ZEIT ONLINE: Herr Schmidli, warum sollen Anleger in Wasser investieren?

Denis Schmidli: Wasser ist eine knappe Ressource. Schon jetzt haben mehr als 800 Millionen Menschen weltweit keinen Zugang zu genügend sauberem Wasser. Künftig könnten es noch mehr sein, denn die Bevölkerung wächst. Im Jahr 2050 sollen neun Milliarden Menschen auf der Erde leben, heute sind es sieben Milliarden. Immer mehr Regionen leiden unter Wasserknappheit. Ohne Wasser kann man nicht überleben, es ist der erste Schritt, um ein würdiges Leben zu führen.

ZEIT ONLINE: Unternehmen, die im Wassersektor aktiv sind, wollen vor allem Geschäfte machen. Wieso sollten sie sich für das Wohl der Armen interessieren?

Schmidli: Die Wasserindustrie leistet ihren Beitrag, um das Knappheitsproblem zu reduzieren. Es stimmt, die Ressource Wasser ist oftmals politisiert. Es muss ein Grundrecht auf Wasser geben. Aber um es zu gewährleisten, braucht man Leitungen, Technologie – die Staaten können diese Infrastruktur nicht alleine bereitstellen. Die Technik kommt aus den Unternehmen. Viele der Firmen sind börsennotiert. Da bietet es sich an, Geld in sie zu investieren. Der Anleger profitiert, sein Geld bewirkt etwas Gutes, am Ende haben auch die Konsumenten etwas davon. Das ist eine klassische Win-Win-Situation.

ZEIT ONLINE: Muss man dafür unbedingt die öffentliche Wasserversorgung privatisieren?

Schmidli: Nicht notwendigerweise. In manchen Ländern kann der Staat die nötigen Investitionen aber gar nicht stemmen. In China zum Beispiel: Dort muss Infrastruktur an Orten installiert werden, an denen es bisher keine gab, etwa in den sehr schnell wachsenden Städten. Die öffentliche Hand kann das in diesen Dimensionen nicht bereitstellen, aber spezialisierte Unternehmen mit dem richtigen Know-how leisten hierzu als Technologielieferanten oder Versorgungsexperten ihren wesentlichen Beitrag.

ZEIT ONLINE: Ein Argument, mit dem Sie um Investoren werben, lautet: Der Wasserpreis steigt stärker als die Inflation und wird das auch künftig tun. Wie passt das zum Recht der Armen auf Wasser?

Schmidli: Wasser braucht einen Preis. Nur dann wird man mit der Ressource vernünftig umgehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Preise auf ein unbezahlbar hohes Niveau steigen werden. In China, um beim Beispiel zu bleiben, kostet die Installation von Wasserleitungen deutlich weniger als in Deutschland, bei gleichem Arbeitsaufwand. Staaten haben ein eigenes Interesse daran, dass keine Konflikte ums Wasser entstehen. Unternehmen werden nur dort operieren, wo ihr kommerzielles Interesse realisierbar ist. Und die Kunden werden aufbegehren, wenn die Preise zu sehr steigen.

ZEIT ONLINE: Das ist ja auch schon geschehen. In Bolivien mussten sich internationale Investoren nach Protesten aus Cochabamba zurückziehen. Auch in La Paz protestierten Anwohner gegen ein Konsortium unter Beteiligung von Suez. Der Pictet-Wasserfonds hält Anteile an Suez. Wie gehen Sie mit solchen Konflikten um?