese Immobilien zu einem möglichst niedrigen Wert und reißen sie ab. Voraussetzung ist aber, dass die Bank auch die Grundschuld löscht", sagt Holm. Und hier liegt der Knackpunkt: Warum sollten die Banken den Besitzern Kreditschulden erlassen, wenn Anlegerschutzanwälte sich in oftmals jahrelangen Verhandlungen die Zähne ausbeißen? "Weil die Banken damit rechnen müssen, dass wir die Fälle von krasser Überfinanzierung publik machen, und die Banken dann selbst nach Schadensbegrenzung suchen", sagt Holm.

Einer, der sich wünscht, die Banken würden seine Schrottimmobilienkredite einfach löschen, ist Clemens Richter*. Er arbeitet als Führungskraft in einem Dax-Konzern und suchte Ende 2002 ein Anlageobjekt. Fündig wurde er bei einem Immobilienvertrieb, der ihm ein Rundum-Sorglos-Paket inklusive Sanierung und Verwaltung für gleich fünf Wohnungen in einem Mehrfamilienhaus in Bremerhaven anpries. Alle Immobilien seien Sanierungsobjekte, die nach einer Renovierung lukrative Mieteinnahmen einbrächten, versprachen die Verkäufer. Drei Wohnungen finanzierten Töchter der Landesbank Baden-Württemberg, die anderen beiden die Deutsche Bank. Richter sah sich die Wohnungen nie an. Er lebte 2002 in Süddeutschland und vertraute dem Hochglanzprospekt, verließ sich bei der Finanzierung auf vorgelegte Rentabilitätsberechnungen und die versprochenen Mieterträge. Gutachten stellten inzwischen fest, dass der tatsächliche Wert der Wohnungen 75 Prozent unter dem Kaufpreis liegt. Seit acht Jahren klagt Richter nun auf Rückabwicklung, die Wohnungen in Bremerhaven sind ihm egal.

Leserkommentare
    • ntrues
    • 01.03.2011 um 14:52 Uhr

    instand besetzen.

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    • alkyl
    • 01.03.2011 um 15:31 Uhr

    so viele Instandbesetzer finden Sie nicht für diese Stadt, ebenso wie für Wilhelmshaven, wo es genauso bzw. noch schlimmer aussieht. Die bloße Beschreibung "x-tausend leerstehende Wohnungen" reicht kaum aus, damit Ortsfremde sich den tatsächlichen Zustand vorstellen können.

    • alkyl
    • 01.03.2011 um 15:31 Uhr

    so viele Instandbesetzer finden Sie nicht für diese Stadt, ebenso wie für Wilhelmshaven, wo es genauso bzw. noch schlimmer aussieht. Die bloße Beschreibung "x-tausend leerstehende Wohnungen" reicht kaum aus, damit Ortsfremde sich den tatsächlichen Zustand vorstellen können.

    • alkyl
    • 01.03.2011 um 15:00 Uhr

    Sie meinten bestimmt WIHELMShaven ;-) .

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    ... glauben Sie mir als Mensch, der 20 Jahre in Bremerhaven gelebt hat. Es handelt sich um den Stadtteil Lehe, wer mag, kann sich ja in GoogleEarth das Dilemma von oben anschauen:

    53°33'19,97" N 8°34'47,38" O

    Mittendrin, statt nur dabei.In der Tat, sehr schöne Häuser, gute Lage (nahe am Stadtzentrum) - nur der Zustand vieler, wirklich vieler Häuser ist mehr als erschreckend. Ich lebe inzwischen im Osten und hier sieht es deutlich besser aus!

    ... glauben Sie mir als Mensch, der 20 Jahre in Bremerhaven gelebt hat. Es handelt sich um den Stadtteil Lehe, wer mag, kann sich ja in GoogleEarth das Dilemma von oben anschauen:

    53°33'19,97" N 8°34'47,38" O

    Mittendrin, statt nur dabei.In der Tat, sehr schöne Häuser, gute Lage (nahe am Stadtzentrum) - nur der Zustand vieler, wirklich vieler Häuser ist mehr als erschreckend. Ich lebe inzwischen im Osten und hier sieht es deutlich besser aus!

  1. Leider ist der Beitrag nicht in allen Stellen richtig.

    Schon der einleitende Satz: "Die Stadt sieht nur noch einen Ausweg: den Abriss." ist so nicht richtig. Bild 1 und 2 zeigt keine Jugendstilvilla im Stadtteil Lehe, sondern offenbar das Mehrfamilienhaus Schleusenstraße 33 im Stadtteil Mitte. Das Gebäude wird nicht abgerissen, sondern von der Städischen Wohnungsgesellschaft StäWoG (im Artikel offenbar fälschlich als "städitsche Wohnungsbaugenossenschaft" bezeichnet) laut einem Bericht der in Bremerhaven erscheinenden Nordsee-Zeitung vom 8. Februar 2011 für über zwei Millionen Euro saniert.

    In Bremerhaven sind in den letzten Jahren zahlreiche Mehrfamilienhäuser abgerissen worden, auch sog. "Schrottimmobilien". Allerdings waren es in der Mehrzahl Gebäude aus den 1950er und 1960er Jahren mit heute nicht mehr zeitgemäßer Ausstattung in den Stadtteilen Wulsdorf, Geestemünde und Leherheide.

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    Redaktion

    Lieber Redfox26,

    danke für Ihre Anmerkung.

    Wir haben jedoch an keiner Stelle im Text behauptet, dass das von Ihnen genannte Objekt abgerissen wird. Es ist tatsächlich so, dass einige wenige Schrottimmobilien - je nach Zustand und je nachdem, ob es Investoren gibt - von der Stadt aufwendig saniert werden, sofern dies eben noch möglich ist und sofern zu erwarten ist, dass das Objekt dann bewirtschaftet werden kann. (Siehe zweite Seite des Artikels)

    Wie Sie feststellen, sind zahlreiche Immobilien abgerissen worden. Es waren zunächst 2000 Wohnungen aus den 50er und 60er Jahren, die im öffentlichen Besitz waren. Jetzt geht es aber um Immobilien, die in Privatbesitz sind und die zumeist in betrügerischer Absicht an Ortsfremde veräußert wurden. Hierbei gilt es zu differenzieren.

    mit freundlichen Grüßen,

    Tina Groll

    Redaktion

    Lieber Redfox26,

    danke für Ihre Anmerkung.

    Wir haben jedoch an keiner Stelle im Text behauptet, dass das von Ihnen genannte Objekt abgerissen wird. Es ist tatsächlich so, dass einige wenige Schrottimmobilien - je nach Zustand und je nachdem, ob es Investoren gibt - von der Stadt aufwendig saniert werden, sofern dies eben noch möglich ist und sofern zu erwarten ist, dass das Objekt dann bewirtschaftet werden kann. (Siehe zweite Seite des Artikels)

    Wie Sie feststellen, sind zahlreiche Immobilien abgerissen worden. Es waren zunächst 2000 Wohnungen aus den 50er und 60er Jahren, die im öffentlichen Besitz waren. Jetzt geht es aber um Immobilien, die in Privatbesitz sind und die zumeist in betrügerischer Absicht an Ortsfremde veräußert wurden. Hierbei gilt es zu differenzieren.

    mit freundlichen Grüßen,

    Tina Groll

  2. Was passiert denn hier makroökonomisch?

    Die Menschen ziehen von altindustrialisierten Regionen mit hochwertiger, alter Bausubstanz in die neuindustrialisierten Regionen, z.Bsp. Bayern und Teile BaWüs. In diesen Regionen ist ein Großteil des Wohnraums an die heutigen Wirtschaftsbedingungen angepasster. Die Wohnungen sind i.R. besser isoliert, haben niedrigere Decken, haben niedrigere Instandhaltungskosten und stehen für einen flexibleren, weniger auf private Repräsentation fixierten Lebensstil. Oftmals ist es jedoch so, dass dieser alte Wohnstil noch dem bürgerlichen Ideal entspricht.

    Daher ist die einzige Lösung dieses Problems für mich ein Wiederherstellen des Bürgerlichen. Da Bürgerlichkeit in Deutschland immer geknüpft war an einen Anstieg der Institutionalisierung und einen Anstieg des Arbeitsteilungsgrades in wachsenden urbanen Strukturen, kann der einzige vernünftige Weg sein wieder ein rigoroses Bevölkerungswachstum einzuleiten, von dem auch ökonomisch schwächere Regionen profitieren.

    Es gibt so viel Überbevölkerung auf der Welt, da verstehe ich nicht, warum man sich in Deutschland gegen eine starke Immigration sperrt. Blickt man auf unsere Städte, kommt einem dieses Nicht-handeln geradezu schizophren vor. Die Frage ist, ob die Deutschen ihre Altbausubstanz weiterhin zu Gunsten von 70er-Jahre-Baukästen vernachlässigen wollen, die nur alsöknomische Zweckmäßigkeit, aber nicht als Steigerung der Lebensqualität wahrgenommen wird.

    Eine Leserempfehlung
    • JMD
    • 01.03.2011 um 15:30 Uhr

    alles nicht wirklich schön, aber in vielen Kleinstädten und Dörfern im Osten sieht's doch oft auch nicht viel besser aus. Selbst in Berlin finden sie, unweit von Friedrichstraße oder Nikolaiviertel, eher wenig spektakulär und sehr zentral die schönsten Immobilen vor sich hin zerfallen. Aber ist eb'm nich allet Mitte-Mitte. Na die Schwaben (oder sonst wer) werden's schon irgendwann finden… Schade nur um die historische Bausubstanz andernorts.

    • alkyl
    • 01.03.2011 um 15:31 Uhr

    so viele Instandbesetzer finden Sie nicht für diese Stadt, ebenso wie für Wilhelmshaven, wo es genauso bzw. noch schlimmer aussieht. Die bloße Beschreibung "x-tausend leerstehende Wohnungen" reicht kaum aus, damit Ortsfremde sich den tatsächlichen Zustand vorstellen können.

    Eine Leserempfehlung
  3. ... glauben Sie mir als Mensch, der 20 Jahre in Bremerhaven gelebt hat. Es handelt sich um den Stadtteil Lehe, wer mag, kann sich ja in GoogleEarth das Dilemma von oben anschauen:

    53°33'19,97" N 8°34'47,38" O

    Mittendrin, statt nur dabei.In der Tat, sehr schöne Häuser, gute Lage (nahe am Stadtzentrum) - nur der Zustand vieler, wirklich vieler Häuser ist mehr als erschreckend. Ich lebe inzwischen im Osten und hier sieht es deutlich besser aus!

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    • alkyl
    • 01.03.2011 um 16:37 Uhr

    Wollte nur anmerken, daß nicht nur Bremerhaven betroffen ist, sondern auch Wilhelmshaven.

    • alkyl
    • 01.03.2011 um 16:37 Uhr

    Wollte nur anmerken, daß nicht nur Bremerhaven betroffen ist, sondern auch Wilhelmshaven.

  4. Redaktion

    Lieber Redfox26,

    danke für Ihre Anmerkung.

    Wir haben jedoch an keiner Stelle im Text behauptet, dass das von Ihnen genannte Objekt abgerissen wird. Es ist tatsächlich so, dass einige wenige Schrottimmobilien - je nach Zustand und je nachdem, ob es Investoren gibt - von der Stadt aufwendig saniert werden, sofern dies eben noch möglich ist und sofern zu erwarten ist, dass das Objekt dann bewirtschaftet werden kann. (Siehe zweite Seite des Artikels)

    Wie Sie feststellen, sind zahlreiche Immobilien abgerissen worden. Es waren zunächst 2000 Wohnungen aus den 50er und 60er Jahren, die im öffentlichen Besitz waren. Jetzt geht es aber um Immobilien, die in Privatbesitz sind und die zumeist in betrügerischer Absicht an Ortsfremde veräußert wurden. Hierbei gilt es zu differenzieren.

    mit freundlichen Grüßen,

    Tina Groll

    2 Leserempfehlungen
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    • alkyl
    • 01.03.2011 um 17:54 Uhr

    "Jetzt geht es aber um Immobilien, die in Privatbesitz sind und die zumeist in betrügerischer Absicht an Ortsfremde veräußert wurden."

    Richtig! Auch auf die Gefahr hin, daß es langweilig wird, komme ich noch mal auf Wilhelmshaven zurück, weil ich die Situation dort besser kenne. Ich habe mal mit einem Immobiliensachverständigen gesprochen, der mir erzählte, daß seit den Siebziger Jahren regelrechte Drückerkolonnen ganze Straßenzüge in der Wilhelmshavener Südstadt (die wunderschön sein könnte!) wohnungsweise an ahnungslose Leute "in Süddeutschland" verhökert haben. Dadurch gehören fast alle Häuser dort vielen verschiedenen Eigentümern, die teilweise längst nicht mehr bekannt sind. Die Stadt hat sehr erfolglos versucht, zumindest einzelne Häuser wieder zusammenzukaufen, um sie sanieren zu können und so zumindest ein Zeichen zum Aufbruch zu setzen. Keine Chance.

    Ein Trauerspiel. Auf der anderen Seite ist es erschreckend, wie viele Menschen bereit waren und wohl noch immer sind, für ihren eigenen Profit auf jedes noch so windige Angebot einzugehen. Daß sie dabei auf die Nase fallen, vermag mich kaum zu stören. Daß eine ganze Stadt (oder sogar zwei, wenn man Bremerhaven mitzählt) dadurch vor den Augen ihrer Bürger zerfällt und niemand etwas dagegen tun kann, das jedoch finde ich unerträglich.

    • alkyl
    • 01.03.2011 um 17:54 Uhr

    "Jetzt geht es aber um Immobilien, die in Privatbesitz sind und die zumeist in betrügerischer Absicht an Ortsfremde veräußert wurden."

    Richtig! Auch auf die Gefahr hin, daß es langweilig wird, komme ich noch mal auf Wilhelmshaven zurück, weil ich die Situation dort besser kenne. Ich habe mal mit einem Immobiliensachverständigen gesprochen, der mir erzählte, daß seit den Siebziger Jahren regelrechte Drückerkolonnen ganze Straßenzüge in der Wilhelmshavener Südstadt (die wunderschön sein könnte!) wohnungsweise an ahnungslose Leute "in Süddeutschland" verhökert haben. Dadurch gehören fast alle Häuser dort vielen verschiedenen Eigentümern, die teilweise längst nicht mehr bekannt sind. Die Stadt hat sehr erfolglos versucht, zumindest einzelne Häuser wieder zusammenzukaufen, um sie sanieren zu können und so zumindest ein Zeichen zum Aufbruch zu setzen. Keine Chance.

    Ein Trauerspiel. Auf der anderen Seite ist es erschreckend, wie viele Menschen bereit waren und wohl noch immer sind, für ihren eigenen Profit auf jedes noch so windige Angebot einzugehen. Daß sie dabei auf die Nase fallen, vermag mich kaum zu stören. Daß eine ganze Stadt (oder sogar zwei, wenn man Bremerhaven mitzählt) dadurch vor den Augen ihrer Bürger zerfällt und niemand etwas dagegen tun kann, das jedoch finde ich unerträglich.

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