Fondsexperte Denis Schmidli : "Wasser braucht einen Preis"

Private Firmen können helfen, die Welt mit Wasser zu versorgen, sagt Themenfondsexperte Denis Schmidli im Interview. Wie passen Geschäftsinteresse und Verantwortung zusammen?
Ein pakistanischer Junge aus einem Armenviertel von Karatschi trinkt Wasser aus einem Brunnen. © Rizwan Tabassum/AFP/Getty Images

ZEIT ONLINE: Herr Schmidli, warum sollen Anleger in Wasser investieren?

Denis Schmidli: Wasser ist eine knappe Ressource. Schon jetzt haben mehr als 800 Millionen Menschen weltweit keinen Zugang zu genügend sauberem Wasser. Künftig könnten es noch mehr sein, denn die Bevölkerung wächst. Im Jahr 2050 sollen neun Milliarden Menschen auf der Erde leben, heute sind es sieben Milliarden. Immer mehr Regionen leiden unter Wasserknappheit. Ohne Wasser kann man nicht überleben, es ist der erste Schritt, um ein würdiges Leben zu führen.

ZEIT ONLINE: Unternehmen, die im Wassersektor aktiv sind, wollen vor allem Geschäfte machen. Wieso sollten sie sich für das Wohl der Armen interessieren?

Denis Schmidli

ist als Produktmanager bei Pictet verantwortlich für elf Themenfonds, die sich an von der Bank identifizierten Megatrends orientieren. Einer davon ist der Wasserfonds Pictet Water, mit mehr als 2,4 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen nach Angaben der Bank der größte Wasserfonds weltweit. Schmidli arbeitet seit zehn Jahren bei Pictet.

Schmidli: Die Wasserindustrie leistet ihren Beitrag, um das Knappheitsproblem zu reduzieren. Es stimmt, die Ressource Wasser ist oftmals politisiert. Es muss ein Grundrecht auf Wasser geben. Aber um es zu gewährleisten, braucht man Leitungen, Technologie – die Staaten können diese Infrastruktur nicht alleine bereitstellen. Die Technik kommt aus den Unternehmen. Viele der Firmen sind börsennotiert. Da bietet es sich an, Geld in sie zu investieren. Der Anleger profitiert, sein Geld bewirkt etwas Gutes, am Ende haben auch die Konsumenten etwas davon. Das ist eine klassische Win-Win-Situation.

ZEIT ONLINE: Muss man dafür unbedingt die öffentliche Wasserversorgung privatisieren?

Schmidli: Nicht notwendigerweise. In manchen Ländern kann der Staat die nötigen Investitionen aber gar nicht stemmen. In China zum Beispiel: Dort muss Infrastruktur an Orten installiert werden, an denen es bisher keine gab, etwa in den sehr schnell wachsenden Städten. Die öffentliche Hand kann das in diesen Dimensionen nicht bereitstellen, aber spezialisierte Unternehmen mit dem richtigen Know-how leisten hierzu als Technologielieferanten oder Versorgungsexperten ihren wesentlichen Beitrag.

ZEIT ONLINE: Ein Argument, mit dem Sie um Investoren werben, lautet: Der Wasserpreis steigt stärker als die Inflation und wird das auch künftig tun. Wie passt das zum Recht der Armen auf Wasser?

Schmidli: Wasser braucht einen Preis. Nur dann wird man mit der Ressource vernünftig umgehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Preise auf ein unbezahlbar hohes Niveau steigen werden. In China, um beim Beispiel zu bleiben, kostet die Installation von Wasserleitungen deutlich weniger als in Deutschland, bei gleichem Arbeitsaufwand. Staaten haben ein eigenes Interesse daran, dass keine Konflikte ums Wasser entstehen. Unternehmen werden nur dort operieren, wo ihr kommerzielles Interesse realisierbar ist. Und die Kunden werden aufbegehren, wenn die Preise zu sehr steigen.

ZEIT ONLINE: Das ist ja auch schon geschehen. In Bolivien mussten sich internationale Investoren nach Protesten aus Cochabamba zurückziehen. Auch in La Paz protestierten Anwohner gegen ein Konsortium unter Beteiligung von Suez. Der Pictet-Wasserfonds hält Anteile an Suez. Wie gehen Sie mit solchen Konflikten um?

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Kommentare

74 Kommentare Seite 1 von 11 Kommentieren

Privatisierung bringt selten Vorteile für die Allgemeinheit

Heute Abend um 20:15 Uhr läuft auf arte die Dokumentation "Water makes Money".

Sollte man sich anschauen, denn Veolia hat schon rechtliche Schritte eingeleitet, es ist ungewiss ob der Film auch in Zukunft ausgestrahlt werden darf.

Und hier noch ein Link zu einem Artikel, der heute veröffentlich wurde und der die Schattenseiten von Wasser-Privatisierung zeigt.
http://www.nachdenkseiten...

Bitte wie?

"Investiert in Bildung, überlegt euczweimal, ob Kinder so, dass die Weltpopulation"

Was soll ich mir zweimal überlegen? "Ob Kinder so"?! Wenn Sie meinten: "überlegt euch zweimal, ob ihr Kinder in die Welt setzen wollt" muss ich mich bei Ihnen entschuldigen. Eins habe ich schon. Aber ich werde meiner Freundin sagen, dass mir in den Kommentaren von ZEIT Online von einem zweiten abgeraten wurde … Was für ein großer Blödsinn, dieses Argument. "Macht keine Kinder, dann wird die Welt genesen". Zum rotieren!

oh mann,...

aus welchen archiven kommt denn dieses interview?

[...]

natürlich braucht wasser seinen preis. die frage ist aber, wie diese preisbildung abläuft. genau hier sind alle möglichen vorstellungen denkbar, nur eine nicht - die kapitalvermehrungslogik eines investmentfonds.

Bitte argumentieren Sie sachlich und verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/fk.

Privatisierung eines Grundnahrungsmittels? Cui bono?

Manager verbreitet haufenweise wahrheitswidrige Behauptungen:

- Wasser ist nicht knapp, sondern aus geogenen Gründen sehr ungleich verteilt und zugänglich

[...]

MfG Karl Müller

Bitte argumentieren Sie sachlich und verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/fk.

Beispiel England

Während der Thatcherära wurde alles privatisiert, was sich nicht schnell genug auf die Bäume oder unter Wasser retten konnte, z.B. Wassermanagement !
Eine Bekannte von mir hat zwei Jahre in London gelebt. Sie musste sich in der Zeit mit Mineralwasser waschen, da das Leitungswasser so stark verchlort war, dass sie Ausschlag davon bekam.Da wurde nichts investiert, nur Kohle gezogen, bis das System fast kolabiert ist.
Es stellt sich langsam die Frage, wofür wir eigentlich noch Steuern zahlen sollen !!